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Religion : Warum Menschen zu Gott beten

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Gründe für Gebete gibt es viele Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Notlagen, Schuld und Dank sind Gründe, warum Menschen zu Gott beten. Sie tun das offenbar nicht vergeblich. Denn Studien zufolge hilft beten heilen - zumindest beim Betenden.

          Weltweit beten Menschen für den kranken Papst. Die Kirche hat dazu aufgerufen. Doch was können Gebete bewirken, bei dem, der betet, und demjenigen, für den gebetet wird?

          Studien zufolge hilft beten heilen - zumindest beim Betenden. Prof. Dale Matthews von der Georgetown University (USA) kam im Jahr 2000 zu diesem Ergebnis nach Auswertung von 325 Studien. In über 75 Prozent der Untersuchungen gibt es demnach Belege dafür, daß religiöses Leben hilft, Krankheiten vorzubeugen, schneller gesund zu werden und länger zu leben.

          Das Beten in der Gemeinschaft gibt Sicherheit

          Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler gibt Beten in Gemeinschaft Sicherheit, weil einer den anderen in Glauben und Zuversicht stärke. Es entspanne, behebe die Isolation des Einzelnen und aktiviere das Immunsystem. „Beim Beten fließen mehrere psychologische Komponenten zusammen, die auf den Körper einwirken“, wurde Prof. Matthews zitiert.

          Ein Bittgebet an Gott, daß etwa ein Schwerkranker nicht sterben möge, ist nur eine Form des Betens. Außerdem gibt es Buß- und Dankgebete. Umfragen des Emnid-Instituts zufolge glauben zwar nur 17 Prozent der Deutschen fest an die objektive Wirkkraft des Betens. Dennoch beten 52 Prozent regelmäßig oder zumindest selten.

          Ein Grundakt der menschlichen Existenz?

          Der Auschwitz-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel hat angesichts des Holocaust gesagt, die Fähigkeit zu beten sei damals in Menschen getötet worden. Bei dem Dichter Gottfried Benn (1886-1956) heißt es: „Vor wem sollen wir noch knien? Der Alte hat uns im Stich gelassen, die Lage ist bitter.“

          Viele Menschen empfinden Beten aber auch dann als wichtig, wenn sie kein Anliegen vor Gott bringen wollen. Einer der angesehensten religiösen Denker des 20. Jahrhunderts, der Jesuit Karl Rahner (1904- 1984), gab zu bedenken: „Glücklich schon der, der im Alltag von Zeit zu Zeit immer wieder betet! Er wird gewiß wenigstens selbst nicht ganz alltäglich.“

          Rahner sah im Beten einen „Grundakt der menschlichen Existenz“, der diese Existenz auf das Geheimnis hin in Bewegung bringe, das Gott genannt wird. Rahner nannte das „handfeste, deutliche“ Bittgebet „eine Macht in der Welt und ihrer Geschichte“. Es sei wirksam, wenn an die Macht des Angebeteten geglaubt wird.

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