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Raumfrachter „Jules Verne“ : Mehr Mitbestimmung im All

  • -Aktualisiert am

Bild: Esa

Millimetergenaue Arbeit vierhundert Kilometer über der Erde: Der automatische europäische Raumtransporter Jules Verne hat plangemäß an die Raumstation ISS angedockt. Der Frachter beliefert die Mannschaft mit Nahrung, Sauerstoff und Treibstoff.

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          Der erste europäische Raumtransporter, „Jules Verne“, ist wie geplant an der Internationalen Raumstation (ISS) angekoppelt worden. Das Frachtschiff ist ein wichtiger Schritt der Europäer auf dem Weg zu mehr Mitbestimmung im All. Er wird bis zum August mit der Raumstation verbunden bleiben und dann mit 6,3 Tonnen Abfall ablegen, der sich in den vergangenen Monaten auf der Station angesammelt hat. Zusammen mit dieser „Nutzlast“ soll das Frachtschiff schließlich über dem Pazifik verglühen.

          Mit dem Raumtransporter, der am 9. März mit einer Ariane 5-Rakete in den Weltraum gebracht worden war, hat sich die europäische Raumfahrtbehörde Esa die Möglichkeit erworben, Lebensmittel, Treibstoff und anderen Nachschub unabhängig von Amerika und Russland zur ISS zu bringen. Künftig soll jedes Jahr einmal ein solches Frachtschiff zur Raumstation fliegen. Bei dem jetzt abgeschlossenen Jungfernflug ist es darüber hinaus darum gegangen, die für die Europäer neuen Navigations- und Steuerungssysteme gründlich zu testen. Deshalb war für die Mission von vornherein eine Flugdauer von fast vier Wochen angesetzt worden.

          Annäherung mit Hilfe von GPS

          In den vergangenen Tagen hat sich die „Jules Verne“ der Raumstation zweimal aus einer Parkposition in 39 Kilometer Distanz genähert, um die besonders kritischen Manöver der Annäherung zu erproben und das eigentliche Andocken vorzubereiten. Am Samstag kam sie mit Hilfe der GPS-Navigation bis auf 3500 Meter an die ISS heran. Für den automatisch ablaufenden Flug hatten die Ingenieure die GPS-Systeme von Raumstation und Frachter gemeinsam herangezogen. Dadurch war ein besonders präziser Anflug möglich.

          In 3500 Meter Distanz wurde der Raumtransporter angehalten. Seine als optische Navigationshilfe für die Astronauten an Bord der ISS gedachte Außenbeleuchtung wurde eingeschaltet, ebenso das russische Rendezvous-Radar, das sich bei Moskaus Sojus-Raumschiffen und Progress-Transportern vielfach bewährt hat. Vom ATV-Zentrum in Toulouse aus leiteten die Techniker dann ein „Fluchtmanöver“ ein, das die „Jules Verne“ wieder in Richtung zu ihrer Parkposition brachte. Ein solches Manöver soll bei einer Fehlfunktion eine Karambolage mit der ISS verhindern. Die russische Raumstation Mir war einmal von einem Sojus-Raumschiff gerammt und dabei erheblich beschädigt worden.

          Notfall-Manöver vielfach erprobt

          Am Montag ist der Raumtransporter bei seinem zweiten Anflug bis auf elf Meter an die Raumstation herangekommen. Als er, noch rund 250 Meter entfernt, die Sicherheitszone erreichte, wurde er kurz angehalten, bevor er weiterfliegen durfte. Während der Mission wurde seine Geschwindigkeit von fünfzig auf sieben Meter pro Sekunde verringert. Diesmal wurde das optische Laser-Annäherungsystem getestet, außerdem haben die Techniker die Beherrschung von Notfall-Manövern erprobt. Am Schluss wurde die „Jules Verne“ wieder auf ihre Parkposition gelenkt, von wo aus auch das Ankoppelungsmanöver eingeleitet worden ist.

          Für die Flugmanöver, die das ATV in den vergangenen Wochen ausgeführt hat, standen den Technikern 60 Prozent der 5,8 Tonnen Treibstoff zur Verfügung, die die „Jules Verne“ beim Start in Kourou (Französisch-Guayana) an Bord gehabt hat. Mit den restlichen vierzig Prozent soll die Flughöhe der Raumstation von jetzt knapp 340 Kilometern angehoben werden. Andernfalls käme die Raumstation infolge der Abbremsung in den Ausläufern der Atmosphäre rasch der Erde näher, was eine Verringerung der Lebensdauer bedeutete.

          Nahrungsmittel, Kleidung, Sauerstoff

          Die „Jules Verne“ führt weitere 860 Kilogramm Treibstoff mit sich, die in den kommenden Tagen umgeladen werden und später von der ISS selbst für Korrekturmanöver genutzt werden können. Darüber hinaus ist das Fährschiff mit 20 Kilogramm Sauerstoff für die Luft an Bord der Raumstation, 270 Kilogramm Trinkwasser und 500 Kilogramm an Nahrungsmitteln beladen. Ferner finden sich 80 Kilogramm Kleidung und 136 Kilogramm Ersatzteile für das europäische Columbus-Labor der ISS an Bord und einige weitere Dinge, unter anderem zwei Manuskripte des Schriftstellers „Jules Verne“.

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