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Unfruchtbarkeit : Die Drohne im Eileiter

Rotierende Mikrospiralen sollen Spermien an ihr Ziel bringen. Bild: IWF Dresden

Schöne neue Kinderwunschwelt! Im Fronteinsatz diesmal: Winzige Transportdrohnen, die Spermien zielsicher zur Eizelle bringen sollen. Nicht nur die Fernbedienung zickt allerdings bei den ersten Labortests.

          Man findet sie überall, und wenn sie noch nicht da sind, dann geben einem ihre Schöpfer überzeugend das Gefühl, dass auch die letzten Winkel schließlich doch noch erobert werden. Im Fall der „Spermbots“ ist das der weibliche Körper. Die von den Nanotechnikern um Oliver Schmidt und Mariana Medina-Sánchez vom Dresdner Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung entwickelten Mikroroboter sollen für viele kinderlose Paare das sein, was die Lieferdrohne für die Deutsche Post im Großen ist: ein zielsicheres ferngesteuertes Transportmittel zum Empfänger.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Bei den Spermbots handelt es sich um mikroskopisch kleine, mit einem Laserdrucker erzeugte Minispiralen, die mit einer magnetischen Metallschicht aus Nickel und Titan umhüllt wurden. Mit Hilfe eines rotierenden Magneten lassen sich diese Mikrospiralen wie die Geißeln von Bakterien oder Einzellern zum Motor umfunktionieren - dann nämlich, wenn die Spiralroboter ein Spermium an Bord nehmen. Die Dresdner Forscher haben das in der Petrischale mit lebenden, bewegungsunfähigen Samenzellen getestet.

          Kampf mit Kinderkrankheiten

          Sobald der dünne, aber lahme Schwanz des Spermiums von der Spirale aufgenommen und zum Drehen gebracht wurde, was sich als keineswegs so schwierig erwies, konnten die Nanotechniker ihre wertvolle Fracht nach Belieben steuern und an die äußere Hülle einer Eizelle ausliefern - und zwar mit einer Geschwindigkeit von gut 20 Mikrometern pro Sekunde und damit mehr als konkurrenzfähig für Spermienverhältnisse.

          Wie jeder Prototyp hat allerdings auch dieser Mikroroboter seine Kinderkrankheiten, die eine Anwendung auf absehbare Zeit zumindest fragwürdig erscheinen lassen: Selbst wenn die Köpfchen der Samenzelle mit der wertvollen Fracht von den rotierenden Mikrorobotern nicht buchstäblich zerquetscht werden, was durchaus passieren kann, wollte eine Befruchtung bisher offenbar nicht gelingen, wie die in der Zeitschrift „Nano Letters“  veröffentlichte Studie zeigt.

          Die Metallspiralen haften bisher zu stark an dem Spermium, am Substrat oder an der Eizelle und stören damit empfindlich das Besamungsprozedere. Noch schwieriger zu lösen scheint freilich das Problem der Adressierung: Denn mit keinem verfügbaren bildgebenden Verfahren, auch nicht dem besten Ultraschall, könnte das motorgetriebene Spermium zielsicher an eine empfängnisbereite Eizelle im Leib der Frau gelenkt und ausgeliefert werden.

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