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Astronomie : Frisch gelasert

Feuer frei: Die 30 Zentimeter dicken Laserstrahlen zielen auf den „Kohlensack“, eine Molekülwolke im Kreuz des Südens. Bild: Foto ESO/F. Kamphues

Eines der europäischen Großteleskope in Chile wurde jetzt mit einer ganzen Batterie aus Strahlenkanonen bestückt. Die Technik schärft den Blick ins All ganz ungemein.

          Im Inneren des „UT4“ ist es vollkommen dunkel und beinahe still. Nur das rhythmische Quietschen Dutzender Vakuumpumpen begleitet den Versuch, sich nicht an unzähligen Stahlkanten zu stoßen. Es ist überraschend eng in dem riesigen, einem Geschützturm nicht unähnlichen Gehäuse des östlichsten der vier Acht-Meter-Spiegelteleskope auf dem Cerro Paranal in der chilenischen Atacama-Wüste.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Normalerweise haben Menschen in den vier UTs („Unit Telescopes“) nach Sonnenuntergang nichts zu suchen. Auch die Astronomen des European Southern Observatory (Eso) nicht. Die schlagen sich die Nächte vor ihren Bildschirmen im Kontrollgebäude an der Westflanke des 2600 Meter hohen Berges um die Ohren. Dort ist es warm, und man riskiert nicht, von den sich langsam bewegenden Riesenfernrohren zerquetscht zu werden.

          Von wegen Todesstern

          In der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche jedoch durfte UT4 betreten werden. Da begannen Tests einer neuen Vorrichtung, die schon von draußen, von der Plattform aus, gesehen, ein phantastisches Schauspiel bietet. Im Turm aber verschlägt es einem, kaum dass man sich so weit an die Finsternis gewöhnt hat, um unter das nach Süden geschwenkte Teleskop zu gelangen, die Sprache: Vier baumstammdicke Strahlen, gelb wie Löwenzahn, treten aus schwarzen Rohren und durch die Turmöffnung hinaus in den Sternhimmel. Im Moment scheinen sie alle auf Epsilon Crucis zu zielen. Es ist, als hätte der fünfte Stern im Kreuz des Südens den Zorn des finsteren Imperators aus „Star Wars“ auf sich gezogen und solle nun durch die Laser des Todessterns vernichtet werden.

          Domenico Bonaccini kann über diese Assoziation nur lachen. „Die Strahlen sieht man nur 20 bis 25 Kilometer weit“, erklärt der Eso-Wissenschaftler. Dann wird die Atmosphäre zu dünn, um ihr Licht zurückzustreuen. Bonaccini lacht heute auch sonst sehr viel. Nach zehnjähriger Arbeit haben er und seine Kollegen, seit 2008 zusammen mit der Firma Toptica Photonics aus Gräfelfing, dem kanadischen Unternehmen MPBC sowie einem niederländischen Institut das UT4 mit dem leistungsfähigsten System zur Erzeugung künstlicher Leitsterne ausgestattet.

          Die Lasershow von außen betrachtet.

          Denn tatsächlich zerstören die gelben Strahlen keine Sterne, sondern erzeugen welche. Das heißt: Was sie erzeugen, sind ein Meter breite Flecken in 90 bis 110 Kilometern Höhe, die im Teleskop wie Sterne aussehen. Dort oben gibt es eine Schicht, die Metalle enthält, Eisen, Natrium, Calcium und Kalium. Sie stammen aus den etwa 30 Tonnen kosmischen Materials, das täglich in der Atmosphäre verglüht. Natriumatome haben dabei eine besondere Eigenschaft: Ihre einzelnen äußeren Elektronen können von Licht der Wellenlänge 589 Nanometer, jenem intensiven Gelb, auf höhere Energieniveaus angehoben werden. Gleich danach fallen sie wieder zurück und strahlen das gelbe Licht in eine vom Zufall bestimmte Richtung wieder ab, also auch dorthin, woher das anregende Licht kam.

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