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Immunstudien zu Omikron : Ein Aufatmen von Virologen hört sich anders an

Zusätzlichen Auftrieb geben dürften weitere Zwischenberichte zu Omikron-Neutralisationsstudien aus dem Labor von Ben Murrell und Dan Sheward am Karloinska-Institut in Stockholm geben. Sie nutzten zwei Dutzend Blutplasma-Proben von Genesenen aus Stockholm und von Klinikmitarbeitern, um deren Immunschutz in Tests mit Pseudoviren zu testen. Bei den Pseudoviren handelt es sich nicht um „lebende“ Omikron-Erreger, sondern um Lentiviren, die für die Analysen in der Petrischale mit den entscheidenden Oberflächenmolekülen der Omikron-Variante ausgestattet worden waren. Ihr Fazit: Auch in dem Fall war kein Totalverlust der Immunität festgestellt worden, sie war sogar noch deutlich besser als in den südafrikanischen Expertimenten: Um Omikron zu neutralisieren – sprich: unschädlich zu machen – waren im Schnitt etwa siebenmal so viele Antikörper nötig. Auch dies wiederum ein starker Hinwies, dass nachlassender Immunschutz und nicht etwa die Aggressivität der Omikron-Variante das Problem zu sein scheint. Umso wichtiger – so kommentieren nahezu alle Experten nach diesen ersten Daten – ist, dass die Booster-Kampagnen in den Ländern vorangetrieben und der Impfschutz durch die dritte Impfung vervollständigt wird.

Für den Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund, zeigen die „Ergebnisse ganz klar, dass auch die neutralisierenden Antikörper von Geimpften in der Lage sind, Omikron zu binden und zu neutralisieren. Die Impfungen sind also nicht nutzlos.“  Ob der Impfschutz vor schwerer Erkrankung bei Omikron noch hoch ist, sei unklar. „Da dieser Schutz nicht nur auf den Antikörpern beruht, gehe ich aktuell davon aus, dass der Schutz vor schwerer Erkrankung auch bei Omikron noch vergleichsweise hoch ist.“ Seiner Meinung nach werde es notwendig, die Impfstoffe anzupassen. „Ein Booster mit einem angepassten Impfstoff würde genau die Gedächtniszellen stimulieren, die Antikörper produzieren, die auch Omikron neutralisieren können. Daher würde ein Booster mit einem angepassten Impfstoff sicherlich auch einen guten Schutz gegen Omikron vermitteln. Da diese angepassten Impfstoffe frühestens nächstes Jahr im Februar oder März kommen werden, sollte man aber jetzt nicht darauf warten, sondern sich jetzt impfen oder boostern lassen.“

Inzwischen hat auch Biontech als erster Impfstoffhersteller einige vorläufige Ergebnisse seiner eigenen Laborstudien öffentlich gemacht. Sie zeigen, dass die dritte Impfdosis  mit dem bisherigen Impfstoff die Omikron-Erreger neutralisieren könnten. Die Booster würden die Antikörpermenge gegen die Omikron-Variante - verglichen mit einer Zweifachimpfung - um den Faktor 25 erhöhen. Aufgrund der bekannten Omikron-Mutationen gehe man davon aus, dass die T-Zell-Antwort nach der Impfung, die gegen die nicht mutierten Abschnitte des Spike-Proteins auf der Virusoberfläche gerichtet sind, sehr wohl ausreichen, schon nach einer Zweifachimpfung einen Schutz vor schwerer Krankheit sicherzustellen. Klinische Daten dazu gibt es allerdings nicht. Auch über die Zeitdauer und den Verlauf der Schutzwirkung kann wegen der Neuheit der Variante bisher keine Angaben gemacht werden. In der Pressemitteilung von Biontech heißt es: „Die Unternehmen werden die tatsächliche Wirksamkeit gegen Omikron weltweit genau beobachten und die Entwicklung eines Varianten-spezifischen Impfstoffs gegen Omikron fortsetzen. Sollte eine Anpassung des Impfstoffs für einen höheren sowie langanhaltenderen Schutz notwendig sein, gehen die beiden Unternehmen davon aus, den Impfstoff im bis Ende März bereitstellen zu können.“

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