https://www.faz.net/-gwz-80p49

Rüstungspolitik : Vollgas gegeben und ran an den Feind?

  • -Aktualisiert am

Der Kampfpanzer „Leopard 2 A6“ bei einer Bundeswehrübung (Archivbild von 2013) Bild: dpa

Die Bundeswehr soll Panzer reaktivieren. Sind die überhaupt noch zeitgemäß?

          Ursula von der Leyen setzt neuerdings auf Panzer. In einem Interview kündigte die Verteidigungsministerin vor ein paar Tagen an, funktionstüchtige „Leopard 2“- Kampfpanzer nicht mehr verschrotten zu lassen. Außerdem will sie ein Panzerbataillion im niedersächsischen Bergen aktivieren, das bisher weitgehend auf dem Papier besteht.

          Damit weicht von der Leyen von der Devise „Breite vor Tiefe“ ab. Es war eines der Leitmotive der Bundeswehrreform, die ihre Vorgänger angestoßen hatten. Demnach sollte die Truppe über alle militärischen Fähigkeiten verfügen, vom Kampf mit Panzern bis zur Hightech-Aufklärung mit Drohnen. Doch diese breite Aufstellung war auf Kosten der Tiefe angelegt, denn die Armee sollte von all dem nur jeweils ein bisschen bekommen. Von den 2125 Leopard-2-Panzern, mit denen die Truppe seit 1979 ausgerüstet wurde, sollten gerade mal 225 übrig bleiben. Tatsächlich sind derzeit noch 280 im Dienst. Wenn von der Leyen nun die weitere Abrüstung stoppt, erwähnt sie dabei die Ukraine-Krise zwar nicht. Dafür spricht sie allgemein von einem „veränderten Sicherheitsumfeld“, auf das sich die Bundeswehr einstellen müsse.

          Es begann 1916

          Doch spielen Panzer da überhaupt noch eine Rolle? Welche Funktion haben die 62 Tonnen schweren Kinder des Kalten Krieges in einer modernen Armee?

          Ein Blick auf die Geschichte der Panzer zeigt, dass sich die Rolle dieser Kriegsmaschinen über die Jahrzehnte immer wieder verändert hat. Alles begann 1916, als die Fronten des Ersten Weltkriegs wie erstarrt waren. „Der Panzer war eine Entwicklung, um wieder Bewegung in den Landkrieg zu bekommen“, sagt der Militärhistoriker Helmut Hammerich, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Militärgeschichte und Soziologie der Bundeswehr. Als erste setzte die britische Armee Panzer ein. Um die neue Waffe geheim zu halten, nannte man sie „Tank“. Im Englischen ist dieser Name bis heute erhalten.

          Die Tanks bewegten sich mit etwa sechs Kilometern pro Stunde vorwärts. Ihre Aufgabe war es, die Infanterie zu unterstützen. Sie gaben Deckung und zerstörten gefährliche Stellungen wie etwa Maschinengewehrnester. Das änderte sich 1917 in der Schlacht von Cambrai. Mit 476 Panzern wollte die britische Armee damals durch die deutschen Reihen brechen. Es war die erste große Panzeroffensive der Geschichte und der erste Versuch, Panzer nicht nur als Begleitung der Fußsoldaten einzusetzen. Wegen der technischen Anfälligkeit der frühen Panzer und Mangel an Sprit war die Schlacht für keine Seite ein Erfolg. „Aber sie zeigte, wozu diese Waffen fähig sind, und war ein Schritt in eine nächste Phase, die im Zweiten Weltkrieg einsetzte“, sagt Hammerich.

          Ein Erbe des Zweiten Weltkriegs

          Die Panzer entwickelten sich weiter, sie wurden schneller und ermöglichten beachtliche Raumgewinne innerhalb weniger Tage. Gemeinsam mit anderen gepanzerten Fahrzeugen bildeten sie eigene Truppen. Eine Entwicklung, die schließlich zu den großen Panzerschlachten des Zweiten Weltkriegs führte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.