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Schildkröten in Nordzypern : Hinter dem Gartenzaun am Strand

Nach dem Eierlegen macht sich die Schildkröte wieder auf in Richtung Meer.

Innerhalb dieses Schutzwalls, der Attacken gefräßiger Räuber abwehren soll, hat Hasibe Kusetogullari mit den Helfern etliche Nester künstlich angelegt. Die Gelege stammen von Strandabschnitten, die nicht mehr geeignet sind, weil dort die Wellen zu weit vordringen und das Meer die Brut verfrüht zu holen droht. „Wir greifen ein, wo es sein muss. Wenn die Eier gelegt sind, bleiben uns 24 Stunden für eine solche Umsetzung, später würde es die Entwicklung des Embryos stören.“

Zu Beginn der Brutsaison suchen Mitarbeiter die weitläufigen Küstengebiete der Halbinsel Karpaz regelmäßig nach typischen Spuren der Weibchen ab. Das verschafft einen Überblick, wie viele Nester es sind und wo sie liegen. In diesem Jahr sind es etwa 306, 2011 waren es um die 360. Registriert wird auch, welche Regionen eher gemieden werden, wie in diesem Jahr der berühmte „Golden Sand Beach“ südlich des Kaps. „Die Zahl nimmt ab, vielleicht, weil dort in den vergangenen zwei Jahren verstärkt gebaut wurde“, sagt Kusetogullari. Dass Ferienbungalows, selbst wenn sie nicht aus Beton, sondern aus Holz hochgezogen werden, ein Biotop verändern, sei den Ortsansässigen nur schwer zu vermitteln. In den Meeresschildkröten erkennt man zumindest die Touristenattraktion - aber Dünenvegetation, Vögel, Insekten?

Als Naturschutzbeauftragte des Departments für den Umweltschutz Nordzyperns muss Hasibe Kusetogullari immer noch Pionierarbeit leisten. Dass es nicht erlaubt ist, Holzhütten direkt am Strand zu errichten, hält die Menschen nicht davon ab. Auch dieser vermeintlich ökologische Bau stellt eine Veränderung dar, die Meeresschildkröten stört, wenn Licht und Musik die Nacht beleben. Die Zahl ihres Nachwuchses könnte sinken, das lässt etwa eine Analyse aus dem Jahr 2008 befürchten, in der ein australischer Wissenschaftler die Erfolgsquoten an wilden Stränden mit der von bebauten Küstenregionen verglich.

In der Ronnas-Bucht haben die gepanzerten Reptilien noch ihre Ruhe. Außerhalb der umzäunten Brutstation sind auf den zweiten Blick die natürlichen Gelege zu erkennen: Mit Eisengittern bedeckt, damit kein Fuchs oder Hund die nahrhaften Eier ausgräbt; die Spuren von Pfoten sind überall zu sehen. „Sie versuchen es inzwischen sogar von der Seite, nächstes Jahr brauchen wir entsprechend gestaltete Schutzkäfige“, sagt Hasibe Kusetogullari: „Die Räuber verbessern ihre Strategien immer wieder, wir aber ebenfalls.“ Ihre Mitarbeiter legen mittlerweile zwei Gelege frei, aus denen in der Nacht zuvor eine neue Generation von Suppenschildkröten schlüpfte. Sie zählen die leeren Hüllen und öffnen die anderen, faulig riechenden, um festzustellen, wie viele verendet sind oder unbefruchtet waren. Die Erfolgsquote eines Nests liegt je nach Art zwischen 50 und 87 Prozent.

Die Jungen, die es aus bis zu einem Meter Tiefe noch nicht selbst bis an die Oberfläche geschafft haben, werden vorsichtig in Eimern gesammelt. Ihr Leben im Ozean dürfen sie beginnen, sobald es dunkel ist; noch ziehen Möwen ihre Kreise, für diese wären die Schwimmanfänger leichte Beute.Als sich die urtümlich anmutenden Krötlinge schließlich auf weichen Flossen ins Ungewisse davonmachen, werden wir zu Zeugen eines jahrmillionenalten Schauspiels.

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