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Rekord-Hurrikan  : Das Monster aus dem Hinterhalt

Aktuelle Infrarotaufnahme von „Irma“ mit dem Wettersatelliten GOES-16. Bild: NOAA

„Irma“ ist schon jetzt historisch: Der bisher stärkste Hurrikan, der sich jenseits des Golfs und der Karibik über dem Atlantik bildete. Wie konnte es dazu kommen? Eine Vorahnung gab es schon vor Wochen.

          Davor tobte der brutale „Harvey“, dahinter baut sich bereits „Jose“ auf - dazwischen aber, quasi aus dem Hinterhalt, fegt das gefährliche Biest mit dem unschuldigen weiblichem Namen „Irma“ über die Karibik, das schon vor dem Auftreffen auf die erste Insel Barbuda Geschichte geschrieben hat: Irma ist aktuell mit maximalen konstanten Geschwindigkeiten von bis zu 295 Kilometern pro Stunde (und kurzzeitigen Spitzenwerten von geschätzten 370 Stundenkilometern) und einer gewaltigen Ausdehnung von mehr als 600 Kilometern der stärkste je gemessene Hurrikan, der sich auf der atlantischen Seite weit außerhalb des Golfs von Mexiko und des Karibischen Meers bildete. Irma ist ein todbringender Monstersturm, keine Frage, schon jetzt zu vergleichen mit den verheerendsten Wirbelstürmen in der Region -  stärker als „Andrew“ etwa, der im Jahre 1992 Florida traf, oder „Katrina“ im Jahr 2005, die für die gewaltigen Schäden und Opferzahlen in der Karibik und entlang des Golf von Mexiko bekannt geworden waren.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          So behäbig sich Irma derzeit Richtung Südflorida zubewegt (mit zwanzig bis 30 Stundenkilometern), so katastrophenträchtig ist er in den Augen der Wetterexperten. Anfangs, als Harvey noch die Menschen und Medien beschäftigte und Irma sich draußen über dem Atlantik zusammenbraute, bewunderten sie noch die Bilderbuchgestalt von „Irma“, ihr tiefes ausgeprägtes Auge, das mit vierzig Kilometern Durchmesser noch vom Weltraum aus buchstäblich zu funkeln schien, bezeichnen die amerikanischen Hurrikanjäger inzwischen als das „zornige Auge“ eines Monsterwirbelsturm. Ständig saugt der Hurrikan nun neue Energien aus dem Meer, der Widerstand, der Irma durch die ersten Kontakte mit den Insellandmassen einbremsen könnte, ist noch schwach, die Prognosen sind deshalb einhellig: „Irma“ dürfe, wenn sie über Kuba nicht massiv an Kraft und Drehgeschwindigkeit verliert, spätestens am Wochenende mit großer Wucht den Süden der Vereinigten Staaten erreichen.

          Das Übersichtsbild zeigt die Annäherung von  „Irma“ an die karibischen Inseln.

          „Irma“ ist meteorologisch gesehen der bisherige Höhepunkt - für die Betroffenen und den Katastrophenschutz allerdings der absolute Tiefpunkt - einer ganz besonderen atlantischen Hurrikan-Saison. Die endet zwar nominell erst Ende November, aber schon jetzt scheint die Richtung klar: „Sie wird vermutlich die hurrikanreichste Saison seit 2010 werden.“ So stand es auch schon Anfang August, zu Beginn der Hurrikan-Saison, in dem üblichen Wirbelsturmbulletin des amerikanischen National Hurrikan Center. 14 bis 19 Tropenstürme, die stark genug sind, um einen  Namen zu erhalten, bis zu neun Hurrikans, davon zwei bis fünf Hurrikans der höchsten Kategorie vier und fünf. So lautete die Prognose (mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent) vor fünf Wochen. Und damit war klar: Das sind überdurchschnittlich viele Zyklone, anders als etwa im Vorjahr.

          Starke Hurrikan-Saison erwartet

          Die Anzeichen hatten sich zwischen Mai, der Veröffentlichung der ersten Hurrikan-Vorhersagen fürs Jahr, bis zum August massiv verdichtet. Ein ganzes Bündel von meteorologischen Voraussetzungen waren für eine schlimme Hurrikansaison erfüllt. Zum einen sind das die überdurchschnittlich hohen Oberflächentemperaturen in den Meeresregionen, in denen sich die Hurrikans normalerweise bilden. Das Hauptbildungsareal, die „Main Development Region“, war im Sommer ein Viertel Grad wärmer geworden als der Rest der tropischen Meeresgebiete. Warmes Oberflächenwasser ist elementar. Alle tropischen Wirbelstürme, zu denen die Hurrikans ebenso zählen wie die Taifune im Pazifik und die Zyklone im Indischen Ozean, speisen ihre Energie aus den enormen Energiemengen, die die tropischen Wassermassen  an ihrer Oberfläche abgeben. Im Wasserdampf sind gewaltige Energiemengen gespeichert. Damit der Wirbelsturm freilich seine Kraft und Form behält, die im Inneren, an der Wand des „Auges“, für die gewaltigen, aufwärts gerichteten Windgeschwindigkeiten verantwortlich sind, ist es auch wichtig, dass der Sturm nicht durch Querwinde - sogenannte Scherwinde - in seiner Bewegung gestört wird.

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