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Antibakterielle Seifen : Viel Schaum um nichts

  • -Aktualisiert am

Sie riechen vielleicht besser als Omas Kernseife, doch sauberer machen antimikrobielle Hygieneartikel nicht. Bild: Getty

Herbstzeit – Erkältungszeit. Spätestens wenn die Grippewelle anrollt, greifen viele Verbraucher zu Seifen und Waschlotionen mit antimikrobiellen Zusatzstoffen. Doch die nützen wenig und schaffen neue Probleme.

          6 Min.

          Bunte, mit beißend riechendem Chlorwasser gefüllte Plastikeimer gehören in den von Ebola heimgesuchten Gebieten Westafrikas inzwischen zum Straßenbild. Die mobilen Handwaschstationen für Passanten sollen die weitere Verbreitung des tödlichen Virus behindern. Hierzulande erlaubt uns reichlich fließendes Wasser, auf das Bad der Hände in Chlorbleiche zu verzichten, wenn Grippe oder Noroviren drohen.

          Händewaschen mit Wasser und Seife ist nach wie vor die empfohlene Hygienemaßnahme, um Keime aller Art loszuwerden und das Risiko von Schmierinfektionen zu verringern. Weil viele es aber nicht nur gerne sauber, sondern porentief rein hätten, wird Seifen und Lotionen heute allerlei zugesetzt, was Bakterien und Viren den Garaus machen soll.

          Laut Verpackungsaufdruck lassen sich damit mehr als 99 Prozent der Bakterien entfernen. Das heißt aber noch lange nicht, dass die neuen Superlotionen mehr können als Omas Kernseife. Das Werbeversprechen basiert meist auf Tests, in denen die Hände von Versuchspersonen mit einem Bakteriencocktail verunreinigt und dann mit dem Produkt gründlich gewaschen werden. Doch der Alltag der Nutzer sieht anders aus, denn sie müssen außer Bakterien auch Viren fürchten, etwa die Erreger von Erkältung, Grippe oder Brechdurchfall. Dass diese durch das Waschen zwar mechanisch entfernt, von vielen der zugesetzten Stoffe allerdings wenig beeinträchtigt werden, verschweigen die Werbespots.

          Was taugen die Spezialseifen im Alltag?

          In einer der wenigen praxisnahen Studien widmeten sich Forscher um Elaine Larson von der New Yorker Columbia University vor zehn Jahren dem Thema. Sie versorgten 238 Privathaushalte entweder mit normaler Seife oder einem ansonsten identischen Produkt, dem der antibakterielle Wirkstoff Triclosan in einer handelsüblichen Konzentration von 0,2 Prozent zugesetzt war. Dabei wussten weder die Nutzer noch die Wissenschaftler vor Ort, in welchem Haushalt nun welche Rezeptur wirkte.

          Larsons Team bat die Testpersonen, sich wie sonst auch zu reinigen, und nahm vorher und nachher Proben der Hautflora. Das Ergebnis überraschte: Beim ohnehin geringen Effekt des Händewaschens auf die absolute Zahl nachweisbarer Bakterien führte der antibakterielle Zusatz zu keinem weiteren Unterschied. Erst im gesamten Beobachtungszeitraum von einem Jahr zeigte sich in beiden Gruppen ein Rückgang, vermutlich weil die Studienteilnehmer mehr Hygienebewusstsein entwickelten. Fraglich ist allerdings, wie aussagekräftig absolute Bakterienzahlen sind.

          Auf jedem Quadratzentimeter gesunder Haut befinden sich Millionen von Mikroorganismen. Zu unterscheiden ist dabei die ziemlich stabile residente Hautflora tieferer Hautschichten und die sogenannte transiente Flora der Oberfläche, die von Schmutz, aber auch von Reinigungsmaßnahmen stärker beeinflusst wird. Auf der Hautoberfläche nun haften auch potentielle Krankheitserreger, die im statistischen Rauschen untergehen können, wenn nur absolute Keimzahlen ermittelt werden, ohne dabei ein Risiko zu berücksichtigen.

          Gut fürs Geschäft

          Doch auch in Studien, in denen untersucht wurde, ob regelmäßiges Händewaschen die Häufigkeit von Erkrankungen senkt, schnitten Seifen mit antimikrobiellen Zusätzen nicht besser ab. Zu diesem Schluss kommt eine Übersichtsarbeit, die Forscher um Allison Aiello von der University of North Carolina 2007 im Fachjournal Clinical Infectious Diseases veröffentlichten. Und das, obwohl diese Zusätze oft sogar in höheren Konzentrationen eingesetzt wurden als in kommerziellen Produkten üblich. Aiello vermutet, dass der Wirkstoffgehalt schlicht zu gering sei, um den meisten Erregern etwas anhaben zu können.

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