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Sternschnuppenschauer : Die Beste Zeit für Wünsche

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Sternschnuppen am Himmel: So können die Perseiden aussehen Bild: dpa

Es soll tatsächlich klare Nächte geben in den kommenden Tagen. Ein Blick in den Himmel lohnt sich nicht nur, um das zu überprüfen, sondern auch um ein schönes Himmelsschauspiel mitzuerleben. Bei Neumond leuchten die Sternschnuppen der Perseiden besonders hell. Von Dieter Hoß.

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          Zugegeben, es gehört eine ordentliche Portion Optimismus dazu, sich in diesem Sommer auf ein Himmelsereignis zu freuen. Für die meisten Menschen im weithin durchnässten Deutschland wäre es schon Schauspiel genug, endlich einmal wieder die Sonne zu sehen. Da trifft es sich gut, dass in diesen Tagen himmlische Hilfe heraneilt. Wer daran glaubt, dass sich Wünsche erfüllen, wenn man eine Sternschnuppe am Himmel aufleuchten sieht, der sollte in den beiden kommenden Nächten nach Wolkenlücken Ausschau halten. Denn die Erde wird in einen Sternschnuppenstrom eintauchen, und es wird reichlich Gelegenheit geben, sich zum Beispiel eine viel schönere zweite Sommerhälfte zu wünschen, was man bekanntlich aber niemandem verraten darf. Denn sonst, so sagt der Volksglaube, geht der Wunsch nicht in Erfüllung.

          Die „beste Zeit für Wünsche“, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einer Mitteilung schreibt, bricht alljährlich Mitte August über uns herein. Dann stürzt der Meteorschauer der „Perseiden“ auf uns herab und beschert uns einen wahren Sternschnuppenregen. Verantwortlich für die himmlischen Glühwürmchen ist aber leider kein kosmischer Glücksbote, sondern kühle Himmelsmechanik.

          Erde bewegt sich durch den Schweif

          Auf ihrem Weg um die Sonne durchquert unsere Erde in den Tagen zwischen dem 10. und 14. August eines jeden Jahres jene Bahn, die der Komet Swift-Tuttle um unseren Stern zieht (siehe dazu auch den Orbit von Swift-Tuttle im Diagramm (Nasa)). Der Schweifstern, von den Herren Lewis Swift und Horace Tuttle im Jahr 1862 unabhängig voneinander entdeckt, benötigt 133 Jahre, um unsere Sonne auf einer elliptischen Bahn einmal zu umrunden. Dabei tut er, was Kometen in erster Linie tun: Er verliert neben allerhand Gasen tonnenweise Staub, Eis- und Gesteinsbrocken - je näher er der heißen Sonne kommt umso mehr.

          Dadurch entsteht der für Kometen charakteristische Schweif, der sich über viele Millionen Kilometer erstrecken kann. Für uns bedeutet das: Swift-Tuttle ist zwar längst weitergezogen, aber sein Schweif reicht immer noch an die Erde heran - und sogar darüber hinaus. Bewegt sich unser Planet also in die Bahn des Kometen, so taucht er in den Schweif ein. Die Folge ist ein wahres Bombardement von Staubpartikeln, Krümeln kleinen Steinen und auch größeren Brocken. Sie alle verglühen in der Erdatmosphäre oder prallen von ihr ab, wobei die bekannten Leuchtspuren am Himmel entstehen: verglühende Meteore, besser bekannt als Sternschnuppen.

          Wirklich jeder kann zuschauen

          Das Schöne an dem Schnuppenschauer der „Perseiden“ ist, dass es sich um ein Himmelsschauspiel handelt, das wirklich jeder beobachten kann. Denn mal ehrlich: Selbst jene astronomischen Ereignisse, die nach Aussage der professionellen Sternbeobachter „leicht mit bloßem Auge“ zu beobachten sein sollen, sind für den ungeübten, gelegentlichen Himmelsgucker trotzdem nur schwer zu erspähen. Das ist in diesem Fall anders. Schauen soll man auf jeden Fall mit dem bloßen Auge, Hilfsmittel wie Feldstecher schränken nur das Sichtfeld ein, so dass die Chancen sinken, eine Sternschnuppe zu erhaschen.

          „Das Phänomen verteilt sich ja über den ganzen Himmel“, sagt Wolfgang Steinicke, Sprecher der Vereinigung der Sternfreunde. Im Grunde müsse man sich nur etwas Zeit nehmen, am besten eine Stelle fern von den Lichtern der Stadt suchen und in den Himmel schauen. Mit ein wenig Geduld werde man ganz bestimmt etliche Sternschnuppen sehen - zumal in diesem Jahr Neumond herrscht, es also besonders dunkel sein wird. „Da wird man auch die kleineren, weniger hellen Schnuppen sehen können“, freut sich Steinecke schon auf eine ereignisreiche Nacht im gemütlichen Liegestuhl - das Firmament fest im Blick.

          Bis zu 60 Schnuppen pro Stunde

          Wer genau hinschauen mag, der richte seinen Blick in einer der beiden kommenden Nächte mit Einbruch der Dunkelheit, also ab etwa 22 Uhr, in östlich-südöstliche Richtung. Dort findet sich am Himmel das Sternbild Perseus, aus dem die Sternschnuppen auf den Betrachter zuzuströmen scheinen - daher auch der Name „Perseiden“. Zur Orientierung: In unmittelbarer Nachbarschaft zu Perseus findet sich das auffällige sogenannte „Himmels-W“, das Sternbild Cassiopeia. Die Sternformation in Form eines W ist auch für Ungeübte leicht aufzufinden. Zwischen den beiden genannten Sternbildern treffen die „Perseiden“ ein.

          Bis zu 60 Sternschnuppen pro Stunde versprechen uns die Astronomen. Die besten Aussichten gibt es in der Nacht von Sonntag auf Montag, wobei das absolute Schnuppen-Maximum leider erst am Montagmorgen um acht Uhr erreicht wird. Dann ist es längst so hell, dass schon ein veritabler Brocken auf die Atmosphäre prallen müsste, um eine auffällige Leuchtspur am Taghimmel zu erzeugen.

          Kleine Partikel, große Wirkung

          Diese größeren Stücke werden Boliden oder Feuerkugeln genannt. Die meisten Sternschnuppen entstehen dagegen aus Partikeln, die nur ein bis zehn Milimeter groß sind. Angesichts des schönen und romantischen Himmelsschauspiels, das diese Winzlinge auslösen, mag man sich gar nicht vorstellen, wie eine finale Perseiden-Vorstellung aussehen könnte. Denn da die Erde den Schweif des Kometen durchfliegt und damit seine Bahn kreuzt, ist es denkbar, dass unser Planet eines fernen Tages auch auf den Komentenkern selbst treffen könnte. Gegen das, was der derzeit etwa 31 Kilometer im Durchmesser große Swift-Tuttle dann auf der Erde anrichten würde, ist ein verregneter Sommer allemal die kleinere Katastrophe.

          Die kommenden Nächte sollen übrigens vielfach klar werden, verspricht der Deutsche Wetterdienst. Wer also einige Sternschnuppen erhascht, sollte vielleicht späteren Generationen wünschen, dass ihnen eine solche Katastrophe erspart bleibt. Wir können dagegen unbeschwert genießen: Erst im Jahr 2126 wird Swift-Tuttle sich der Erde wieder nähern - und in einigem Abstand vorbeiziehen.

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