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Sportmedizin : Köpfchen in die Höh’

  • -Aktualisiert am
Es steht zwar im Lehrplan, dass Kinder nach dem Ende der Grundschulzeit schwimmen können müssen, das klappt aber nicht immer - auch, weil Kommunen den Schulen nicht ausreichend Schwimmbäder bereitstellen.

Wichtig sei, dass die anderen Techniken möglichst rasch dazukommen. Daraus können die Kinder dann individuelle Mischformen entwickeln. Viele kombinieren zum Beispiel den Beinschlag der Krauler mit den Armbewegungen aus dem Brustschwimmen. Ängstliche Kinder bevorzugen das Brustschwimmen - so haben sie alles im Blick. Übergewichtige wiederum lieben Rückenschwimmen, weil es die Wirbelsäule entlastet und die Atmung dabei besonders einfach ist.

Experten sehen aber noch einen weiteren Vorteil darin, Kindern früh verschiedene Stile anzubieten: Sie erwerben damit eine größere Sicherheit im Wasser. Wer nur eine Technik beherrscht, hat im Notfall zu wenig Rüstzeug. Kinder haben zum Beispiel Probleme damit, sich im Wasser von der Rückenlage auf den Bauch oder umgekehrt zu drehen, wenn sie es nicht üben. Das kann zum lebensgefährlichen Problem werden, wenn sie ins Wasser stürzen.

Immer weniger können schwimmen

Wer nur kraulen kann, hat mitunter noch nicht gelernt, auf der Stelle zu treten, um in brenzligen Situationen Hilfskräften zu winken. Und manche Kinder, die nur das Brustschwimmen beherrschen, haben bislang jedes Untertauchen mit dem Kopf vermeiden können. Sie geraten dann schon bei kleineren Wellen in Panik.

Tatsächlich nimmt die Zahl der sicheren Schwimmer ab, das belegen Studien immer wieder. So stellte die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) 2011 fest, dass nur noch 55 Prozent aller Fünftklässler einen Freischwimmer haben - vor 25 Jahren waren es noch 90 Prozent aller Viertklässler. Grund dafür sei vor allem der Geldmangel, der zur Schließung zahlreicher Schwimmbäder geführt hätte.

Die aktuelle Entwicklung bei den Schulkindern ist erschreckend genug. Tatsächlich sicher und altersentsprechend schwimmen können aber noch einmal deutlich weniger: Laut einer Studie der Sportwissenschaftler der Universität Bielefeld beherrschen dies nur 30 Prozent der Fünftklässler. Schwimmabzeichen allein sind eben noch kein Beleg fürs Schwimmen können. Dies bemerkt auch Schwimmlehrer Haegemann in seinen Pflichtkursen für Schulen. „Manches Kind kommt dann zwar mit einem Freischwimmer-Abzeichen an der Hose zu uns, kann aber nicht sicher gleiten, treiben oder tauchen.“ Die Schüler landen dann im Anfängerkurs, um die Grundlagen nachträglich zu lernen.

Schön, aber nicht ausreichend: Das Seepferdchen-Abzeichen.

In Hamburg haben die städtischen Bäder ihr Lehrkonzept grundlegend umgestellt. Die Kurse zielen dort nicht mehr auf ein bestimmtes Abzeichen oder einen vorgeschriebenen Schwimmstil. Schwimmhilfen sind abgeschafft. Die ersten drei Lehrmodule konzentrieren sich auf den sicheren Umgang mit dem Wasser: drehen, tauchen, springen. Erst dann wird mit ersten Technik-Übungen begonnen. „Früher wurden die Kinder auf Brustschwimmen getrimmt und waren schnell frustriert“, so Haegemann, „heute gewöhnen sie sich viel länger an das neue Element Wasser und probieren erst dann verschiedene Stile aus.“

Nach seiner Erfahrung haben die Kinder seit der Umstellung des Lehrkonzeptes im Jahr 2006 weniger Angst im Wasser. Sie lernen zwar etwas langsamer, aber viel leichter und sicherer schwimmen. Welche Technik sie dabei wählen, bleibt ihnen überlassen: Krauler, Rücken- und Brustschwimmer sind bei Haegemann etwa gleich stark vertreten. Auch die Regeln für die Schwimmabzeichen schreiben keine spezielle Schwimmtechnik vor.

Schwimmen können nicht nur Kinder lernen, auch Erwachsene können Schwimmkurse besuchen. Hier bekommen sie Tips für einen besseren Stil.

Erste Erfolge sind bereits messbar: So haben deutlich mehr Schüler ihr Schwimmabzeichen erreicht. Innerhalb von zwei Jahren stieg der Anteil der Kinder, die beim Schulschwimmen beim Hamburger Bäderland die Seepferdchen-Prüfung erfolgreich absolvierten, von 80 auf 95 Prozent.

Nun wünschen sich die Schwimmlehrer mehr Mut bei den Erwachsenen. Die Kurse für ältere Schwimmer sind wenig gefragt. Dabei könnten die meisten Tips und Korrekturen brauchen.

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