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1,5 Grad Erwärmung : Fleißarbeit beim Klimaschutz spart Billionen

Der absehbare weiter beschleunigte Meerespegelanstieg ist auch noch nicht vollständig in den Klimafolgen-Berechnungen abgebildet. Bild: AFP

Klimaschutz kostet, soll sich aber langfristig lohnen. Eine Studie zeigt jetzt, dass sich strengerer Klimaschutz noch mehr lohnt. Mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 statt 2 Grad soll die Weltwirtschaft Kosten in Billionenhöhe einsparen.

          Als das Paris-Abkommen ausgehandelt wurde, war sie noch einer der Hebel gegen einen allzu rigorosen Klimaschutz: Die umweltökonomische Bilanz. Lohnt es sich, radikal Treibhausgase zu vermeiden, die Energiesysteme konsequent umzustellen? Auch als der amerikanische Präsident Donald Trump kurz nach seiner Amtsübernahme dem Klimaschutz den Rücken kehrte und den Ausstieg seines Landes aus dem wichtigsten Umweltabkommen der Staatengemeinschaft ankündigte, waren die Kosten der fälligen - und von der amerikanischen Vorgängerregierung durch Unterschrift besiegelten - Klimaschutzmaßnahmen das zentrale Argument. Schnell wurde ihm vorgerechnet, wie er sich mit dem Ausstieg ins eigene volkswirtschaftliche Bein schießt. Doch egal, wie die Ökonomen rechneten, es gab immer auch Gegenrechnungen aus dem Trump-Lager. Inzwischen mehren sich aber die unabhängigen wissenschaftlichen Analysen - auch aus Trumps eigenem Land -, die im Sinne des seinerzeit maßgeblichen Londoner Klimaökonomen  Nicholas Stern eine durchaus beachtliche  Kostenersparnis durch das Abbremsen der weltweiten Erwärmung prognostizieren.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          So zeigt eine neue Studie amerikanischer Wissenschaftler um Marshall Burke von der Stanford-Universität  in der Zeitschrift „Nature“: Klimaschutz lohnt sich sowieso, und mehr Klimaschutz lohnt sich noch mehr. Und das sowohl für reiche Länder, die kräftige kurz- und mittelfristigen Investitionen etwa für den Umbau der Energieversorgung zu stemmen haben, in denen  wie in den Vereinigten Staaten, China und Japan allerdings auch die meisten klimaschädlichen Emissionen verursacht werden. Auch und vor allem viele der ärmeren, schon heute in meist heißen Weltgegenden liegenden Staaten dürften langfristig von einem rigorosen Klimaschutz profitieren. 

          Wetterschäden und Gesundheitskosten

          In Zahlen heißt das: Bis zum Endes des Jahrtausends könnten global gesehen Kosten von mindestens 20 Billionen Dollar gespart werden. Kosten, die insbesondere durch extreme wetterbedingte Schäden, Reparaturmaßnahmen und Gesundheitsprobleme entstehen. Diese Kostenersparnis bezieht sich allein auf die kräftigere Absenkung des Klimaschutzziels von zwei Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrtausends - der Mindestzielmarke im Paris-Abkommen - auf die ebenfalls im Klimavertrag erwähnten 1,5 Grad.

          Wie groß der Aufwand ist, der betrieben werden muss, um das ehrgeizigere 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, ist wissenschaftlich noch nicht abgesichert. Nach den bisherigen Schätzungen aber, so berichten die amerikanischen Ökonomen, sei der Nutzen durch Kosteneinsparungen am Ende „mindestens dreißigmal so groß wie die zusätzlichen Kosten, die für den radikalen Klimaschutz  aufgewendet werden müssen. „Für die allermeisten Staaten der Welt, die Vereinigten Staaten eingeschlossen, haben wir inzwischen genügend Belege, um zu zeigen, dass der volkswirtschaftliche Nutzen des 1,5-Grad-Ziels den Aufwand um ein Vielfaches übersteigt“, schreibt Burke.

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