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Luftverschmutzung : Starker Tobak für die Lungenärzte

„2. Raucher atmen viel mehr Feinstaub (PM) ein als ein Mensch durch Luftverschmutzung, aber wenn die Luftverschmutzung so schädlich ist, wie die Schätzungen vermuten lassen, würden alle Raucher nach einigen Monaten der Exposition sterben, was nicht beobachtet wird (zusammengefasste Annahme von Herrn Köhler und Autoren; Anm. d. Red.). Es ist richtig, dass Raucher mehr PM einatmen als durch Luftverschmutzung und dass das Rauchen für eine Person im Vergleich zur Luftverschmutzung gefährlicher ist. Glücklicherweise rauchen die meisten Menschen jedoch nicht. Im Gegensatz dazu ist fast jeder der Luftverschmutzung ausgesetzt. Obwohl sie für jeden Einzelnen etwas weniger gefährlich ist, können so die Auswirkungen insgesamt größer sein als beim Rauchen. Darin besteht der Unterschied zwischen Einzel- und Bevölkerungsrisiko. Des Weiteren gibt es fürs Rauchen eine Selbstselektion – Menschen, die das Rauchen besser vertragen, werden eher weiter rauchen als diejenigen, die es nicht vertragen. Die Menschen haben diese Wahl bei der Luftverschmutzung nicht – sie können sich normalerweise nicht entscheiden, die Exposition zu vermeiden. Aus diesem Grund wirkt die Luftverschmutzung typischerweise, indem sie das Fortschreiten von Krankheiten beschleunigt, bei denjenigen, die aufgrund anderer Risiko- oder genetischer Faktoren oder des Alters bereits anfällig sind.“

„Der gleiche Grund erklärt, warum die Luftverschmutzung keinen offensichtlichen Schwellenwert für die Bevölkerung hat. Prof. Köhler argumentiert, dass alle Schadstoffe eine Schwellendosis haben, wie kann dies also bei der Luftverschmutzung nicht der Fall sein? Sicherlich gibt es für eine Person zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Schwellenwert für die Luftverschmutzung – aber es gibt eine Verteilung der Schwellenwerte innerhalb einer Population. Das ist wie bei allen Schadstoffen: Die Empfindlichkeit variiert zwischen den Menschen. Da in der Bevölkerung jeder der Luftverschmutzung ausgesetzt ist, erschwert eben diese Schwankung der einzelnen Schwellenwerte die Beobachtung eines ‚Null-Effekt‘-Wertes für die Luftverschmutzung insgesamt. Es wird fast immer jemanden geben, der extrem sensibel ist. Wir können diesen Effekt beobachten, weil jeder die ‚Gelegenheit‘ hat, mit der Luftverschmutzung in Berührung zu kommen. Wenn alle zum Rauchen gezwungen wären, würden wir auch feststellen, dass einige Menschen in der Bevölkerung auf einem viel niedrigem Level betroffen wären als andere.“

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