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Stadtökologie : Bäumchen, wechsle dich

  • -Aktualisiert am

Der Orkan Ela wütete vor zwei Jahren in Düsseldorf. Im dortigen Hofgarten riss er selbst Baumriesen aus der Verankerung. Bild: Picture-Alliance

Menschen haben es gerne grün, auch und gerade in den Häuserschluchten ihrer Metropolen. Doch lange nicht alles, was Blätter hat, hält es dort aus. Über die schwierige Suche nach dem idealen Stadtbaum.

          Früher stand in jedem Ort eine Linde. Und wo heute die Bäume verschwunden sind, erinnern oft noch Namen an sie: Bezeichnungen von Straßen, Gasthäusern, Plätzen oder auch Städten. In Leipzig etwa steckt das sorbische Wort Lipsk für Linde; der Baum war so selbstverständlich wie ein Kirchturm, und wie dieser strahlte er Beständigkeit aus. Unter den Linden wurde getanzt, getrunken und gerichtet, in vorchristlicher Zeit auch geheiratet. Germanen und Slawen verehrten die Linde als heiligen Baum, von dem es hieß, er bringe Schönheit, Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

          Fragt man aber moderne Städter nach der Linde, reagieren viele mit blankem Hass. Die Bäume blühen zurzeit, das duftet aromatisch süß, zugleich überziehen sie ganze Stadtviertel mit einem Schmierfilm. Es klebt nicht nur auf Gehwegen und Straßen, sondern vor allem auf parkenden Autos. Wenn dann die Sonne das Zeug ins heilige Blech regelrecht einbrennt, kann nur noch ein zeitnaher Besuch der Waschanlage schlimmere Lackschäden verhindern. In allen deutschen Großstädten hegen Lindenhasser zurzeit Kettensägen-Phantasien. Dabei ist das Problem nicht einmal die Linde selbst, sondern ein massiver Befall von Blattläusen, die Zuckersaft aus den Blättern saugen - und ausscheiden. Das Resultat ist Honigtau, der zäh von den Bäumen tropft.

          Aber es ist nicht nur die Linde, die viele Berliner, Kölner, Frankfurter und Münchner stört. Eigentlich, so berichten Gartenämter, gebe es keinen Baum, über den sich Anwohner nicht beschweren würden. Tatsächlich ist die Liste der Anforderungen an einen Stadtbaum anspruchsvoll: Er soll nicht stinken, kleben oder lärmende Vögel anziehen, er soll weder Pollen produzieren noch das Pflaster mit seinen Früchten verschandeln, seine Wurzeln keine Gehwege und Straßen aufwölben. Dafür soll er jederzeit sturmsicher sein, Hitze und Frost aushalten, Schatten spenden, Schädlinge überleben, Urin, Kot und Streusalz ertragen und natürlich stets schön anzusehen sein. Die Leute wollen den perfekten Stadtbaum. Doch gibt es den überhaupt?

          Spezialisten gesucht

          Wer das erfahren will, muss nach Franken reisen. In der Bayerischen Landesanstalt für Weinanbau und Gartenbau in Veitshöchheim bei Würzburg versuchen Biologen und Forstleute Bäume zu finden, die den Anforderungen der Zukunft am ehesten gewachsen sind. „Stadtgrün 2021“ heißt das europaweit einzigartige Projekt, bei dem an drei verschiedenen Standorten zwanzig neue Arten getestet werden. Seit sechs Jahren läuft das Projekt. „Praktische Forschung“ nennt das die Biologin Susanne Böll, die das Projekt leitet.

          Ihren Gast empfängt Böll an einem schwülen Frühsommertag am Veitshöchheimer Bahnhof. Bestes Wachstumswetter immerhin, die Bäume stehen voll im Saft. Mitgebracht hat sie ihren Kollegen Philipp Schönfeld, ein Landschaftsplaner und gebürtiger Berliner, wie man gleich hört. Böll und Schönfeld werden in den folgenden drei Stunden erklären, was einen geeigneten Baum auszeichnet - und was nicht. Immerhin haben sie sich in allen Regionen der Welt nach geeignetem Stadtgrün umgeschaut. Interessant waren vor allem solche Bäume, die in extremen Klimazonen gedeihen. Den Wald wie früher einfach in die Stadt zu holen, ist heute undenkbar: „Es ist wichtig, dass für jeden Standort ein geeigneter Baum gefunden wird“, sagt Böll. Gesucht würden keine Allrounder, sondern Spezialisten.

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