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Terrorabwehr : Ein effektiver Detektor für TATP-Sprengstoff

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Eine der drei Quarz-Mikrowaagen des Sprengstoffdetektors Bild: Frank Luerweg/Universität Bonn

Der Sprengstoff TATP lässt sich aus handelsüblichen Chemikalien herstellen und hat in Terroristenkreisen Konjunktur. Nun haben deutsche Wissenschaftler einen Detektor entwickelt, mit dem sich noch geringste Spuren dieses Sprengstoffs einfach nachweisen lassen.

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          Chemiker der Universität Bonn und des Max Planck Instituts für Polymerforschung in Mainz haben einen kostengünstigen und leicht zu bedienenden Detektor entwickelt, der schon bei kleinsten Mengen des Sprengstoffs TATP Alarm schlägt. In Terroristenkreisen hat TATP (Triaceton-Triperoxid) momentan Konjunktur: Die Substanz ist fast so explosiv wie TNT und lässt sich relativ einfach aus haushaltsüblichen Chemikalien herstellen. TATP wurde etwa bei den verheerenden Anschlägen 2004 in Madrid und 2005 in London verwendet.

          Das „Riechzentrum“ des Geräts ist nur wenig größer als eine Euro-Münze. Es besteht aus drei kleinen Goldplättchen, die jeweils mit einer hauchdünnen „Leimschicht“ benetzt sind. An diesen Schichten bleiben TATP-Spuren aus der Luft haften. Die Goldplättchen werden dadurch etwas schwerer, was ihre gemessene Resonanzfrequenz verringert, sobald man sie zu Schwingungen anregt. Auf diese Weise kann man die eingetreten Gewichtsveränderung durch Anlagerung von TATP messen. Ganz neu sind derartige „Quarz-Mikrowaagen“ nicht. Es gab aber bislang keinen passenden „Leim“ für TATP. Die Bonner Forscher haben unterschiedliche Sorten davon entwickelt.

          Konkurrenz für Sprengstoffhunde

          Der Leim im Detektor „fängt“ bindet zwar vorzugsweise TATP, doch nicht nur. In dem Gerät sitzen jedoch drei Quarz-Mikrowaagen. Sie sind mit drei verschiedenen Leimsorten beschichtet, die auf jeweils unterschiedliche Strukturelemente von TATP ansprechen. TATP bindet also an alle drei Leimsorten und die drei Waagen verändern dann ihre Schwingfrequenz in charakteristischer Weise.

          Durch die sehr hohe Frequenz der verwendeten Schwingquarze lassen sich sehr kleine Änderungen der Resonanzfrequenz messen. Es lassen sich noch wenige Milliardstel Milligramm TATP nachweisen. Der Detektor macht damit sogar Hundenasen Konkurrenz, und im Gegensatz zu Hunden ermüdet er nicht.

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