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Luftverschmutzung : Starker Tobak für die Lungenärzte

„3. Prof. Köhler kritisiert auch die wissenschaftlichen Studien, in denen Luftverschmutzung mit Mortalität und Morbidität in Verbindung gebracht wurde. Sein Argument ist, dass diese Studien durch Störfaktoren (Confounder) verdorben sind. Dieses Argument scheint ein häufiges Missverständnis zu sein, wenn Störfaktoren beschrieben werden als weitere Faktoren, die mit der Sterblichkeit zusammenhängen (und das möglicherweise noch viel stärker). Um jedoch den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Tod tatsächlich (mathematisch) zu beeinflussen, müssen diese Faktoren auch mit der Luftverschmutzung in Verbindung gebracht werden – wenn also die Luftverschmutzung höher ist, so wäre auch der Störfaktor höher. Studien können in verschiedenen Umgebungen, zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und mit unterschiedlichen Vergleichsgruppen durchgeführt werden, um im Wesentlichen jede Möglichkeit des Einflusses von Störfaktoren auszuschließen. Es ist nicht nur eine Studie oder eine Art von Studie, die die Grundlage für den ursächlichen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Mortalität bildet, sondern Hunderte von Studien, die mit unterschiedlichen Designs, an verschiedenen Bevölkerungsgruppen und in unterschiedlichen Umgebungen durchgeführt wurden. Diese werden auch durch zahlreiche Studien über biologische Mechanismen und sogar randomisierte, doppelblinde, kontrollierte Expositionsstudien unterstützt, bei denen Personen kurzzeitig der Luftverschmutzung ausgesetzt sind und biologische Reaktionen gemessen werden.“

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„Das Argument von Prof. Köhler deutet auch darauf hin, dass diese ‚anderen‘ Faktoren möglicherweise nicht genau gemessen und daher in verschiedenen Studien nicht ausreichend berücksichtigt werden. Das ist sicherlich in einigen Beispielen der Fall, aber um deutlich zu werden: Es gibt Studien, in denen die gleichen Messungen verwendet wurden, um die schädlichen Auswirkungen von Ernährungsfaktoren oder Rauchen aufzuzeigen, bei denen diese Kritik nicht zutrifft. Eine der bekanntesten frühen Studien über die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit war zum Beispiel eine Studie, die sich auf das Rauchen konzentrieren sollte. Die Luftverschmutzung wurde auch mit der Sterblichkeit in einer der wichtigsten Studien über Ernährungsrisikofaktoren in Verbindung gebracht.“ 

„4. Ein weiteres Argument der Autoren der Stellungnahme ist, dass alle Gifte ein charakteristisches Muster haben, die Luftverschmutzung jedoch nicht. Erstens ist die Luftverschmutzung kein einziger Stoff, sie ist eine Mischung aus Hunderten von verschiedenen Verbindungen, genau wie Zigarettenrauch. Das klassische individuelle Giftargument ist also nicht anwendbar. Zweitens, der Hauptmechanismus, durch den die Luftverschmutzung wirkt, ist eine Entzündung, die in der Lunge als Reaktion auf den Fremdstoff beginnt und dann ‚überläuft‘ in den gesamten Kreislauf. Es ist also nicht die direkte Wirkung der Luftverschmutzung, die mehrere Organsysteme betrifft, sondern die Entzündung, die durch die Luftverschmutzung ausgelöst wird und zu den Auswirkungen führt, die über die in der Lunge hinausgehen. Das gleiche Muster besteht für Zigarettenrauch – es betrifft mehrere Organsysteme. Das gleiche Phänomen erklärt auch, warum Zahnfleischentzündungen mit Herzerkrankungen verbunden sind.“

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