https://www.faz.net/-gwz-872qg

Treibhausgas als Rohstoff : Forscher verwandeln Kohlendioxid in Karbonfasern

Karbon-Nanofasern, gewonnen aus dem Treibhausgas Kohlendioxid Bild: Stuart Licht

Mit einem Elektrolyse-Verfahren lassen sich wertvolle Karbonfasern günstig aus dem Kohlendioxid der Atmosphäre gewinnen. Amerikanische Wissenschaftler haben es entwickelt - und versprechen sich davon einiges.

          Kohlendioxid, das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe anfällt und als Treibhausgas in Verruf geraten ist, könnte zur Herstellung von Karbonfasern genutzt werden. Amerikanische Wissenschaftler haben ein entsprechendes Syntheseverfahren entwickelt. Zur Herstellung der Kohlenstofffasern, die ein begehrtes Leichtbaumaterial für Autos, Flugzeuge und in Rotorblättern von Windrädern sind, nutzen die Forscher um Stuart Licht von der George Washington University eine Elektrolysereaktion.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Wissenschaftler füllten ein hitzebeständiges Gefäß mit geschmolzenem Lithiumkarbonat, dem man einige Metalle beigemischt hatte, und tauchten eine Stahl- und eine Nickel-Elektrode in den Elektrolyten. Dann gaben sie Lithiumoxid hinzu und ließen Kohlendioxid einströmen. Als man elektrischen Strom von einer Solarzelle durch die Schmelze schickte, bildeten sich an der Stahlelektrode winzige Fasern aus Kohlenstoff.

          Nennenswerter Beitrag zur Treibhausgas-Abscheidung

          Wie Licht und seine Kollegen in den „Nano Letters“ berichten, laufen bei dem Verfahren mehrere Reaktionen ab. So reagiert das Lithiumdioxid mit einströmendem Kohlendioxid zu weiterem Lithiumkarbonat. Dieses zersetzt sich im Zuge der Elektrolyse in Lithiumoxid, Sauerstoff und Kohlenstoff. Letzterer scheidet sich in Form von dünnen, bis zu 200 Mikrometer langen Fasern an der Kathode ab. Der Sauerstoff entweicht in die Luft, und das Lithiumoxid, das in der Schmelze verbleibt, reagiert wieder mit Kohlendioxid. Licht und seine Kollegen veränderten die Zusammensetzung des Elektrolyten, variierten Heiztemperatur sowie Stromstärke und tauschten das Elektrodenmaterial aus.

          Mit der richtigen Wahl der Parameter erreichten die Forscher eine Ausbeute von bis zu 95 Prozent. Würde man das Verfahren weiter optimieren, könne man nach Ansicht der Forscher nicht nur größere Mengen an Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen. Auch Karbonfasern ließen sich so günstiger herstellen, als es derzeit mit den gängigen Verfahren möglich ist.

          Weitere Themen

          Höllischer Schmerz

          FAZ Plus Artikel: Gürtelrose : Höllischer Schmerz

          Die neue Impfung gegen Gürtelrose zahlen jetzt die Kassen. Gut so, denn wer einmal unter der Infektion litt, wird das so schnell nicht vergessen. Die Infektion ruft heftige Nervenschmerzen bei den Betroffenen hervor.

          Topmeldungen

          „Verschrotter“ gegen „Planierraupe“: Renzi am Dienstag im italienischen Senat

          Regierungskrise in Italien : Im Land der wilden Matteos

          Italiens früherer Ministerpräsident Renzi wittert in der Regierungskrise die Gelegenheit für ein Comeback – und versucht nun, die Neuwahlpläne seines Erzfeindes Salvini zu durchkreuzen. Der Publizist Massimiliano Lenzi prophezeit einen „langen Krieg der Matteos“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.