https://www.faz.net/-gwz-t2xn

Science@home : Millionen Rechner können nicht irren

  • -Aktualisiert am

Der Klassiker: Mit dem Büro-PC Außerirdische aufstöbern Bild: seti@home

Datenmassen lassen sich nicht nur mit Supercomputern bewältigen, sondern auch mit PCs. Es müssen nur sehr viele sein. Das allerdings ist in den Zeiten des Internet kein Problem.

          Unter Supercomputern stellt man sich meist Hochleistungsrechner nach dem Vorbild des Cray vor, Maschinen mit riesigen Prozessoren, die ganze Kellerräume füllen - unerreichbar für die meisten, auch für viele Wissenschaftler nicht bezahlbar. Stolz wurde deshalb in der vergangenen Woche in Garching bei München das neueste deutsche Exemplar vorgestellt. Dort war für das Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ein neues Gebäude errichtet worden. Mit 26 Billionen Rechenoperationen (Teraflops) in der Sekunde sticht die 38 Millionen Euro teure Maschine mit dem Namen HLRB II den bisherigen deutschen Spitzenreiter JUBL in Jülich mit seinen 46 Teraflops zwar noch nicht aus. Aber nach einer geplanten Erweiterung auf 69 Teraflops im nächsten Jahr wird er das schaffen. Beim internationalen Ranking, das halbjährlich die 500 schnellsten Rechner der Welt auflistet, ist Garching jetzt unter den besten zwanzig, Jülich belegt Platz acht.

          Supercomputer kann aber auch bedeuten: mein Rechner und dein Rechner und der deines Freundes und deines Kollegen und der von dessen Bekannten in China und dessen Freund in Afrika und so weiter. Das Zauberwort heißt hier schlicht "und". Denn Rechenpower liegt eigentlich auf der Straße oder steht, besser gesagt, auf den allermeisten Schreibtischen. Mehrere hundert Millionen Computer sind via Internet verbunden. Und die meisten davon sind chronisch unterbeschäftigt. Personalcomputer sind im Durchschnitt nur zu etwa 30 Prozent ausgelastet, der Rest ihrer Rechenkapazität bleibt ungenutzt.

          Seti@home war der Anfang

          Die Idee, all diese verteilte Rechenleistung zu bündeln und für Forschungsaufgaben zu nutzen, ist schon so alt wie das Internet selbst. Ende der neunziger Jahre starteten Wissenschaftler im amerikanischen Berkeley mit Seti@home das sicher populärste Projekt dieser Art. Auf der Suche nach außerirdischem Leben (Search for Extra-Terrestrial Intelligence) analysieren mittlerweile eine halbe Million Rechner in der ganzen Welt Stück für Stück Datenmassen, die Radioteleskope in einem fort dem Weltraum ablauschen und mit denen die Wissenschaftler allein gar nicht fertig werden würden. "Ungeheure Datenmengen sind heute eines der wesentlichen Probleme in Forschung und Industrie", sagt Wolfgang Gentzsch, Experte für verteiltes Rechnen an der amerikanischen Duke University. Einige Dutzend Forschungsvorhaben aus den verschiedensten Bereichen nutzen daher inzwischen in sogenannten @home-Projekten private Rechner als Ressource.

          Malaria-Patient in Senegal: Africa@home soll helfen, die Krankheit zu besiegen

          Das Prinzip, das dahintersteckt, ist einfach: Jeder, der einen PC und einen Internetanschluß hat, kann mitmachen. Er sucht sich ein Projekt seiner Wahl aus und muß sich nur noch die nötige Software herunterladen. Die Forscher stellen dafür einen zentralen Computer zur Verfügung, der einzeln zu bearbeitende Datenpakete bereithält und die rückgesendeten Ergebnisse analysiert. Die Kommunikation zwischen diesem Server und den vielen "Clients", wie die teilnehmenden PCs auch heißen, steht im Mittelpunkt. Sie wird von einer speziellen Software geregelt, wie sie zum Beispiel auf der Plattform BOINC frei erhältlich ist. Mit ihrer Hilfe holt sich der Client, wann immer es ihm paßt, häppchenweise neue Aufgaben vom Server und sendet die Ergebnisse nach getaner Arbeit zurück.

          Nutzer merkt kaum etwas davon

          Im Prinzip merke der Nutzer kaum etwas davon, wenn sein Rechner nebenbei noch im Dienste der Wissenschaft steht, sagt Francois Grey vom Cern in Genf. Auch die Sicherheit des Systems sei auf dem aktuellsten Stand. Um Datenmanipulationen oder fehlerhafte Auswertungen auf den Clientrechnern auszusortieren, werden alle Aufgaben zweimal an voneinander unabhängige Rechner verschickt. Nur wenn das Ergebnis übereinstimmt, wird es auch gewertet.

          Weitere Themen

          Die Probleme des Boris Johnson Video-Seite öffnen

          Brexit : Die Probleme des Boris Johnson

          Der britische Regierungschef Boris Johnson muss jetzt beim Brexit seinen lautstarken Ankündigungen Taten folgen lassen. Johnson will Großbritannien auf jeden Fall bis zum 31. Oktober aus der EU führen - notfalls auch ohne Austrittsabkommen. Welche Probleme muss er lösen?

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Nach Contes Rücktritt : Linke Regierung in Rom möglich

          Die Sozialdemokraten und die Fünf-Sterne-Bewegung erwägen eine gemeinsame Regierungsarbeit – unter fünf Bedingungen. Staatspräsident Mattarella hat für Dienstag die nächsten Konsultationen angesetzt.
          Der gemeinnützige Verein Deutsches Tagebucharchiv e. V hat seinen Sitz in Emmendingen, einer Stadt im Südwesten Baden-Württembergs.

          Erinnerungen : Einblicke in die deutsche Seele

          Das Deutsche Tagebucharchiv sammelt Lebenserinnerungen und Briefe jeglicher Art – von ganz gewöhnlichen Menschen. Es sind faszinierende Dokumente,die die Vergangenheit spürbar machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.