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Schlaf und Gedächtnis : Gute Nächte schmeicheln dem Gedächtnis

Gesunder Schlaf regt das Gedächtnis an Bild: ddp

Das Gehirn profitiert von den Ausflügen ins Land der Träume. Daß Schlafen neben der Erholung auch dem Gedächtnistraining dient, wollen Forscher in einer Studie an Fliegen bewiesen haben. Zudem soll „sozialer Streß“ zu einem erhöhtem Schlafbedürfnis führen.

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          „Soziale Gemeinschaften benötigen mehr Schlaf“, lautete eine der jüngeren Schlagzeilen aus der Schlafforschung. Und die zugrunde liegenden Experimente mochte man gerne nachvollziehen: Wenn es drunter und drüber geht im Kreise der anderen, wenn Beziehungen geschmiedet und gepflegt, gekappt oder geflickt werden, wenn dies und jenes neu erlernt oder korrigiert werden muß, dann wird diese Geschäftigkeit mit Erschöpfung und zunehmendem Erholungsbedarf erkauft. Nun wurde dieser Befund nicht an unseresgleichen erhoben, sondern an einem Tier, das bis vor ein paar Jahren als Modell der Schlafforschung völlig unbekannt war: Die Taufliege Drosophila melanogaster war genetisch zwar schon fast ein gläserner Organismus, über die Schlafgewohnheiten des Insekts wußte man aber bis vor sechs Jahren fast nichts.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das änderte sich mit der Entdeckung von Indrani Ganguly-Fitzgerald und ihren Kollegen vom Neuroscience Institute in San Diego, die vor etwas mehr als sechs Jahren einen bis zu zweieinhalbstündigen Tagschlaf und einen Nachtschlaf bei den Insekten beobachtet hatten. Daraufhin haben die amerikanischen Forscher begonnen, das Schlafbedürfnis der leicht manipulierbaren Fliegen in verschiedenen Situationen und an den unterschiedlichsten künstlich hervorgerufenen Mutationen zu untersuchen.

          Bei „sozialem Stress“ erhöhtes Schlafbedürfnis

          In der Zeitschrift „Science“ (Bd. 313, S. 1775) nun haben die Neurologen ihre bisher spektakulärsten Ergebnisse präsentiert. Fazit: Tiere, die man in Gesellschaft hält, gönnen sich bis zu viermal so lange Nickerchen am Tag als ihre ausgeruhten Artgenossen in Einzelhaft. Daß dieses erhöhte Schlafbedürfnis allerdings keineswegs mit der verstärkten körperlichen Aktivität in der Gemeinschaft zu tun hat, sondern nach Überzeugung der Forscher eher mit „sozialem Stress“, meinten sie an Fliegen zeigen zu können, denen man Augenlicht und Geruchssinn genommen hat und die deshalb genauso aufgeregt in ihren Käfigen umherschwirrten wie die vergesellschafteten Artgenossen.

          Die kalifornischen Wissenschaftler betrachten ihre Fliegenstudie als weiteren Beleg für die These, daß der Schlaf für die Erholung, aber auch für die Konsolidierung von Erlerntem und Gedächtnisinhalten eine entscheidende Rolle spielt. Dieser Idee wird ein Großteil der Schlafforscher grundsätzlich zustimmen. Wenngleich viele von ihnen vor allzu schnellen Analogieschlüssen zum Menschen warnen und das Fliegenexperiment schon gar nicht als ultimativen Beweis für die These der Gedächtniskonsolidierung akzeptieren dürften. Joel Bennington und Marcos Frank von der University of Pennsylvania in Philadelphia haben erst vor kurzem in einem Übersichtsbeitrag in der Zeitschrift „The Neuroscientist“ (Bd. 12, S. 485) auf die nach wie vor beträchtlichen Lücken in der wissenschaftlichen Beweisführung hingewiesen.

          Bessere Merkfähigkeit bei angeregtem Gedächtnis

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