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Zum 150. Geburtstag von Max Planck : Auf der Suche nach dem Absoluten in der Physik

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Max Planck wusste sofort, dass ihm eine wichtige Entdeckung gelungen war. Diese sah er aber darin, dass er zwei neue Naturkonstanten gefunden hatte, nicht nur h, sondern auch die später nach Boltzmann benannte Konstante k, für die er recht genaue Werte aus den experimentellen Daten ableiten konnte. Auf Basis von h und k war es ihm möglich, die Avogadrosche Zahl, die Masse des Wasserstoffatoms und die Ladung des kurz zuvor entdeckten Elektrons, zu berechnen. Dass seine Werte mit den Ergebnissen übereinstimmten, die man auf ganz anderem Wege gewonnen hatte, bestätigte Planck darin, dass das Strahlungsgesetz von fundamentaler Bedeutung sei. Eines war auf alle Fälle klar: Dieses Gesetz bedeutete eine klare Bestätigung für den Aufbau der Materie aus Atomen.

Der größte Skeptiker

Die Physik, die hinter h steckt, erschloss sich erst nach und nach. Den Anfang machte Albert Einstein 1905 mit der Erklärung des Photoeffektes, für die er die Hypothese von den Lichtquanten einführte. Es ist in besonderem Maße bemerkenswert, dass es in erster Linie Max Planck selbst gewesen ist, der mehr als ein Jahrzehnt lang der größte Skeptiker hinsichtlich der Bedeutung seiner eigenen Entdeckung blieb und immer wieder von neuem versuchte, das Wirkungsquantum „irgendwie der klassischen Theorie einzugliedern“. Im Zögern von Planck, die mit seiner eigenen Arbeit begründete Quantenphysik anzunehmen, liegt nicht etwa etwas Tragisches oder gar ein Element der Unbelehrbarkeit.

Planck sah im Finden von Wahrheit das unantastbare Ziel von Wissenschaft, dem zu dienen für den Wissenschaftler kompromisslose Pflicht ist: „Wehe dem Forscher, der in dem Vorwärtsdrängen nach großen, weitreichenden Resultaten . . . die gewissenhafteste Prüfung und Sicherung der gewonnenen Stellung unterlässt.“ In unserer heutigen Zeit, in welcher der rasche und spektakuläre Erfolg einschließlich ins Dramatische gesteigerter, daraus abgeleiteter Zukunftsvisionen zum Leitbild zu werden droht, erscheint es angebracht, sich an das Vorbild Plancks zu erinnern.

Arbeiten, die Weltbild erschüttern

Die Entwicklung der Quantenphysik - eine der größten Kulturleistungen der Menschheit - nahm, nachdem der erste Schritt getan war, etwa drei Jahrzehnte in Anspruch. Und noch heute, nachdem sie die Grundlage einer unüberschaubaren Menge von Anwendungen geworden ist, werden immer wieder neue, erstaunliche Experimente gemacht. Planck, der sich bald auch als ein großer Förderer der Relativitätstheorie erwies, konnte diese Entwicklung der modernen Physik noch über Jahrzehnte verfolgen. Im Jahr 1918 erhielt er für seine bahnbrechenden Arbeiten den Nobelpreis. 1926 verließ der Physiker, der auch viele bedeutende Ämter bekleidet hatte, im Alter von 68 Jahren die Universität. Als er am 4. Oktober 1947 fast neunzigjährig starb, hatte sich die Welt grundlegend verändert. Es hat zu allen Zeiten bedeutende Menschen gegeben, deren Schicksal es ist, den Wandel der Zeiten im eigenen Erleben zu verkörpern.

Planck hat den Untergang der bürgerlichen Gesellschaft alten Stils und des von ihr geprägten Weltbildes in den beiden Weltkriegen und in der Zeit dazwischen erlebt. Dabei blieb es ihm nicht erspart, in Zeiten seiner öffentlichen Verantwortung unter schwierigen Umständen handeln und Stellung beziehen zu müssen. Der Physiker Planck begann seine wissenschaftliche Laufbahn im Bewusstsein einer Geborgenheit in der metaphysisch interpretierten klassischen Physik. Es waren seine eigenen Arbeiten, welche dieses Weltbild erschütterten, und er musste zusehen, wie die sich daraus entwickelnde Quantenphysik zusammen mit der Relativitätstheorie die alte Welt zum Einsturz brachte. Die in den Folgejahren entstandene neue Welt der Physik erwies sich dann als weit komplexer und schwieriger im Verständnis als die alte, aber nicht weniger spannend und nach wie vor offen für das Unerwartete.

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