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Tröpfchenbewässerung : Mensch gegen Maschine - auf dem Feld und im Vorgarten

Im Nordwesten Chinas soll Tröpfchenbewässerung helfen, den Vormarsch der Wüsten zu stoppen. Die Technik wurde Ende der fünfziger Jahre in Israel entwickelt. Mittlerweile steht sie auch Hobbygärtnern zur Verfügung. Bild: Picture-Alliance

Wasser ist häufig knapp. Eine neue Bewässerungstechnik hilft Bauern und Winzern bei Trockenheit über die Runden. Aber kann sie auch dem Hobby-Gärtner helfen?

          7 Min.

          Wer im September im Weinberg unterwegs ist, wird auf der Stelle zum Mundräuber. Reihe für Reihe glänzen saftige Trauben in der Spätsommersonne. Besonders verlockend ist die Vielfalt im Weinberg von Veitshöchheim an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Klassische Sorten wie Silvaner, Riesling und Müller-Thurgau werden hier im Auftrag der Wissenschaft angebaut, nebst eher exotischen Sorten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc und Syrah.

          Andreas Frey
          Freier Autor in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Lieblingssorte von Daniel Heßdörfer ist der gelbe Muskateller: „Probieren Sie.“ Er pflückt sich selbst eine der Beeren und lässt sie in den Mund wandern. Nussiges Aroma, nicht zu sauer, nicht zu süß. Einen Südhang am Main darf Heßdörfer sein Arbeitsgebiet nennen, seit kurzem ist der junge Önologe für diese Versuchsanlage verantwortlich. Reben sind sein Spezialgebiet, edle Tropfen sein ganzer Stolz. Doch wenn Heßdörfer derzeit über edle Tropfen spricht, dann meint er weniger den Wein als vielmehr die neue Bewässerungsanlage, die seit diesem Sommer in Betrieb ist.

          Winzer kämpfen mit Wasserproblemen

          In Unterfranken ist Wasser kostbar. In keiner Region Süddeutschlands regnet es weniger, nirgendwo müssen Bauern und Winzer häufiger bewässern. Nur 550 Liter pro Quadratmeter fallen in einem durchschnittlichen Jahr vom Himmel, das ist nicht einmal die Hälfte dessen, was im Alpenvorland herunterkommt.

          Seit einigen Jahren werden die Mengen immer geringer und unberechenbarer. Am schlimmsten war es im vergangenen Dürrejahr, als kaum 250 Liter fielen und die Winzer den ganzen Sommer damit beschäftigt waren, die Reben zu wässern. „Der Klimawandel treibt uns vor sich her“, sagt Heßdörfer. Noch dazu speichern die flachgründigen Kalkböden hier kaum Feuchtigkeit.

          Die Winzer und Bauern kämpfen gegen ein Problem, das man im regenreichen Deutschland nicht vermuten würde: Wasser wird knapp. Zwar gibt es eine Fernleitung aus Südbayern, die Teile Frankens versorgt, aber deren Kapazität ist begrenzt.

          Die Suche nach Lösungen

          Wassermangel gilt global als eines der größten Probleme dieses Jahrhunderts. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung werden im Jahr 2050 etwa vier Milliarden Menschen, also fast die Hälfte der Weltbevölkerung, unter Wassernot leiden. Vor allem Regionen mit saisonalen Regenzeiten gelten als gefährdet.

          Noch gedeihen Basilikum und Sonnenblumen, die im Hochbeet links von Hand gegossen wurden, besser.
          Noch gedeihen Basilikum und Sonnenblumen, die im Hochbeet links von Hand gegossen wurden, besser. : Bild: Frey

          Selbst in Deutschland ist keineswegs ausgeschlossen, dass die Süßwasservorräte schwinden. Deshalb machten sich die Weinbauexperten von Veitshöchheim schon vor Jahren auf die Suche nach Lösungsansätzen und wurden in der Nähe von Barcelona fündig.

          Dort funkelte mitten im Weinberg ein Tank in der Sonne. Wie sich herausstellte, gehörte dieser zu einer Anlage der israelischen Firma Netafim, die zu den Pionieren der modernen Bewässerungstechnik zählt. Seit ein paar Wochen steht ein solcher Tank auch im Weinberg von Daniel Heßdörfer.

          Kein Tropfen soll verloren gehen

          Das Herzstück der Bewässerungsanlage wurde an der höchsten Stelle errichtet, um das natürliche Gefälle zu nutzen. Oben angekommen, steht man vor einem kreisrunden Wellblechtank, der 250 Kubikmeter Wasser fasst. Daraus ragen zwei Leitungen hervor. Die eine regelt den Zufluss vom hundert Meter tiefer liegenden Brunnen, die andere verteilt das Wasser durch Dutzende Schläuche auf die acht Hektar große Rebenfläche. Kein Tropfen soll verlorengehen. Deshalb rinnt das Wasser aus kleinen Löchern direkt an die Rebstöcke. Tröpfchenbewässerung nennt sich das.

          Die spart nicht nur Wasser, sondern soll auch besser für die Pflanzen sein. Zudem kostet die Einrichtung mit etwa 8000 Euro pro Hektar und Jahr nur ein Drittel der Summe herkömmlicher Bewässerungsanlagen. Die Tröpfchentechnik ist jung im Vergleich zu den vor Jahrtausenden entwickelten Methoden der frühen Hochkulturen, die Kanäle bauten und Wasser großflächig über die Äcker strömen ließen. Dass die frühen Zivilisationen zuerst an Flüssen wie Euphrat, Tigris und Huang He entstanden, ist jedenfalls kein Zufall.

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