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Hummeln sind die beste Gesellschaft für eine kreative Kaffeepause im Homeoffice. Bild: Illustration Charlotte Wagner

Nektarquelle : In friedlicher Absicht: Der Admiral und die Hummelkönigin

Einen Garten „naturnah“ zu gestalten, ist ein schwieriges Unterfangen, wenn darin prächtige Exoten gedeihen. Und wenn sich Schmetterling und Hummel wohlfühlen, kann es doch nicht so verkehrt sein, die verschiedensten Nektarquellen anzubieten, oder?

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          Die Admiräle, die mich aufsuchen, kommen in friedlicher Absicht. Sie wollen kein Land erobern, sondern alle zur Verfügung stehenden Nektarquellen nutzen. Neben Pfauenauge und Kohlweißling findet sich also Vanessa atalanta regelmäßig am Schmetterlingsflieder ein, der zurzeit in voller Blüte steht – in seltenem Weiß – und meinen kleinen Garten in eine höchst angenehme Duftwolke hüllt, wie ich mir das beim Einzug im Winter vorgestellt hatte. Dieser aus China stammende Zierstrauch ist allerdings umstritten: Buddleja davidii ist ein invasiver Neophyt und Gartenflüchtling, der sich eben nicht nur dort ausbreitet, wo Mitteleuropa sowieso brach liegt.

          Sonja Kastilan
          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese Exoten werden in Lothringen sehr kritisch beäugt, aus naturnahen Flussauen in Österreich würde man sie nur zu gerne wieder vertreiben, und die Schweiz führt sie auf einer Schwarzen Liste, während man sich in Deutschland vergleichsweise entspannt gibt. Bisher seien keine negativen Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt bekannt geworden, schreibt das Bundesamt für Naturschutz auf seiner Homepage unter der Rubrik Neobiota. Zwar könnten durch Buddleja „Dominanzbestände“ beeinträchtigt werden, und „drei Millionen Samen pro Strauch“ hören sich wirklich bedrohlich an, aber als Erstbesiedler von vegetationsfeindlichen Substraten verbessern solche Büsche wohl die Wuchsbedingungen für andere Arten und leiten eine erwünschte Sukzession ein.

          Drei gelbe Streifen und ein weißer „Po“: Wissen Sie, welche Hummelart sich hier am Schmetterlingsflieder, Buddleja davidii, labt?
          Drei gelbe Streifen und ein weißer „Po“: Wissen Sie, welche Hummelart sich hier am Schmetterlingsflieder, Buddleja davidii, labt? : Bild: sks

          Meinen Garten würde ich nun nicht gerade als vegetationsfeindlich bezeichnen, obwohl mein Stadtteil den Ruf hat, urban-industriell zu sein, und Grünzeug hat es hier tatsächlich nicht einfach. In manchen Ecken fristet es den lieben langen Tag ein Schattendasein, in anderen droht schnell ein Sonnenbrand, und trocken ist es noch dazu. Trotzdem wollte ich dem Auge etwas Abwechslung bieten und natürlich Bienen dienen, also legte ich im Frühjahr mehrere Versuchsreihen an, in denen nicht alle Gewächse bis zum Herbst durchhalten werden, das ist schon jetzt zu sehen. Außerdem stellte ich Kübel auf, und ich muss gestehen, dass darin keine einheimischen Stauden wachsen, während sich Minze und Melisse jedoch im Beet breitmachen und Wildbienen anlocken. Ohne die Rispenhortensien in meinen Töpfen sehe es jedoch recht karg aus, und auf Lavendel möchte ich ungern verzichten. Auch beim Salbei habe ich auf fremdartige Sorten zurückgegriffen, und wenn sich dort Riesenbrummer tummeln, als wollten sie die kleinen Blüten am liebsten im Ganzen mitnehmen und nicht nur deren süßen Saft begehren, ist das doch zu begrüßen, oder?

          Mit einer Berliner Freundin tauschte ich neulich Hummelbilder via Whatsapp aus, wie wir es vermutlich mit Klebebildchen fürs Sammelalbum getan hätten, wären wir noch Kinder. Jede stolz wie Bolle, mit jeweils anderen „Pelzmustern“ aufwarten zu können. Sie schickte mir sechsbeinige Puschel am ökologisch-korrekten Natternkopf (Echium vulgare) auf ihrer Balkonwiese, ich revanchierte mich mit den Besuchern auf exotischen Sträuchern und Stauden. Im Mai lockte zum Beispiel Deutzia magnifica die Bestäuber mit Abertausenden Blütensternchen an, als mein Steinsame (Lithospermum purpurocaeruleum) sich gerade als Blühwunder von den Bestäubern verabschiedete, und jetzt könnte ich mit Blütenrispen von Buddleja auftrumpfen, wo Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln sichtbar gerne verweilen, meist allein auf einer Rispe, den Nektar der frischesten Blüten erntend.

          In Deutschland existieren 41 Arten, sprich mehr Hummeln als genug, um damit Karten für ein hübsches Memory oder Quartettspiel zu gestalten, und über die Website www.deutschland-summt.de sind sowohl Kurzporträts als auch Farbschemata und kostenfreie Bestimmungshilfen (mit etwas Geduld bei der Suche) zu finden, nützliche Pflanzentipps ebenfalls sowie Links zu informativen Seiten, zum Beispiel: aktion-hummelschutz.de. Von Exoten wird da zwar abgeraten, ich setze aber darauf, dass mein Garten als Nektarquelle insgesamt hilft, „Trachtlücken“ zu füllen, sollten die woanders aufklaffen. Und natürlich, ich achte auf ein abwechslungsreiches Angebot.

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