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„Alles kam zu mir aus dem Licht“

Interview von CARL GIERSTORFER, Fotos von SEBASTIÃO SALGADO

23. Juni 2021 · Einst fotografierte er Flüchtlinge und Sterbende in Kriegsgebieten, in seinem jüngsten Werk „Amazônia“ widmet sich der berühmte Dokumentationsfotograf Sebastião Salgado dem Regenwald seiner Heimat.

Das Werk von Sebastião Salgado 

„Erreicht uns das Licht vom Himmel aus, oder steigt es aus unserem Inneren auf?“, fragt der uruguayische Essayist Eduardo Galeano in seinem Vorwort zu einem 1990 erschienenen Bildband des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Es war eine Zusammenstellung aus verschiedenen Arbeiten, denen sich der 1944 geborene Salgado teils über viele Jahre widmete: dem von Armut geprägten Leben der „anderen Amerikas“, den Menschen in Bergdörfern, Zuckerrohrplantagen oder Goldminen.

Salgado evaluierte als Ökonom für die Weltbank Projekte, bevor er sich mit 29 Jahren der Fotografie widmete. In seinem Schaffen rückte er Vertriebene und Namenlose ins Zentrum, dokumentierte Hungersnöte in der Sahelzone und den Völkermord in Ruanda. Hierbei verlor er nach eigenen Angaben den Glauben an die Menschheit. Er kehrte der Fotografie den Rücken und begann, mit seiner Frau Lélia Wanick Salgado auf der Farm seines Vaters im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais 7000 Hektar Regenwald aufzuforsten. 1998 gründeten sie hier das Naturschutzprojekt „Instituto Terra“.

Fotograf Sebastião Salgado und seine Frau Lélia pflanzten auf ihrer Farm Instituto Terra in Brasilien viele Millionen Bäume.
Fotograf Sebastião Salgado und seine Frau Lélia pflanzten auf ihrer Farm Instituto Terra in Brasilien viele Millionen Bäume. Foto: Ricardo Beliel

Zwischen 2004 und 2011 reiste Salgado wieder um die Welt, um für das Fotoprojekt „Genesis“ unberührte Landschaften und teils isoliert lebende Völker abzulichten. In seinem jüngsten Bildband „Amazônia“ findet diese Hinwendung zur Natur mit Aufnahmen des größten tropischen Regenwaldes der Erde nun seine Fortsetzung. Sebastião Salgado wurde 2019 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. 

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