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„Top 500“ der Supercomputer : Der schnellste Rechner steht in China

HALs kleiner Bruder: Chinass „Sunway TaihuLight“ Supercomputer in Wuxi Bild: dpa

93 Billiarden Rechenschritte pro Sekunde: In Wuxi im chinesischen Nationalen Supercomputing Center steht der leistungsfähigste Computer der Welt. Er soll unter anderem der besseren Wettervorhersage dienen.

          China ist auch weiterhin führend beim Supercomputerbau. Der neue Spitzenreiter der aktuellen Liste der „Top 500“ der weltweit leistungsfähigsten Rechenanlagen „Sunway TaihuLight“, der am nationalen Supercomputing Center im chinesischen Wuxi betrieben wird. Mit 93 Petaflops oder 93 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde ist der Supercomputer fast dreimal so schnell wie sein Vorgänger, der ebenfalls in China steht. „Titabhe-2“ (Milchstraße) in Guangzhou bringt es auf 33,86 Petaflops und führte drei Jahre lang die Liste der Top 500 an. Die schnellste Rechenanlage in Deutschland, „Hazel Hen“ im Höchstleistungs-Rechenzentrum HLRS bei Stuttgart, schafft es mit 5,6 Petaflops auf den 9. Platz.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Nutzten die Forscher in China zum Bau von „Titabhe-2“ noch Computerprozessoren von Intel, so läuft der neue Spitzenreiter aus Wuxi dagegen komplett mit heimischen Bauteilen. Die Anlage sei nach Angaben der Herausgeber der Top500-Liste nicht nur deutlich schneller als der Vorgänger, sondern mit sechs Gigaflops pro Watt auch deutlich energiesparender. Diese Performance brachte die Anlage auch einen der führenden Platz in der Liste der „Green 500“ ein, der Liste der energie-effizientesten Rechner.

          167 Spitzenreiter aus China

          Nach offiziellen Angaben dient „Sunway TaihuLight“ zivilen Zwecken wie der Voraussage von Rohölvorkommen, medizinischen und biologischen Anwendungen, der Wirkstoffentwicklung sowie der Wettervorhersage. Militärische Anwendungen wie die Simulation von Kernwaffenexplosionen kann man wie in den Vereinigten Staaten nicht ausschließen. Angeblich arbeitet man in China bereits an einer Rechenmaschine, die pro Sekunde eine Trillion Rechenoperationen ausführen kann. Sie soll im Jahr 2020 fertiggestellt sein.

          Die 47. Ausgabe der „Top 500“, die in Frankfurt am Main auf der International Supercomputing Conference (ITC) vorgestellt wurde, ist die erste überhaupt, in der die Vereinigten Staaten nicht mit den meisten Systemen vertreten ist. Mit 167 Systemen führt das Reich der Mitte. Die Vereinigten Staaten kommen auf 165 Anlagen. In Sachen Performance führt China dank der beiden Supercomputer „Tianhe-2“ und „Sunway“ ebenfalls. Erst auf den Plätzen 3 und 4 folgen mit dem Cray-Supercomputer „Titan“ am Oak Ridge National Laboratory in Tennessee und dem „Sequoia“ von IBM am Lawrence Livermore National Laboratory in Berkeley zwei amerikanische Supercomputer. Ein drittes amerikanisches System, „Mira“, ebenfalls von IBM, steht auf dem 6. Platz. Japan ist mit „Riken“ von Fujitsu vertreten (Platz 5). Eine Überraschung ist, dass auch Saudi-Arabien es unter die ersten zehn geschafft hat. Das System „Shaheen II“ ist ein Cray-Supercomputer mit 5,5 Petaflops (Platz 10).

          Der schnellste Supercomputer aus Deutschland ist nach wie vor „Hazel Hen“, der im Höchstleistungs-Rechenzentrum HLRS -  eine eigenständige zentrale Einrichtung der Universität Stuttgart - untergebracht ist.
          Die Anlage rutschte mit einer Leistung von 5,6 Petaflops im Vergleich zum vorherigen Listenplatz vom achten auf den neunten Rang. Auf „Hazel Hen“ können deutschlandweit alle Wissenschaftler aus den Forschungsinstituten, aber auch aus der Industrie zugreifen und ihre Simulationenrechnungen ausführen. Dazu müssen sie allerdings vorher eine entsprechende Rechenzeit beantragen. Europas schnellste Anlage ist „Piz Daint“ am Schweizer Supercomputing Centre (CSCS). Der Supercomputer des Herstellers Cray wird mit Intel Xeon Prozessoren betrieben und kommt mit einer Leistung von 8,1 Petaflops auf den achten Platz.

          Die Liste der „Top 500“ wird alle sechs Monate im Rahmen der International Supercomputing Conference herausgegeben, die abwechselnd in Deutschland und in den Vereinigten Staaten stattfindet.

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