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Ressourcen : Der Schlüssel zu den Rohstoffen

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Es geht auch nachhaltig und schonend

Europas Industrie ist bei Metallen stark importabhängig und verbraucht mehr als ein Fünftel der weltweit gewonnenen Metalle, trägt aber beispielsweise bei Eisen und Aluminium nur zu 1,5 Prozent zur globalen Produktion bei. Die französischen Wissenschaftler schlagen deshalb vor, alle Bemühungen in der Wiedergewinnung zu intensivieren. Außerdem sollte Europa sich stärker auf hiesige Vorkommen stützen, um eine nachhaltige und sichere Versorgung zu gewährleisten. Ein vorbildliches Beispiel findet sich in Nordschweden. Dort wird eine Kupfermine betrieben, deren Erz lediglich einen Kupfergehalt von 0,3 Prozent aufweist - halb so viel wie andere Vorkommen auf der Welt. Dank moderner Technik kann die Mine jedoch profitabel arbeiten, und es ist sichergestellt, dass das Erz unter hiesigen ethischen, sozialen und ökologischen Standards abgebaut wird. Auch in Deutschland gibt es ein attraktives Kupfervorkommen. Die Lagerstätte bei Spremberg in der Lausitz etwa, die seit einiger Zeit erkundet wird, enthält schätzungsweise 1,5 Millionen Tonnen des Metalls. Im Jahr 2017 könnte der Baustart für das Bergwerk erfolgen. Am Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie werden derzeit neue Verfahren getestet, bei denen Bakterien das wertvolle Kupfer aus dem Erz lösen. Das sogenannte Biomining gilt als besonders umweltschonend und effizient.

Mineralische Rohstoffe sind in der Erdkruste äußerst unregelmäßig verteilt. Bei einigen Metallen haben bestimmte Länder gleichsam ein Produktionsmonopol. Das trifft sicher auf China und die seltenen Erden zu. Aber auch auf Platin, das zu 80 Prozent aus gerade einmal zwei Minen in Südafrika stammt. So wie das Edelmetall unverzichtbar ist für Autokatalysatoren und Brennstoffzellen, sind auch andere „Hochtechnologie-Metalle“ essentiell für viele Bereiche - Indium etwa für Flachbildschirme oder Tantal für Kondensatoren in Mobiltelefonen. Die Versorgungssicherheit dieser wirtschaftlich äußerst bedeutsamen Mineralien muss allerdings teilweise als kritisch bewertet werden. Vor drei Jahren hat die Europäische Union insgesamt 14 Rohstoffe identifiziert, die in diese Kategorie fallen.

Unbegrenzte Reichweite

Das liegt nicht nur daran, dass es insgesamt zu wenig von den Rohstoffen exitieren, schreibt Richard Herrington vom Natural History Museum in London in einem Kommentar in „Nature Geoscience“ (doi: 10.1038/ngeo1947). Zwar lese man immer wieder Meldungen, dass die Vorräte für dieses oder jenes Metall in einigen Jahren erschöpft seien. Unter den Fachleuten besteht aber Einigkeit, dass die Reichweite kein brauchbarer Indikator ist. Erst vor kurzem haben Frank Melcher und Hildegard Wolken von der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover dargelegt, wie sich die statistische Reichweite wichtiger Metalle in den vergangenen fünfzig Jahren entwickelt hat. Das Ergebnis: Obwohl die Bergbauproduktion vieler Rohstoffe drastisch gestiegen ist, haben sich die Reichweiten nicht wesentlich verändert („Chemie in unserer Zeit“, Bd. 47, S. 32). Denn die geologische Reserve eines Rohstoffs ist eine dynamische Größe. Dabei wird berücksichtigt, welche Vorkommen sicher nachgewiesen sind und sich zu aktuellen Bedingungen wirtschaftlich und technisch abbauen lassen. Preissteigerungen, verstärkte Nachfrage, verbesserte Technik oder neu erschlossene Lagerstätten lassen die Zahlen schwanken.

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