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Hummeln : Fast schon so clever wie ein Affe

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Eine Erdhummel schwebt über einer Blüte. Bild: Picture-Alliance

Hummeln sind wie Bienen wertvolle Bestäuber. Sie lassen sich allerlei Tricks einfallen, um an Nektar zu gelangen. Dabei ziehen sie auch schon mal an einem Faden, um die Nahrungsquelle zu erreichen.

          Wenn Affen aus eigenem Antrieb an einer Schnur ziehen, um sich einen Leckerbissen zu angeln, erweisen sie sich als innovativ. Schließlich gehört diese Methode der Nahrungsbeschaffung nicht zu ihrem üblichen Verhaltensrepertoire. Dass auch Insekten solch eine Aufgabe durchaus meistern können, haben kürzlich Wissenschaftler von der Queen Mary University of London an Hummeln beobachtet. Einige der Hummeln wurden nicht nur zu versierten Strippenziehern. Von ihresgleichen in Augenschein genommen, konnten sie die erworbenen Fähigkeiten sogar weitergeben und damit gewissermaßen eine kulturelle Tradition begründen, wie Sylvain Alem und seine Kollegen in der Online-Zeitschrift „Plos Biology“ (doi: 10.1371/journal.pbio.1002564) berichten.

          Zunächst brachten die Biologen um Alem den als Versuchstiere ausgewählten Erdhummeln (Bombus terrestris) bei, dass sie sich mitten auf einer kleinen blauen Plastikscheibe eine konzentrierte Zuckerlösung abholen konnten. Bei den anschließenden Experimenten plazierten die Biologen diese künstliche Blume unter einem durchsichtigen Plexiglas. Um dennoch an die süße Belohnung gelangen zu können, mussten die Hummeln an einem Faden ziehen. Dessen eine Ende war an der blauen Plastikblume befestigt, das andere ragte ein Stück unter dem Plexiglas hervor. Von mehr als hundert Probanden schafften es freilich bloß zwei, die Plastikscheibe mit dem Zuckerwasser an sich zu ziehen. Alle anderen Hummeln suchten vergeblich auf dem Plexiglas herum oder versuchten, sich darunterzuzwängen.

          Hummeln Schritt für Schritt trainiert

          Um ihnen auf die Sprünge zu helfen, trainierten die Forscher um Alem die Hummeln dann Schritt für Schritt: Erst war die Nektarquelle auf der künstlichen Blume frei zugänglich. Anschließend wurde sie unter dem Plexiglas versteckt, blieb für den Rüssel der Hummeln aber erreichbar. Als die Plastikblume zum Schluss ganz außer Reichweite der Tiere rückte, gelang es einem Großteil der Hummeln, sie an dem Faden wieder hervorzuziehen und sich am Nektar zu laben.

          Was freilich nicht heißt, dass die erfolgreichen Tiere die Lage durchschaut hätten. Es genügte ja, dass sie unter das Plexiglas zu kriechen versuchten, sich minutenlang abstrampelten und dabei rein zufällig an dem Faden zogen. Dann mussten sie sich bloß noch merken, dass sie dadurch ihrem Ziel nähergekommen waren. Wie übrigens häufig auch bei Menschen war hier ausschließlich assoziatives Lernen im Spiel.

          Dass den Insekten - wie zu erwarten - jede Einsicht in ursächliche Zusammenhänge fehlt, bestätigte folgendes Experiment: Die Forscher führten den Faden unter dem Plexiglas nicht geradlinig nach außen. Stattdessen legten sie ihn in Schlaufen, die die Hummeln erst gerade ziehen mussten, ehe sich die künstliche Blume in Bewegung setzte. Ohne vorherige Übung im Strippenziehen waren die Hummeln von dieser Konstellation überfordert. Nur wenn sie zuvor schon unmittelbar Erfolg erlebt hatten, zerrten sie lange genug an dem Faden, um die Nektarquelle in Reichweite zu holen.

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