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Schlafforschung : Bewegte Betten

  • -Aktualisiert am

Verstärkt langsame Schwingungen in der Hirnstromkurve: die Schlafschaukel. Bild: dapd

Ein schaukelndes Bett hilft jedem dabei, schneller einzuschlafen. Und nicht nur das: Auch die frühe, flache Schlafphase wird rascher abgelöst von einem tiefen Schlummer. Das fanden Forscher von der Universität Genf heraus, als sie Probanden in automatischen Hängematten einnicken ließen.

          Einschlafen ist eine Wissenschaft für sich, und das nicht erst seit dem amerikanischen Bucherfolg „Verdammte Scheiße, schlaf ein“. Gestern kam der schmale Band auf den deutschen Markt - entnervte Lyrik eines Vaters, des Schriftstellers Adam Mansbach, der auf der Bettkante abwartet, bis die kleine Tochter endlich einschläft.

          Schon die Vorbestellungen ließen das Bilderbuch in die Top Ten der bei Amazon meistverkauften Bücher schießen. Das deutet darauf hin, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Kleinkinder ähnliche Schwierigkeiten beim Einschlafritual macht wie Mansbachs dreijährige Tochter. Die Elternforen im Internet sind jedenfalls voll mit Anekdoten über Kleinkinder, die nur auf dem Arm einschlafen, nur in einer Wippe, nur im fahrenden Kinderwagen oder sogar nur auf der Autobahn.

          Ein bewegtes Bett hilft tatsächlich beim Einschlafen

          Fast immer geht es in den Berichten darum, das Kind in Bewegung zu halten - ein Kraftakt für die Eltern. Inzwischen schwören viele auf an der Decke aufgehängte Schlafkörbe, auf Kinderhängematten und Tragetücher.

          Auch die altbewährte Babywiege ist wieder en vogue. Eine Studie der Universität Genf zeigt jetzt erstmals, dass ein „bewegtes Bett“ dem menschlichen Gehirn tatsächlich hilft, in den Schlaf hinüberzugleiten - und welcher Mechanismus dahintersteht. Das Wissenschaftlerteam ließ zwölf gesunde junge Männer eine Dreiviertelstunde lang Mittagsschlaf halten in einer Experimental-Hängematte, die in sanfte Schwingungen versetzt werden oder aber in einem Standmodus verharren konnte.

          Die Wellenmuster im Elektroenzephalogramm sind typisch für tiefen Schlaf

          Leichtes Schaukeln habe dazu geführt, dass sämtliche Probanden schneller vom Schlaf übermannt wurden als im Standmodus, schreiben die Forscher in „Current Biology“. Außerdem ließ sich die erste, flache Schlafphase durch die Bewegung verkürzen, so dass die zweite, tiefere Phase länger dauerte. Während des Versuchs wurde die Gehirnaktivität der Probanden gemessen. Das Schaukeln verstärkt demnach langsame Schwingungen im Elektroenzephalogramm und erzeugt außerdem ein als „Schlafspindeln“ bekanntes Wellenmuster. Beides zusammen kennzeichnet eine neuronale Aktivität, die charakteristisch ist für tieferen Schlaf.

          Die Probanden gaben überwiegend an, dass ihnen der Schaukelmodus angenehmer war als der Standmodus. Die Genfer Schlafforscher sind jetzt in Goldgräberstimmung: Sie wollen klären, ob das Schaukeln auch Perspektiven für die Therapie von Schlafstörungen bietet. Produzenten von Babyzubehör haben das Potential bewegter Betten schon länger erkannt: Sie bieten inzwischen nicht nur Designausführungen der traditionellen Wiege, sondern längst auch eine elektrische Schaukelfunktion.

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