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Kampfroboter : Schrecklich perfekte Krieger

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., QinetiQ

Sie kennen weder Angst noch Rache: Roboter wären effiziente Soldaten. Für viele Forscher ist das eine Horrorvorstellung. Aber nicht für alle.

          Am 21. Juli 2008 fiel in einem Kontrollzentrum der amerikanischen Luftwaffe der Strom aus, alle Monitore erloschen. Daraufhin brach das Chaos aus, berichtete Jahre später die Washington Post. Die Piloten steuerten gerade drei Predator-Drohnen über Afghanistan: bewaffnete, ferngesteuerte Fluggeräte mit 15 Metern Spannweite. Als das Kontrollzentrum nach einigen Minuten wieder einsatzbereit war, konnten sie die Kontrolle über zwei der Drohnen zurückgewinnen. Die dritte verschwand. Keine Seltenheit, wie die Zeitung ermittelte. Seit 2001 haben die amerikanischen Streitkräfte an die hundert Drohnen verloren, weil die Verbindung zusammenbrach.

          Der Drohnenkrieg hat so seine Tücken, auch weil die ferngesteuerten Luftschläge nicht immer ihr eigentliches Ziel treffen. Erst vergangene Woche etwa wurden amerikanische Geheimdokumente bekannt, nach denen im November 2012 ein niederranginger Taliban-Führer per Drohne exekutiert worden sei, der nach Nato-Quellen aber drei Tage später noch am Leben war. Statt seiner starb also irgendein Unbeteiligter.

          Sie kennen weder Wut noch Hass

          Was die abgerissenen Verbindungen angeht, so arbeitet das Pentagon an einer Lösung, die zugleich noch ganz andere Probleme in den Blick nimmt: Laut einer Umfrage haben sieben Prozent der amerikanischen Soldaten im Irak-Krieg Zivilisten misshandelt. Und wie das U.S. Department of Veterans Affairs meldet, begehen jeden Tag 22 ehemalige Soldaten Selbstmord. Eine Technologie, die all dies in den Griff zu bekommen verspricht, ist die der „autonomen Waffen“, also Maschinen, die eigenständig kämpfen und töten. Sie kämen ohne eine Verbindung zu Bodenstationen aus. Sie würden keine Zivilisten misshandeln, denn sie würden weder Wut noch Hass oder ein Verlangen nach Rache spüren. Und sie würden nicht verstört zurückkehren, denn sie sind frei von Psyche.

          Für zahlreiche Forscher ist diese Waffenform eine Horrorvorstellung, und so haben in kürzester Zeit fast 3000 Experten für Robotik und künstliche Intelligenz einen offenen Brief unterschrieben, der sich dagegen ausspricht. Sie fordern beispielsweise, autonome Waffen zu verbieten, und zeichnen eine düstere Vision der Zukunft, sollten autonome Kampfroboter doch ihren Weg auf die Schlachtfelder finden. Glaubt man den Forschern, könnte das schon bald passieren.

          Die Technik wäre vorhanden

          „Es würde vielleicht etwas Ingenieurskunst erfordern, aber keinen technischen Durchbruch“, antwortet Stuart Russell auf die Frage, was nötig sei, um autonome Waffen zu bauen. Der Informatiker von der University of California ist einer der Autoren des offenen Briefs. Tatsächlich können Drohnen sich bereits selbständig in fremdem Gelände zurechtfinden und helfen auf diese Weise etwa Feuerwehrleuten beim Einsatz. Autos bremsen automatisch für Fußgänger, und moderne Computersysteme erkennen Objekte - zum Beispiel Menschen - auf Bildern mit einer Fehlerquote, die unter fünf Prozent liegt. „Die Grundzutaten sind da, man muss sie nur kombinieren“, sagt Russell.

          Wie könnten diese Maschinen aussehen? Wohl kaum wie Arnold Schwarzenegger in der Rolle des Terminators aus der gleichnamigen Filmreihe. Aber Russell schätzt, dass zumindest zwei Projekte der „Darpa“, der Forschungsbehörde des amerikanischen Verteidigungsministeriums, einen Vorgeschmack auf autonome Waffen geben. Eines widmet sich der „Fast Lightweight Autonomy“. Es soll kleinen Fluggeräten ermöglichen, selbständig unbekannte Gegenden zu durchstreifen und zum Beispiel durch Fenster zu fliegen.

          Neue Form der Massenvernichtungswaffen

          Das zweite Programm heißt Collaborative Operations in Denied Environment, kurz „Code“, was übersetzt in etwa bedeutet: gemeinsame Einsätze in unzugänglicher Umgebung. Damit will die Darpa das Problem der Kommunikation zwischen Drohne und Bodenstation beseitigen. Dafür sind Fluggeräte vorgesehen, die untereinander kommunizieren. „So wie Wölfe im Rudel mit minimaler Kommunikation jagen, so würden die Code-Fluggeräte zusammenarbeiten und Ziele finden, verfolgen und angreifen“, erklärt es der Leiter des Projekts in einem Text. Trotzdem solle ein Mensch solche Missionen kontrollieren. Das wiederum bezweifelt Russell: „Alles andere in der Projektbeschreibung suggeriert: ,Wir werden ein autonomes System bauen, um Menschen zu töten.‘“

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