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Weltklimarat ist alarmiert : „Die Möglichkeit zu reagieren besteht noch“

Kalbender Eispanzer an der Küste Grönlands. Bild: AFP

Düstere Fakten, noch düsterere Prognosen, doch Hoffnung bleibt – so stellte der Weltklimarat seinen neuen Sonderbericht in Monaco vor. Die wichtigsten Fakten zur Präsentation und aus dem Bericht.

          4 Min.

          Der von den Vereinten Nationen eingesetzte zwischenstaatliche Weltklimarat IPCC hat nach einer viertägigen Sitzung in Monaco in seinem neuen „Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre im Klimawandel“ (SROCC) von einer „größeren Dringlichkeit“ und den „Beginn einer unumkehrbaren Entwicklung“ durch die unvermindert anhaltenden Emissionen von Treibhausgasen gesprochen. Die französische Klimatologin Valérie Masson-Delmotte warnte, der globale Klimawandel sei in den vergangenen Jahrzehnten „unumkehrbar“ in Gang gesetzt worden, was vor allem in dem trägen System Ozean langfristige Folgen haben werde. Jetzt gehe es um die Begrenzung des Ausmaßes und der negativen Auswirkungen. „Die Möglichkeit zu reagieren besteht noch. Auch das wird in dem Bericht gezeigt.“

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In der entscheidenden Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger heißt es in dem IPCC-Bericht: „Dies unterstreicht die Dringlichkeit, mit der rechtzeitiges, ehrgeiziges, koordiniertes und dauerhaftes Handeln zur Priorität gemacht werden muss.“

          Der Klimawandel beeinträchtigt dem Bericht zufolge schon heute massiv die Ozeane, die Eiskappen, Gletscher, den Permafrost und Schelfeis- wie Schneeflächen weltweit. Die gravierendsten Auswirkungen der durch den Menschen beschleunigten Erderwärmung werde sich aber vor allem in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zeigen. Der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt sich schon deutlich, und ohne Emissionssenkungen wird der Meeresspiegel dem IPCC-Bericht zufolge bis 2100 mehr als zehnmal schneller ansteigen als im 20. Jahrhundert. Einige Inselstaaten werden dem IPCC zufolge wahrscheinlich durch den steigenden Meeresspiegel und andere Veränderungen des Ozeans unbewohnbar werden. Die Meereisflächen in der Arktis schrumpfen inzwischen jedes Jahrzehnt um 13 Prozent.

          Hans-Otto Pörtner, einer der Leitautoren des IPCC-Berichts, sprach in der Pressekonferenz davon, dass bereits achtzig Prozent des Planeten die Auswirkungen des Klimawandels spüren: „Wir können das nur unter Kontrolle bringen, wenn wir die Emissionen schnell und stark senken.“ Die britische Klimaforscherin Debra Roberts, die die sozialen Folgen und Zusammenhänge des Klimawandels in dem Sonderbericht zu verantworten hat, drängte auf schnelles politisches Handeln: „Der Bericht gibt uns auch Perspektiven und neue Möglichkeiten, wie wir auf die Entwicklung reagieren können.“

          Trügerische arktische Stille in Kulusuk.

          Die Folgen im Einzelnen

          In seinen Analysen und Modellrechnungen, die sich auf annähernd 7000 wissenschaftliche Publikationen der jüngeren Zeit stützen, zeigt der Bericht folgendes:

          Zum Meeresspiegelanstieg:

          Bei weiter hohen Emissionen würde sich der Anstieg des globalen Meeresspiegels durch Wärmeausdehnung und das Abschmelzen der polaren Eispanzer zusätzlich beschleunigen und wäre im Jahr 2100 mit 15 Millimeter pro Jahr mehr als viermal so schnell wie heute und mehr als zehnmal so schnell wie im Durchschnitt des letzten Jahrhunderts. Dies würde einen weiteren Anstieg des Meeresspiegels um etwa 84 Zentimeter bedeuten, obere Schätzungen gehen sogar von 110 cm aus. Diese Projektion liegt zehn Zentimeter höher als noch im Fünften Sachstandsbericht des IPCC, da man nun davon ausgeht, dass der Antarktische Eisschild schneller schmilzt als bisher angenommen. Der Grönländische und der Antarktische Eisschild schmelzen und setzen dabei über 400 Mrd. Tonnen Wasser pro Jahr frei. Mit schnellen Emissionssenkungen würde der Meeresspiegelanstieg in diesem Jahrhundert auf etwa 43 Zentimeter begrenzt – das heißt, er würde etwa halbiert. Ohne Emissionssenkungen würde sich der Anstieg des Meeresspiegels nach 2100 weiter beschleunigen. Der Bericht warnt vor einem Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 5,40 Meter bis zum Jahr 2300.

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