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Partner-Psychologie : Lieben lohnt sich, scheiden vererbt sich?

Wo, wenn nicht hier, wann, wenn nicht jetzt: Entspannt mit Buchyoga. Bild: Picture-Alliance

Scheidungskinder haben es nicht leicht. Leidet darunter auch ihre eigene Beziehungsfähigkeit? Ein klarer Fall für die Psychologie. Eine Glosse über die dürftigen Erklärungsversuche, die sie bisher zutage gefördert haben.

          Was wäre die Welt ohne Beziehungsdramen, ohne Trennungen und komplizierte Dreiecksgeschichten? Zumindest kulturell wäre unser Leben weit eintöniger, viele Dramen wären vielleicht nie geschrieben, so manches Gedicht nicht verfasst worden. Das ist die eine Seite der Medaille, die unterhaltsame sozusagen. Die andere Seite, die unerfreuliche: Scheidungskinder sind oft schlechter in der Schule und weniger gesund, das zumindest legen seit vielen Jahren Studien nahe.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Und die Tragik geht noch weiter: Scheidungskinder werden überdurchschnittlich oft zu Scheidungseltern – auch dies wissen Psychologen zu berichten. Ist Beziehungsunfähigkeit also vererbbar? Und wenn die Abkehr von der lebenslangen Partnerschaft über die Generationen weitergegeben wird, was ist der Grund dafür? Amerikanische Forscher um die Humanwissenschaftlerin Claire Kamp Dush sind dieser Frage im Journal „PlosOne“ nachgegangen. Drei mögliche Szenarien fassten sie dabei ins Auge: Verantwortlich könnte erstens die schlechtere ökonomische Position der Familie nach der Trennung sein, die sich negativ auf die Lebensumstände der Kinder und deren späteren Wohlstand auswirkt, was wiederum stressgeplagte Beziehungen hervorruft. Zweitens könnte durch das Vorleben einer Trennung der Eltern die Hemmschwelle der Kinder gegenüber einem eigenen späteren Partnerwechsel herabgesetzt werden. Drittens wäre vorstellbar, dass sich die elterlichen Defizite im Beziehungsverhalten auf die entsprechenden Fähigkeiten der Kinder übertragen.

          Langzeitdaten von 13.000 Erwachsenen

          Getestet wurden die Szenarien anhand der Daten zweier amerikanischer Langzeitstudien, bei denen seit 1979 knapp 13.000 junge Erwachsene und seit 1986 auch deren Kinder ein- bis zweijährlich interviewt werden. Das Szenario der ausschlaggebenden ökonomischen Benachteiligung konnte dabei widerlegt werden. Auch die Weitergabe einer geringeren Verbindlichkeit in Beziehungsdingen von den Eltern auf die Kinder zeigte sich nicht in den Daten: Ältere Geschwister, die einen häufigeren Partnerwechsel miterlebt haben, hätten sich sonst im eigenen Beziehungserfolg von jüngeren unterscheiden müssen.

          Bleibt also Szenario 3: Wenn schon den Eltern Talent und Charaktereigenschaften für das Führen einer harmonischen Beziehung fehlen, geht es den Kindern oft nicht besser. Wer nun aber in der Hoffnung auf eine lebenslange Bindung einen Bogen um Scheidungskinder macht, der sei gewarnt: in Deutschland geht die Zahl der Scheidungen zurück! Anders ausgedrückt: Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder hier die Schwächen ihrer Eltern überwinden, scheint nicht gering. Die Erfolgsaussichten der Liebe sind also wohl doch nicht nur an den Eltern abzulesen. Mühe geben kann und muss sich dann doch noch jeder selbst.

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