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Hobby-Sucher in Großbritannien : Streit um historische Schätze

Eine der fast 1000 Jahre alten Münzen, die im Januar von Hobby-Schatzsuchern im westenglischen Somerset gefunden wurden. Bild: AP

In jüngster Zeit wurden einige Hobby-Schatzsucher in Großbritannien mit spektakulären Funden belohnt. Doch nicht immer kommt es bei der Suche nach den historischen Schätzen zu einem Happy End.

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          Für die Briten ist die Suche nach historischen Schätzen ein Volkssport. Mit Metalldetektoren schwärmen Tausende Hobby-Schatzsucher aus, wandern stundenlang über Felder und Wiesen, in der Hoffnung, dass ein kräftiges „Beeeb“ ihnen den Weg zu wertvollen Münzen und Schmuck in der Erde oder auch nur zu einem rostigen Schwert aus dem Mittelalter weist. Das „Treasure Hunting Magazine“ versorgt sie mit Nachrichten aus der Schatzjäger-Szene, die in Großbritannien viel größer ist als etwa in Deutschland. In jüngster Zeit wurden einige spektakuläre Funde bekannt. Um einen Fund gibt es nun auch einen Gerichtsstreit. Und manchmal wird Römergold zur kleinen Münze im Brexit-Streit.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Einen glücklichen Ausgang nahm der Fund von Adam Staples und Lisa Grace. Im Januar entdeckte das Paar in einem Feld im westenglischen Somerset einen riesigen Münzschatz, den Archäologen als Sensation werten: 2571 Silbermünzen aus der Zeit des letzten angelsächsischen Königs Harald II und des normannischen Eroberers Wilhelm. Die Münzen sind fast 1000 Jahre alt, aber in fast perfektem Zustand erhalten. Archäologen glauben, dass der Besitzer den Schatz nach der normannischen Eroberung im Jahr 1066 und vermutlich vor 1072 in der Erde versteckte. Ein Numismatiker vom Londoner Auktionshaus Dix Noonan Webb schätzt den Wert des Fundes auf etwa fünf Millionen Pfund. Seit einigen Tagen ist der Berg Silbermünzen im British Museum in London ausgestellt. Nach dem Treasure-Gesetz von 1996 müssen alle Funde aus der Erde, die offiziell als „Schatz“ klassifiziert werden, einem staatlichen Museum zum Kauf angeboten werden; den Preis setzt ein Komitee des British Museums fest. Staples und Grace strahlten in den Fernsehnachrichten, alles deutet auf ein Happy End dieser Schatzsuche hin.

          Streit ist dagegen in Schottland über eine Wikinger-Schmuckkollektion entbrannt. Vor fünf Jahren hatte der Metallsucher Derek McLennan in Dumfries und Galloway eine Menge herrliche Schmuckobjekte aus Gold und Silber gefunden, darunter mit verschlungenen Ornamenten verzierte Fibeln, Broschen und Armreifen, ein emailliertes Kreuz und eine Nadel mit einem Vogelmotiv. McLennan meldete den Schatz aus dem zehnten Jahrhundert den Behörden; das National Museum of Scotland bezahlte ihm 1,98 Millionen Pfund für die seltenen Objekte. Die Kulturministerin nannte den Galloway-Hort „eine der bedeutendsten Sammlungen, die jemals in Schottland entdeckt wurden“, der Staat gab Geld für eine Tour durch mehrere Museen. Nun aber meldet die Kirche von Schottland einen Anspruch auf einen Anteil an dem Zwei-Millionen-Schatz an. Die Objekte seien auf Feldern gefunden worden, die der Kirche gehören. Am Wochenende wurde bekannt, dass die Church of Scotland Klage eingereicht hat. Ein Sprecher wollte aber keine Details nennen: „Dies ist nun eine Sache vor dem Gericht. Es wäre unangemessen für uns, weitere Kommentare zu äußern.“

          Manche historischen Funde werden auch politisch instrumentalisiert. Als in diesem Frühjahr ein 30 Jahre alter Schatzsucher in Kent eine 24-Karat-Goldmünze aus der Römerzeit aus einem Feld fischte, gaben einige Medien der Sache eine politische Bedeutung. Dargestellt auf der Münze ist der obskure römische Kaiser Allectus, der im späten dritten Jahrhundert nach Christus in Britannien als Gegenkaiser zu den Tetrarchen Diocletian und Maximilian herrschte. Allectus war also ein Herrscher, der Britannien vom römischen Imperium unabhängig machen wollte. Prompt wurde er von der „Daily Mail“ zum „Brexiteer seiner Zeit“ verklärt. Der Finder konnte die Münze in diesem Sommer bei Dix Noonan Webb versteigern lassen, der Hammer fiel beim stolzen Preis von 700.000 Dollar.

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