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Schildkröten in Nordzypern : Hinter dem Gartenzaun am Strand

Einige tauchen gekonnt ab, andere werden vom sanften Wellengang mehrfach zurückgeworfen, irgendwann sind alle verschwunden. „Eine wundervolle Erfahrung“, sind sich die Zuschauer einig. Von tausend Meeresschildkröten schafft es jedoch nur eine, erwachsen zu werden. Manche halten Plastikfetzen für Nahrung, andere sterben in Fischernetzen. Und was in den 15 bis 30 Jahren bis zu ihrer Rückkehr an ihren Heimatstrand passiert, ist bisher nur lückenhaft erforscht.

In Nordzypern liegen wichtige Brutgebiete der Meeresschildkröten. Doch die Weibchen suchen oft verschiedene Strände auf.

“Wir bringen Touristen hierher, um ihr Interesse zu wecken, sie aufzuklären und insgesamt mehr Aufmerksamkeit auf das Schutzprojekt zu lenken. Außerdem signalisiert es den Einheimischen, dass sie von unserer Arbeit und den Meeresschildkröten profitieren können“, erklärt Kusetogullari später im Camp am Fischerhafen von Dipkarpaz. Irgendwo müssen die Touristen trinken, essen, übernachten. Dass eine Mailänderin bereits vor zwei Jahren an einer Exkursion teilgenommen hat und nun mit Freunden im Schlepptau zurückkehrte, gibt ihr recht, bei passender Gelegenheit wird sie es erwähnen.

Wenn es nicht die wilden Esel sind oder das Andreas-Kloster nahe am Kap, dann können auch die Schildkröten und unberührte Strände die Urlauber hierher ans unerschlossene Ostende der Mittelmeerinsel locken. Die bis heute ungeklärte politische Situation des Teilstaates, der sich Türkische Republik Nordzypern nennt, aber als solche nicht international anerkannt ist, hemmt den Tourismus. Sonst hätte man wohl längst Bettenburgen in die Dünen gesetzt, wo jetzt „Special Protected Areas“ existieren. „Ich kann ja verstehen, dass jeder gerne Geld verdienen möchte“, sagt Kusetogullari, doch die Natur sei in mehrfacher Hinsicht bedroht.

In Nordzypern bemühen sich Naturschützer um die Brutplätze der Schildkröten.

Die Küste von Karpaz lässt sich nicht rund um die Uhr überwachen. Völlig anders ist dagegen die Lage nahe der Stadt Girne weiter im Westen, wo es viele Caretta-Weibchen im Frühsommer an die Alagadi-Strände zieht. Ihr Brutgeschäft geschieht seit 1994 praktisch hinter verschlossenen Toren: Während der Schildkrötensaison lässt das Department für Umweltschutz die leicht erreichbaren Strände nachts abriegeln, freiwillige Helfer patrouillieren im Zehnminutentakt. Tagsüber sind die Badegäste bestimmten Regeln verpflichtet, und zwischen Handtüchern und Sonnenschirmen ragen jetzt weiße Metallgestelle auf, die britische Studenten über alle Nester stülpten. Zu ihren Aufgaben gehört zudem das Heben reifer Gelege, wie es das Team in der Ronnas-Bucht vollführt, nur drängt sich hier das Publikum bei einer Art Spendengala mit niedlichen Urzeitmonstern.

In dieser Küstenzone übernehmen Forscher des „Marine Turtle Conservation Project“ (MTCP) die Aufsicht, das vor zwanzig Jahren ins Leben gerufen wurde und an dem sich unter anderem die Universität von Exeter beteiligt. Neben dem gut organisierten Schutz der Schildkröten und deren Monitoring gehen die Briten wissenschaftlichen Fragestellungen nach. „Zum Beispiel welchen Einfluss der Klimawandel auf die Tiere und ihre Population hat. Denn das Geschlecht wird bei ihnen durch die Temperatur im Nest bestimmt“, erklärt Doktorand Robin Snape.

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