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Ressourcen : Der Schlüssel zu den Rohstoffen

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Richard Herrington weist in seiner Analyse in „Nature Geoscience“ darauf hin, dass eine Reihe weiterer Parameter die Rohstoffsicherheit beeinflussen wie die Konzentration der Abbaugebiete auf wenige Länder oder Firmen. Die Ölkrise in den siebziger Jahren habe gezeigt, welches Risiko einer solchen Abhängigkeit innewohne. Der Geologe fordert deshalb eine Art zuverlässige Inventur der Rohstoffreserven, eine Abschätzung der Versorgungssicherheit und auch Betrachtungen zu den ökologischen Folgen ihrer Verwendung.

Begehrte Metalle und Mineralien

Der weltweite Bergbau konzentriert sich auf etwa ein Dutzend Hauptmetalle, darunter Eisen, Nickel und Chrom. Für eine Reihe der begehrten Rohstoffe gibt es keine eigenen nennenswerten Lagerstätten, sie kommen nur als Koppelprodukt mit diesen Hauptmetallen vor. Dazu gehören beispielsweise Indium, Rhenium oder Kobalt. Indium gewinnt man als Nebenprodukt aus Zinkerzen, Rhenium kommt zum Großteil aus chilenischen Kupferminen. Die Verfügbarkeit dieser Rohstoffe ist somit an die Gewinnung von Zink und Kupfer gebunden. Als es vor fünf Jahren unter den chilenischen Bergleuten zu Arbeiterunruhen kam, wurde prompt Rhenium knapp, dessen Weltmarktpreis in die Höhe schoss. Das Metall ist notwendig für besonders hitzefeste Legierungen, aus denen Turbinen gefertigt werden.

In der Vergangenheit wurden die wertvollen Koppelprodukte manchmal gar nicht extrahiert, sondern landeten auf Abfallhalden, weil sie nach dem Stand der Technik nicht verwertbar waren oder als wirtschaftlich uninteressant galten. In der Demokratischen Republik Kongo wurden beispielsweise jahrelang Kupfer-Zink-Erze abgebaut und verhüttet. Der darin enthaltene Halbleiter Germanium wanderte auf riesige Schlackehalden. Auch in Deutschland gibt es solche Fundgruben: Im Erzgebirge findet man alte Spülhalden, in denen hohe Konzentrationen an Metallen wie Lithium, Zinn oder Indium vorliegen. Derzeit wird geprüft, ob es sich wirtschaftlich lohnt, die Rohstoffe wiederzugewinnen.

Rohstoffe aus Konfliktgebieten

Die meisten wertvollen Lagerstätten sind in der Vergangenheit bereits ausgebeutet worden. So wandert der Bergbau in entlegenere Regionen, was mit höheren Kosten, größerem Energiebedarf und schlechteren ökologischen Bilanzen verbunden sein kann. Die „Red Dog Mine“ im Nordwesten Alaskas ist derzeit der weltgrößte Lieferant für Zink - und liegt inmitten zahlreicher Nationalparks und Schutzgebiete. Eine 80 Kilometer lange Straße verbindet die Mine mit dem Hafen, der aber nur an hundert Tagen im Jahr genutzt werden kann, denn die restliche Zeit ist die See zugefroren. Der Betrieb der Mine gelingt nur unter hohen Umweltauflagen.

Ein weiteres Problem stellen sogenannte Konfliktrohstoffe wie Tantal dar, deren Abbau unter fragwürdigen ethischen oder sozialen Bedingungen erfolgt. Tantal stammt derzeit überwiegend aus Zentralafrika, vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo. Die Reserven sind dort nicht knapp, doch werden viele Tantalerze in Konfliktgebieten abgebaut, und ihr Verkauf trägt dazu bei, die Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen zu finanzieren. In die gleiche Kategorie fallen sogenannte Blutdiamanten oder Zinn aus illegalem Abbau in Indonesien. Für diese Rohstoffe scheint es geboten, ein System aufzubauen, mit dem sich die Herkunft und damit die Produktionsbedingungen überprüfen lassen. Für Gold aus Kleinbergbau gibt es bereits seit einiger Zeit eine Zertifizierung, die Produktion nach ökologischen und sozialen Mindeststandards garantiert.

Recycling ist laut Richard Herrington einer der Schlüssel, um die Rohstoffversorgung künftig abzusichern. Noch spielt die Wiedergewinnung für viele Rohstoffe kaum eine Rolle. Die Konzentrationen in den Abfällen sind zu gering, die Verfahren zu aufwändig. Hier besteht ein Nachhol- und Forschungsbedarf, damit Stoffkreisläufe geschlossen werden und die kostbaren Rohstoffe nicht verlorengehen.

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