https://www.faz.net/-gwz-8c2w8

Atomwaffentest in Nordkorea : Wie funktioniert eine Wasserstoffbombe?

Die Zündung der ersten Wasserstoffbombe am 1. November 1952 Bild: dpa

Mit dem Zünden einer Wasserstoffbombe versetzt Nordkorea die Welt in Alarmbereitschaft. Im Vergleich zu Atomwaffen ist der Bau von Wasserstoffbomben wesentlich schwieriger, denn es geht um Fusion, nicht um Spaltung.

          Jeder Staat, der Kernwaffen bauen will, muss neben dem technischen Fachwissen und notwendigen Fabriken und Laboratorien, auch über ausreichende Mengen an waffenfähigem Plutonium oder angereichertem Uran verfügen. Denn nur mit diesen Stoffen lassen sich nukleare Kettenreaktionen in Gang setzen. Die darin steckende Energie wird entweder, wie bei der Atombombe, selbst als „Waffe“ eingesetzt oder sie dient als Zünder für eine Wasserstoffbombe. Nachdem Nordkorea schon bei seinen bisherigen drei Atombombenversuchen in den Jahren 2006, 2009 und 2013 bewiesen hat, dass es eine Nuklearwaffe bauen und zünden kann, verfügt das Land nach eigenen Angaben auch über die Wasserstoffbombe.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Atombomben beziehen ihre vernichtende Energie aus der unkontrollierten Spaltung von angereichertem Uran und Plutonium. Bei Wasserstoffbomben stammt die Energie dagegen aus der Kernfusion, also aus jenem physikalischen Prozess, wie er auch in der Sonne abläuft. In einer Wasserstoffbombe verschmelzen die Atomkerne des  schweren Wasserstoffisotops, Deuterium und die Isotope Lithium-6 oder Lithum-7, was große Energiemengen freisetzt. Reicht zum Zünden einer Atombombe herkömmlicher Sprengstoff, benötigt man bei einer thermonuklearen Waffe oder H-Bombe, wie Wasserstoffbomben auch genannt werden, eine Atombombe, um den Prozess in Gang zu setzen. Denn nur eine Nuklearexplosion kann die für eine Fusion von Deuterium- und Tritiumkernen erforderlichen extremen Temperaturen und Druckverhältnisse erzeugen. Damit eine Wasserstoffbombe explodiert, sind also zwei Stufen notwendig: Ein konventioneller Sprengsatz zündet eine Atombombe, diese löst schließlich die Fusion aus. Deshalb sind Wasserstoffbomben deutlich schwieriger komplizierter zu bauen als eine Kernspaltungswaffe.

          Wasserstoffbomben entwickeln eine Vielfach höhere Sprengkraft als einstufige Atombomben, da bei der Verschmelzung von Atomkernen weitaus mehr Energie freigesetzt wird, als bei Kernspaltungsprozessen. Dadurch können bei gleichen Abmessungen viel stärkere und effizientere Bomben konstruiert werden. Im Zuge des Wettrüstens in den 50er und 60er Jahren wurden von Amerika und der Sowjetunion H-Bomben mit einer Sprengkraft von mehreren Millionen Tonnen TNT entwickelt. Zum Vergleich: Die Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe betrug schätzungsweise 13.500 Tonnen TNT.

          Aufbau einer Wasserstoffbombe

          Nach südkoreanischen Geheimdienstinformationen soll beim  Kernwaffentest allerdings nur eine Sprengkraft von etwa sechs Kilotonnen entwickelt worden sein. So viel setzte etwa auch die Atombombe frei, die beim dritten nordkoreanischen Atomtest im Jahr 2013 gezündet wurde. Nordkorea spricht selbst von einer Mini-Wasserstoffbombe. Angesichts der Sprengkraft ist allerdings zu bezweifeln, ob es bei dem aktuellen Versuch wirklich eine Wasserstoffbomben detoniert ist. Es könnte sich auch um einen Mischtyp gehandelt haben. Vorstellbar ist, dass Nordkorea eine kleine Menge eines Wasserstoff-Isotops als „Kernspaltungsverstärker“ in das angereicherte Uran oder Plutonium einer Atombombe eingebettet haben. Durch eine derartige Technik kann die Sprengkraft einer Kernspaltungswaffe erhöht werden. Die Wucht einer Wasserstoffbombe wird nicht erreicht. Thermonukleare Fusionsbomben sind diese Kernwaffen deshalb  nicht.

          Die Staaten, die in den vergangenen Jahren in den Kreis der Atommächte aufgestiegen sind – wie Pakistan, Indien und Nordkorea – verfügen nach der Überzeugung von Experten aller Wahrscheinlichkeit nach bislang nicht über einsatzfähige Waffen diesen Typs – auch wenn sie es behaupteten.

          Die erste zweistufige echte Wasserstoffbombe der Welt wurde von den Vereinigten Staaten am 1. November 1952 im Pazifik gezündet (Operation Ivy Mike), die Sowjetunion folgte im Jahr darauf. Diese Waffen waren aber eher Prototypen, die für Einsätze noch nicht geeignet waren. Militärisch nutzbare Bomben hatten die beiden Supermächte erst etwas später. In Kriegen eingesetzt wurden diese bisher nie - Gott sei Dank.

          Weitere Themen

          „Wie Pac-Man“

          Schwarzes Loch frisst Neutronenstern : „Wie Pac-Man“

          Forscher jubilieren: Sie sind sich ziemlich sicher, erstmals beobachtet zu haben, wie ein Schwarzes Loch einen Neutronenstern verschlingt. Falls dem nicht so sei, existiere eine kleine, aber ebenfalls „faszinierende Möglichkeit“, was sich abgespielt haben könnte.

          Topmeldungen

          Greta Thunberg reist mit der Segelyacht „Malizia“ nach New York.

          Klimaaktivistin in Amerika : „Greta ist das Böse“

          Greta Thunberg wird in den Vereinigten Staaten nicht nur von begeisterten Aktivisten empfangen. Auch die Lobbyisten aus dem Lager der Klimawandel-Leugner laufen sich schon warm.

          Johnson besucht Berlin : Warten auf ein erstes Blinzeln

          Der britische Premierminister Boris Johnson droht der EU mit einem harten Brexit und lockt mit vagen Zugeständnissen – doch in Brüssel und Berlin wächst nur das Unverständnis.
          CSU-Politiker Markus Söder

          Gesetzesvorstoß : Söder will Negativzinsen verbieten

          Bayerns Ministerpräsident will ein Gesetz in den Bundesrat einbringen, um Bankeinlagen von Normalsparern bis 100.000 Euro vor Strafzinsen zu schützen. Allerdings haben Gerichte bereits juristische Grenzen für Minuszinsen auf Kontoguthaben gezogen.

          Luxusbauten in New York : Ästhetische Abschottung

          Ein Penthouse für 239 Millionen Dollar: Die Wohlhabendsten schauen von immer größeren Höhen auf das Stadtvolk hinab. New York baut jetzt superdünn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.