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Schlafentzug von Gefangenen : Ein Anschlag auf die Gesundheit

  • -Aktualisiert am

Im Gefängnis. Bild: dpa

Den Schlaf rauben, um Selbstmord zu verhindern? Was Häftlingen wie dem Ex-Arcandor-Manager Thomas Middelhoff widerfährt, ist medizinisch gesehen Körperverletzung und Psychoterror. Ein Kommentar.

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          Wenn es stimmt, was die Anwälte des wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilten Managers Thomas Middelhoff berichten, dann wird nicht nur in den Kerkern sogenannter Unrechtstaaten, sondern auch im Rechtsstaat Deutschland gefoltert: Denn chronischer Schlafentzug, ein gängiges Mittel der Tortur in Diktaturen, ist nichts anderes als Quälerei. Ein Anschlag auf die Gesundheit.

          Laut einem Bericht in „Bild am Sonntag“, der sich auf Aussagen der Anwälte des früheren Arcandor-Chefs stützt, wurde der in der Justizvollzugsanstalt Essen (NRW) einsitzende Middelhoff einen Monat lang alle 15 Minuten geweckt – mit der Begründung, er sei suizidgefährdet und man müsse ihn daher beständig überwachen. Abgesehen davon, dass man zum Selbstmord geeignetes Material auch aus der Zelle verbannen kann, hat eine solche Behandlung schwerwiegende körperliche und seelische Konsequenzen.

          Nachhaltig Schaden nimmt dabei vor allem die Psyche, was dazu führen kann, dass die betroffene Person anschließend an Depressionen erkrankt und dann tatsächlich oder erst recht in Gefahr schwebt, sich das Leben zu nehmen. Wie zudem aus einer Vielzahl von Studien hervorgeht, beeinträchtigt chronischer Schafentzug die Wehrfähigkeit des Immunsystems. So geht etwa die immunisierende Wirkung einer Impfung gegen das Hepatitis-A-Virus bereits nach einer schlaflosen Nacht um rund die Hälfte zurück. Darüber hinaus erhöht Schlafmangel die Anfälligkeit für Infektionen, ruft Entzündungszellen auf den Plan, bringt den Stoffwechsel aus dem Lot und treibt zudem das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Diabetes in die Höhe. Nicht ausschließen lässt sich vor diesem Hintergrund, dass die bei Middelhoff diagnostizierte Autoimmunkrankheit durch den chronischen Schlafentzug ausgelöst oder zumindest verschlimmert wurde.

          Wie auch immer man zur Person Middelhoff stehen mag: Es darf nicht sein, dass in deutschen Gefängnissen straflos archaische Foltermethoden angewandt werden. Suizidgefährdete Menschen lassen sich auch anderweitig vor autoaggressiven Handlungen bewahren, etwa mit Hilfe von Überwachungskameras. Alle fünfzehn Minuten das Licht anzuknipsen, scheint jedenfalls die denkbar schlechteste Methode, um die Betroffenen zu schützen.

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