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Geschwächte Immunabwehr : Pollen sind die neuesten „Treiber“ der Pandemie

Riskantes Grün? Forscher mit Feinstaubmaske untersucht eine Pollenquelle. Bild: dpa

Naturpollen in der Nase sollen in der ersten Welle das Covid-19-Risiko erhöht haben – und keineswegs nur bei Allergikern. Münchener Forscher präsentieren dazu Daten aus fünf Kontinenten.

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          Die Zahl an Covid-19-Fällen kann im Frühjahr durch den Pollenflug beeinflusst werden. Zwischen 10 und 30 Prozent könnte statistisch gesehen die Infektionsrate zunehmen, wenn die Konzentration an Gräser- und Blütenpollen hoch sind und die Menschen ohne ausreichend vor Partikel schützenden Atemschutz unterwegs sind. Das schließen Umweltmediziner Athanasios Damialis und eine 154-köpfige Forschergruppe der Technischen Universität München und des Helmholtz Zentrums München aus den Infektionsstatistiken und Pollendaten von 130 Messstationen in 31 Ländern, die während der ersten Welle im vergangenen Frühjahr gesammelt wurden.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die über fünf Kontinente angelegte Studie sollte eine These prüfen, die man zuvor aus Studien an Rhino- und RSV-Atemwegsviren abgeleitet hatte. Demnach können die Pollen in der Nase bei hohen Konzentrationen die Immunreaktion in den Schleimhäuten nach einer Virus-Ansteckung dämpfen – und zwar auf zwei Wegen: Erstens würden Signalstoffe, die zur Akutbekämpfung der Viren wichtig sind, unterdrückt. Dazu zählen Gamma-Interferone, die normalerweise die Immunabwehr gegen die Viren forcieren. Gleichzeitig würden durch die Reaktion auf die Pollenbelastung in den Schleimhäuten entzündungsfördernde Botenstoffe ausgeschüttet, die Immunabwehr in den oberen Atemwegen schwächen können. Dadurch treten offenbar auch etwas früher als sonst – im Schnitt vier Tage nach der Ansteckung – die ersten Symptome auf.

          Betroffen von dem Phänomen sind offenbar nicht nur Allergiker. Vielmehr würde es unabhängig vom Allergie-auslösenden Potential der Pollen beobachtet, so die Münchener Umweltmediziner. Wie sie im amerikanischen Wissenschaftsjournal „PNAS“ berichten, war der im Frühjahr 2020 beobachtete Effekt außerdem in vielen Ländern abhängig von der Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie von den Lockdown-Maßnahmen – wie viel Kontakte die Menschen hatten. Im Lockdown war der Einfluss der Pollen geringer.

          Der Zusammenhang zwischen Pollenkonzentration und Covid-19-Nachweisen wurde vor allem in Ländern der Nordhalbkugel gefunden, wo die Blüheffekte im März und Anfang April messbar waren. Alle anderen Einflussgrößen herausgerechnet heißt das statistisch: 44 Prozent der Unterschiede in den Covid-19-Raten lassen sich mit dem Pollen-Effekt erklären. Ob sich dieser auf die Zahl schwerer Covid-19-Erkrankungen auswirkte, wurde nicht ermittelt. Auch symptomlose und milde Erkrankungen wurden den Forschern zufolge in den Datenreihen seinerzeit nicht erfasst. Klar ist: Masken, die Partikel und Staub gut filtern, können bei hohen Pollenkonzentrationen und hoher Corona-Inzidenz die Fallzahlen im Frühjahr verringern.

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