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Ted Hänsch zum Achtzigsten : Leuchtender Pudding

Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch in einem Labor des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik Bild: dpa

Er ist eine weltweit geachtete Autorität auf dem Gebiet der Laserspektroskopie und besitzt einen ausgeprägten Spieltrieb. Der Physiker und Nobelpreisträger Theodor Hänsch wird heute achtzig Jahre alt.

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          Er war noch auf der Schule, da wusste Theodor Hänsch bereits, was er werden wollte: Physikprofessor. Ein Assistent eines ihm bekannten Hochschulprofessors hatte ihm geholfen, einen selbstgebastelten Geiger-Müller-Zähler zu eichen. Da habe er zum ersten Mal gesehen, wie ein Labor sei und was man sich als Professor so alles leisten könne, erzählte er später. Ursprünglich wollte Hänsch, der in Heidelberg geboren wurde, dort studierte und 1969 promoviert wurde, Kernphysiker werden. Doch dann zog ihn eine Lichtquelle in ihren Bann, die Anfang der sechziger Jahre erfunden worden war: Der Laser sollte ihn den Rest des Lebens nicht mehr loslassen.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Für Hänsch war der Laser das ideale Werkzeug für Präzisionsmessungen. Diese besondere Lichtquelle ermöglichte es ihm, viele elementare Eigenschaften des Wasserstoffatoms extrem präzise zu vermessen und mit theoretischen Voraussagen zu vergleichen. Die erreichte Genauigkeit verblüffte sogar manche Theoretiker, deren Berechnungen mit den Messergebnissen kaum mithalten konnten.

          Das experimentelle Rüstzeug erwarb sich Hänsch in den siebziger und achtziger Jahren an der Stanford University in Palo Alto bei dem Laserpionier Arthur Schawlow. Er war so erfolgreich, dass er 1975 in Stanford einen eigenen Lehrstuhl bekam. Nach sechzehn Jahren kehrte Hänsch den USA den Rücken und ging nach Garching, wo er 1986 im Alter von 45 Jahren zum Direktor des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik berufen wurde. Fast zwanzig Jahre später wurde Theodor Hänsch im Jahr 2005 mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet, für die Erfindung des „Frequenzkamms“. Mit dieser Lasertechnik lassen sich die schnellen Schwingungen von Lichtstrahlen zählen und Wellenlängen exakt bestimmen. Die Erfindung hat den Bau neuartiger, noch genauerer Atomuhren ermöglicht, in denen nicht mehr die Mi- krowellen von Cäsiumatomen den Takt schlagen, sondern die wesentlich schnelleren optischen Frequenzen von Atomen.

          Professor auf Lebenszeit

          Ein Jahr nach seinem Nobelpreis sorgte Hänsch zu seinem fünfundsechzigsten Geburtstag noch einmal für Schlagzeilen, als er gegen seine Zwangspensionierung im Zuge des Beamtenrechts protestierte und drohte, gegebenenfalls wieder nach Amerika auszuwandern. Er gewann und handelte eine Regelung mit dem Freistaat Bayern aus, wonach er an der Ludwig-Maximilians-Universität bis auf Lebenszeit einen Lehrstuhl innehaben darf. Auch am MPI in Garching darf der Emeritus in einem eigenen Labor weiter forschen.

          Neben Beharrlichkeit, Fleiß und dem Willen zur harten Arbeit sagt man dem blitzgescheiten Physiker, der eher leise Töne einschlägt und Rummel um seine Person meidet, einen ausgeprägten Spieltrieb nach. In Stanford, so weiß ein Kollege zu berichten, hatte Hänsch eine kleine Fräsmaschine gebastelt, mit der er seine Bleistifte spitzte. Der Clou daran: Das Maschinchen wurde von dem ersten Commodore-Rechner gesteuert, der damals zu kaufen war.

          Legendär sind auch Hänschs Laser- experimente mit Pudding. Nachdem er einen Laserstrahl auf einen Wassertropfen gerichtet hatte, der plötzlich selbst zum Laser wurde und grün strahlte, kam ihm die Idee, das gleiche mit Pudding zu versuchen. Er und seine Kollegen kochten in Stanford tagelang Pudding – mit zugesetzter Gelatine gelang schließlich das Experiment. Zwar kam der Wackelpudding-Laser nie wirklich zum Einsatz. Hänsch und seine Kollegen konnten aber zeigen, dass sich fast alles als Lasermedium eignete. Kurz darauf wurde der Farbstofflaser erfunden. Heute feiert Theodor Hänsch seinen achtzigsten Geburtstag.

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