https://www.faz.net/-gwz-zd33

Schlafforschung : Bewegte Betten

  • -Aktualisiert am

Verstärkt langsame Schwingungen in der Hirnstromkurve: die Schlafschaukel. Bild: dapd

Ein schaukelndes Bett hilft jedem dabei, schneller einzuschlafen. Und nicht nur das: Auch die frühe, flache Schlafphase wird rascher abgelöst von einem tiefen Schlummer. Das fanden Forscher von der Universität Genf heraus, als sie Probanden in automatischen Hängematten einnicken ließen.

          2 Min.

          Einschlafen ist eine Wissenschaft für sich, und das nicht erst seit dem amerikanischen Bucherfolg „Verdammte Scheiße, schlaf ein“. Gestern kam der schmale Band auf den deutschen Markt - entnervte Lyrik eines Vaters, des Schriftstellers Adam Mansbach, der auf der Bettkante abwartet, bis die kleine Tochter endlich einschläft.

          Schon die Vorbestellungen ließen das Bilderbuch in die Top Ten der bei Amazon meistverkauften Bücher schießen. Das deutet darauf hin, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Kleinkinder ähnliche Schwierigkeiten beim Einschlafritual macht wie Mansbachs dreijährige Tochter. Die Elternforen im Internet sind jedenfalls voll mit Anekdoten über Kleinkinder, die nur auf dem Arm einschlafen, nur in einer Wippe, nur im fahrenden Kinderwagen oder sogar nur auf der Autobahn.

          Ein bewegtes Bett hilft tatsächlich beim Einschlafen

          Fast immer geht es in den Berichten darum, das Kind in Bewegung zu halten - ein Kraftakt für die Eltern. Inzwischen schwören viele auf an der Decke aufgehängte Schlafkörbe, auf Kinderhängematten und Tragetücher.

          Auch die altbewährte Babywiege ist wieder en vogue. Eine Studie der Universität Genf zeigt jetzt erstmals, dass ein „bewegtes Bett“ dem menschlichen Gehirn tatsächlich hilft, in den Schlaf hinüberzugleiten - und welcher Mechanismus dahintersteht. Das Wissenschaftlerteam ließ zwölf gesunde junge Männer eine Dreiviertelstunde lang Mittagsschlaf halten in einer Experimental-Hängematte, die in sanfte Schwingungen versetzt werden oder aber in einem Standmodus verharren konnte.

          Die Wellenmuster im Elektroenzephalogramm sind typisch für tiefen Schlaf

          Leichtes Schaukeln habe dazu geführt, dass sämtliche Probanden schneller vom Schlaf übermannt wurden als im Standmodus, schreiben die Forscher in „Current Biology“. Außerdem ließ sich die erste, flache Schlafphase durch die Bewegung verkürzen, so dass die zweite, tiefere Phase länger dauerte. Während des Versuchs wurde die Gehirnaktivität der Probanden gemessen. Das Schaukeln verstärkt demnach langsame Schwingungen im Elektroenzephalogramm und erzeugt außerdem ein als „Schlafspindeln“ bekanntes Wellenmuster. Beides zusammen kennzeichnet eine neuronale Aktivität, die charakteristisch ist für tieferen Schlaf.

          Die Probanden gaben überwiegend an, dass ihnen der Schaukelmodus angenehmer war als der Standmodus. Die Genfer Schlafforscher sind jetzt in Goldgräberstimmung: Sie wollen klären, ob das Schaukeln auch Perspektiven für die Therapie von Schlafstörungen bietet. Produzenten von Babyzubehör haben das Potential bewegter Betten schon länger erkannt: Sie bieten inzwischen nicht nur Designausführungen der traditionellen Wiege, sondern längst auch eine elektrische Schaukelfunktion.

          Weitere Themen

          Das fatale Sterben „der Inneren“

          Profitstreben in Kliniken : Das fatale Sterben „der Inneren“

          Hauptsache lukrativ: Immer mehr Kliniken schließen ihre Allgemein-internistischen Stationen zugunsten von Spezialisten. Leidtragende sind multimorbide Patienten – ausgerechnet deren Zahl aber wächst weiter. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Das britische Unterhaus am Dienstag Abend

          Johnson-Zeitplan abgelehnt : Brexit zum 31.Oktober nahezu ausgeschlossen

          Das britische Parlament hat den Gesetzesrahmen für den Brexit-Deal im Grundsatz gebilligt. Unmittelbar nach diesem Zwischenerfolg lehnte das Unterhaus jedoch den Zeitplan von Boris Johnson ab. EU-Ratspräsident Tust will eine Verlängerung der Brexit-Frist empfehlen.
          Mal wieder Münchner Mitarbeiter des Abends: Robert Lewandowski

          3:2 in Piräus : Bayern retten sich ins Ziel

          Die Bayern geraten bei Olympiakos Piräus früh in Rückstand und unter Druck – aber auf Torjäger Lewandowski ist Verlass. Für die Münchner Abwehr gilt das beim 3:2-Sieg schon wieder nicht.
          Kurze und höchst umstrittene Amtszeit: Stefan Jagsch spricht vor dem Gemeinschaftshaus in Altenstadt-Waldsiedlung.

          Nur einen Monat im Amt : NPD-Ortsvorsteher nach Eklat abgewählt

          Die Wahl eines NPD-Parteimitglieds zum Ortsvorsteher im hessischen Ort Altenstadt hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Nun wurde Stefan Jagsch wieder abgewählt. Er fechtet die Entscheidung an – und versammelt einige Unterstützer hinter sich.

          AKK-Vorstoß : Gezielte Überrumpelung

          Annegret Kramp-Karrenbauer hat den Koalitionspartner mit ihrem Syrien-Vorstoß schwer düpiert. Jetzt muss sie ihre Idee so seriös weiterentwickeln, dass sie dem Vorwurf entgeht, es sei ihr nur um die eigene Profilierung gegangen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.