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Evolutionsbiologe Wilson : War der legendäre „Ameisenmann“ ein Rassist?

  • -Aktualisiert am

Wie schön, der Wolf ist da. Er bedient sich dort, wo es für ihn am einfachsten ist. Bild: dpa

Ein fragwürdiger Nachruf auf den Harvard-Biologen E.O. Wilson hat alte Wunden aufgerissen. Wie viel Tier steckt im Menschen – ist die Frage nach dem genetischen Erbe schon ehrenrührig? Ein Gastbeitrag.

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          Nun schlug ich dieses eine Buch wieder auf, jetzt, da der legendäre Harvard-Mann Ed Wilson im Alter von 92 Jahren gestorben ist. Anfang der Achtzigerjahre, schon ganz früh in meinem Studium, kaufte ich mir sein vielleicht berühmtestes, aber sicher berüchtigtstes Buch in einem Buchladen auf der Telegraph Avenue in Berkeley. Es war schon in der achten Auflage. Etwas später traf ich ihn persönlich als Student in Harvard. Auch wenn die erste Aufregung um das 1975 erschienene „Sociobiology – The New Synthesis“ dann schon abgeklungen war, war dieses monumentale Werk (es ist fast 700 Seiten lang und wiegt 2,3 kg) bei allen meinen Umzügen dabei – denn es ist ein Zeitdokument, und die Thematik ist aktuell wie eh und je.

          Darin fand ich heute einen Titelartikel aus dem „New York Times Magazine“ von 1990 wieder mit dem Titel „The Ant Man“ in dem der damals einundsechzigjährige berühmte Evolutionsbiologe von einer Journalistin im Regenwald Panamas spazierend portraitiert wird. Sie stellte Wilson als Weltautorität für Ameisen vor (niemand hat mehr Ameisenarten wissenschaftlich beschrieben als er), aber das ist nur einer der vielen guten wie schlechten Gründe, warum er weltweit so berühmt ist. Der immer höflich zurückhaltende Harvard-Mann, der fast immer im Tweedjackett anzutreffen war, kam aus ärmlichen Verhältnissen in Alabama. Ed Wilson entdeckte seine lebenslange Begeisterung für Ameisen schon früh als Schüler, was ihn schließlich auch für seine Dissertation und dann den Rest seines Lebens nach Harvard brachte. In einem als infam zu bezeichnenden Nachruf in der Zeitschrift „Scientific American“ wurde Wilson nun ein Rassist, dessen Ideen auf eugenischem Gedankengut fußten, genannt. Wie konnte es geschehen, dass so ein sanftmütiger und distinguierter Gentleman und Scholar so angefeindet wird?

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