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Luftverschmutzung : Starker Tobak für die Lungenärzte

Asthmatiker sind bei Luftverschmutzung besonders gefährdet. Bild: dpa

Wo bleibt die Kausalität? Wer kann schon beweisen, dass der Dreck in der Luft das Leben verkürzt? Die Reaktionen internationaler Experten zeigen, was wissenschaftlich von der Unterschriftenliste der Lungenärzte zu halten ist.

          Die „Stellungnahme zur Gesundheitsgefährdung durch umweltbedingte Luftverschmutzung, insbesondere Feinstaub und Stickstoffverbindungen (NOx)“ mit der Unterschrift von mehr als hundert Lungenärzten und sympathisierenden Wissenschaftlern hat in der Forschergemeinde inzwischen heftige Reaktionen ausgelöst – auch international. Sie wollen hören, was die Experten zu der Intervention der Lungenärzte sagen? Das „Science Media Center“, das unabhängig von klassischen Medien, Institutionen und Verbänden recherchiert, hat  Stimmen internationaler Forscher eingeholt, die – anders als die Verfasser der Stellungnahme – mit der Erforschung der Gesundheitsgefahren von Luftschadstoffen befasst sind.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Kommentare wurden vom SMC übersetzt. Wir wollen Sie – ausnahmsweise im Originalton – dokumentieren. Und auch wenn der eine oder die andere wegen des Fachjargons nicht jeden Aspekt auf Anhieb versteht, so kann man sich doch insgesamt ein klareres, unverfälschtes Bild vom wissenschaftlichen Sach- und Diskussionsstand machen:

          Prof. Dr. Nino Künzli, PhD

          • Vizedirektor des Schweizerisches Tropen und Public Health Institut Basel (Swiss TPH), Schweiz, und Präsident der Eidgenössischen Kommission für Lufthygiene (EKL) des Bundesrates der Schweiz:

          „Die Grenzwert-Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO beruhen auf der gesamten weltweit verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz zu den Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit. Diese experimentelle und epidemiologische Forschung schlägt sich allein in den letzten 30 Jahren in etwa 70.000 wissenschaftlichen Arbeiten nieder. Diese Literatur wird von großen interdisziplinären Fachgremien regelmäßig neu beurteilt. Die Herren Köhler, Hetzel (zwei der Autoren der Stellungnahme; Anm. d. Red.) und ihre Jünger sucht man in dieser Wissenschaftsgemeinde vergeblich. Sie haben noch nie zu diesem Thema geforscht, weshalb sie auch noch nie in wissenschaftlichen Gremien zu diesen Fragestellungen tätig sein durften. In diesen Gremien wird Sachwissen verlangt. Köhler, Hetzel und Co. verfügen über keinerlei epidemiologische Ausbildung, die sie dazu befähigen würde, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Umweltepidemiologie sachkundig zu beurteilen. Das sogenannte ‚Positionspapier‘ dieser Ärzte entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und argumentativer Kohärenz. Leider fehlt Köhler, Hetzel und Co. nicht nur die Fähigkeit, diese Wissenschaft kritisch zu würdigen, sondern auch die Einsicht über die Grenzen der eigenen Kompetenzen.“

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