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Poker : Eine Frage der Berechnung

  • -Aktualisiert am

Pokern - inzwischen wird meist im Internet gespielt Bild: AP

Nie war Poker beliebter als heute. Gespielt wird heutzutage vor allem online. Immer noch hat das Kartenspiel den Ruf, eine reine Glück- und Nervensache zu sein. Doch wer auf Dauer gewinnen will, kommt nicht um die Mathematik herum.

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          Deutschland pokert. Aus dem zaghaften Trend, der vor einigen Jahren aus den Vereinigten Staaten herüberkam, ist ein Boom geworden, so dass die Übertragungen von Pokerturnieren heute zum Fernsehalltag gehören. Auch Prominente und Unternehmen haben das lange verruchte Spiel für sich entdeckt: Der ehemalige Tennisstar Boris Becker macht Werbung für einen Online-Pokeranbieter, der Fußballverein Bayer Leverkusen für einen anderen.

          Gespielt wird vor allem im Internet - auf Servern, die in Malta oder Gibraltar stehen, denn hierzulande ist Pokern um Geld illegal. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen geht von 200.000 bis 290.000 Bundesbürgern aus, die im Jahr 2006 in Online-Casinos rund eine Milliarde Euro beim Pokern setzten. Tendenz stark steigend.

          Das Gesetz der großen Zahl

          Trotz dieser Verbreitung hat Pokern noch immer das Image eines reinen Glücks- und Nervenspiels. Wer gute Karten bekommt und gut blufft, kann es ohne große Anstrengung zu einem Vermögen bringen, so eine gängige Meinung, die von den Anbietern auch gern gepflegt wird, lockt sie doch Kundschaft an ihre virtuellen Tische.

          Poker-Werbefigur Boris Becker: „Poker ist großes Tennis”

          Dabei zeigt schon ein Blick auf die Profis, die tatsächlich vom Pokern leben können, vor allem eines: Ohne Mathematik geht nichts. Das gilt zum Beispiel für Dominik Kofert und Mathias Wahls, zwei der besten deutschen Spieler. Der eine ist ehemaliger Mathematikstudent, der andere Schachgroßmeister. Kofert und Wahls haben ihr strategisches Denken und ihr Wissen um Wahrscheinlichkeiten versilbert.

          Denn darum geht es beim Pokern viel mehr als um Glück: Nach dem sogenannten Gesetz der großen Zahl relativiert sich die Verteilung der guten und der schlechten Karten auf Dauer. Wer nur zweimal spielt, mag jeweils zwei Asse bekommen - die beste Startkombination der beliebtesten Pokervariante, „Texas Hold'em“. Wer häufiger spielt, wird jedoch merken, dass dies im Schnitt leider doch nur jedes 221. Mal vorkommt, wie es der Statistik entspricht.

          Wer gut blufft, vermeidet den „Showdown“

          Die Grundregeln von Texas Hold'em sind einfach: Gespielt wird mit viermal 13 Karten in den Farben Karo, Herz, Kreuz und Pik. Das Ass ist bis auf wenige Ausnahmen am stärksten, die Zwei am schwächsten. Jeder Spieler erhält verdeckt zwei Karten, dann werden zunächst drei Gemeinschaftskarten (der „Flop“) und dann nacheinander zwei weitere Gemeinschaftskarten (der „Turn“ und der „River“) aufgedeckt. Wer am Ende aus den für ihn sichtbaren sieben Karten die höchste Fünferkombination bildet, gewinnt.

          Schon vor dem Flop können die Spieler Wetten auf den Spielausgang abschließen - die Einsätze werden vorher festgelegt, sie reichen von einigen Cent bis zu mehreren tausend Dollar (die inoffizielle Pokerwährung). Die Wetten können angenommen oder erhöht werden. Wer nicht mitgeht, scheidet aus. Vor dem Turn, vor dem River und danach wird das Wetten wiederholt. Bleiben bis zum Schluss zwei oder mehr Spieler dabei, kommt es zum „Showdown“: Die Spieler zeigen ihre Handkarten, der mit der höchsten Kombination gewinnt. Häufig ist jedoch vorher Schluss, weil bis auf einen alle aussteigen. Dann müssen die Karten nicht aufgedeckt werden, worin der Mythos des Bluffens begründet liegt: Wer durch hohe Einsätze alle Gegner davon überzeugt, dass er die stärkste Hand hält, kann auch mit schlechten Karten gewinnen - ohne dass jemand davon etwas erfahren muss.

          „Royal Flush“ äußerst unwahrscheinlich

          Bereits mit den Handkarten fängt das Rechnen an. Schließlich hat jede mögliche Kombination eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, mit oder ohne Ergänzung durch die Gemeinschaftskarten zu gewinnen. Die höchste Endkombination ist der „Royal Flush“- eine Straße, also fünf zusammenhängende Karten in einer Farbe, die zudem noch mit einem Ass endet. Mit welcher Wahrscheinlichkeit man einen Royal Flush bekommt, lässt sich relativ einfach berechnen.

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