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Kriegsdrohnen : Luftwaffen aus der Bastelkiste

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Deutsche Modellflug-Motoren im Jemen

Im Herbst 2018 tauchte dann erstmals eine Drohne auf, mit der die Houthis auch weite Strecken zurücklegen konnten: die sogenannte UAV-X. Dieses Fluggerät könne bis zu 1500 Kilometer weit fliegen und werde sowohl für die Luftaufklärung als auch als Waffe eingesetzt, heißt es in dem UN-Bericht. Im zweiten Fall trägt sie einen Sprengkopf, der mit 18 Kilogramm Sprengstoff und Metallkugeln versehen ist. Zwijnenburg hat berechnet, dass eine solche Drohne etwa 15000 Dollar in der Herstellung kosten dürfte. Dass es derart billig ist, arabische Ölanlagen und damit den ökonomischen Lebenssaft der Region anzugreifen, zeigt, welche finanziellen Asymmetrien die Fluggeräte in den Konflikt tragen. Gleichzeitig ist es äußerst kompliziert, sich gegen die Angriffe zu schützen: Die Drohnen können in Schwärmen fliegen und unter dem Radar hindurchschlüpfen. „Außerdem sind sie im Gegensatz zu Raketen sehr manövrierfähig, was es schwer macht, sie abzufangen“, sagt Zwijnenburg.

Die Kosten der Drohnen stehen in keinem Verhältnis zu den Ausgaben, die nötig sind, um die Fluggeräte vom Himmel zu bekommen. Ulrike Franke, die sich am Think-Tank „European Council on Foreign Relations“ mit der Verbreitung von Drohnentechnologie befasst, erinnert sich an ein Beispiel, bei dem die Hizbullah vor einigen Jahren eine Drohne über israelischem Territorium fliegen ließ. „Israel schloss daraufhin seinen kompletten Luftraum und schickte zwei Kampfjets los, um die Drohne abzuschießen“, sagt Franke. Damit habe Technologie im Wert einiger tausend Euro einen millionenschweren Einsatz ausgelöst. Deshalb werde mit Hochdruck an vielen Orten der Welt an Drohnenabwehrsystemen gearbeitet. Die Ideen reichen von automatisch zielenden Maschinengewehren über Störsender bis zu Laserwaffen.

Eine andere Möglichkeit wären Handelsbeschränkungen für die benötigte Technologie. Das Problem ist laut Franke jedoch, dass zivile Drohnen bereits zu verbreitet sind. Was ausgefeiltere Systeme angeht, spricht sich Zwijnenburg wiederum für intelligente Ausfuhrkontrollen aus. Falls etwa jemand eine große Anzahl an Drohnen in einer Region bestellt, die für den Schmuggel in Kriegsgebiete bekannt ist, solle es eine Art Warnung geben. Ein anderes großes Problem sieht Zwijnenburg aber in einem aktuellen Trend der militärischen Drohnenindustrie. Ursprünglich hatte die sich auf große Systeme konzentriert, die eher Flugzeugen ähneln. Derzeit entwickele man aber Drohnen, die sich Soldaten in ihren Rucksack packen und vor Ort als fliegende Waffe einsetzen. „Diese kleinen Drohnen können leicht kopiert und verbreitet werden und schließlich in den falschen Händen landen“, sagt Zwijnenburg.

Ein Detail aus dem Bericht des Sicherheitsrates verdeutlicht ebenfalls, wie schwierig eine Kontrolle über derartige Systeme ist. Die Houthi-Drohne UAV-X verdankt ihre große Reichweite unter anderem einem hochwertigen Verbrennungsmotor. In dem Bericht steht, dass es sich bei einigen der gefundenen Drohen um ein Aggregat aus deutscher Produktion handelt. Es stammt von einer Firma, die seit über 35 Jahren Motoren für Modellflieger herstellt. Wie die Motoren in den Jemen gelangten, ist unklar. Das Motor-Beispiel zeigt: Ein ungefährliches Stück Technik kann durch die immer bessere Drohnentechnologie plötzlich zu einem entscheidenden Element in einer tödlichen Waffe werden.

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