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Glyphosat : Nützliches Gift

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6. Wie werden die Gesundheitsrisiken eingeschätzt?

Glyphosat wird kaum durch die Haut aufgenommen. Nach Verzehr absorbiert es der Darm, aber nur etwa ein Fünftel der Menge. Es reichert sich nicht im Organismus an und wird über Urin und Exkremente innerhalb von sieben Tagen nahezu vollständig ausgeschieden. Die akute Toxizität gilt als gering, die Substanz reizt jedoch die Augen stark. Als „probably carcinogenic to humans“ listet die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO das Herbizid inzwischen. Demnach wäre es ähnlich gefährlich wie rotes Fleisch. Aber unter Berücksichtigung derselben Studien, zusätzlicher Originaldaten und mehr als tausend Dokumenten kommen Experten des Bundesinstituts für Risikobewertung sowie der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA zu einer anderen Einschätzung: kein Krebsrisiko. Allerdings schlägt die EFSA einen Grenzwert für die erlaubte Tagesdosis vor: Demnach sollten Verbraucher täglich nicht mehr als 0,5 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen, während für Anwender eine Exposition von nur 0,1 mg/kg Körpergewicht akzeptabel wäre.

7. Warum taucht es in Urin, Muttermilch und Bier auf?

In der Landwirtschaft werden heute weltweit jährlich mehr als 700000 Tonnen Glyphosat ausgebracht. Daher ist die Substanz nicht nur in Urinproben von Farmern zu finden, sondern auch in jenen der deutschen Allgemeinbevölkerung, die Rückstände mit der Nahrung aufnimmt. Darauf weist eine Studie der Böll-Stiftung hin, die in praktisch allen aktuell untersuchten Proben Spuren von Glyphosat fand. Und eine Untersuchung des Umweltbundesamtes von 400 archivierten Urinproben zeigte: Waren im Jahr 2001 nur zehn Prozent der getesteten Proben positiv, so waren es 2012/13 nahezu 60 Prozent und 2014/15 noch 40 Prozent. Es wurde eine maximale Konzentration von 0,0028 mg/l gemessen, die 1000-fach höher wäre, würde der Grenzwert ausgereizt. Die kürzlich veröffentlichten Werte in 14 Biersorten nach Stichproben liegen mit 0,00046 bis 0,029 mg/l weit darunter. Ebenso die in Muttermilch aufgespürten Mengen, die 2015 für Aufsehen sorgten, wobei das Laborverfahren mehr als fragwürdig war. Das Bundesinstitut für Risikobewertung startete eine unabhängige Studie zur Muttermilch.

8. Schadet es Kühen?

Seit einigen Jahren fallen insbesondere in Norddeutschland Hochleistungskühe auf, die torkeln, ausgezehrt wirken und kaum noch Milch geben. Sie leiden unter chronischem Botulismus, einer Vergiftung des Verdauungstrakts. Die Ursache soll Glyphosat sein – ein Beleg dafür fehlt. Die Tiere nehmen Rückstände des Pflanzenschutzmittels über importiertes Sojafutter auf. Glyphosat-Kritiker behaupten, dass der Komplexbildner die nützlichen Bakterien im Körper der Tiere abtöte. Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover konnte diesen Verdacht vor zwei Jahren nicht belegen.

9. Warum werden Pflanzen resistent gegen Glyphosat?

Werden Herbizide regelmäßig eingesetzt, entwickeln Pflanzen Resistenzen. Wissenschaftler listen in der Datenbank des „International Survey of Herbicide Resistant Weeds„ bereits 34 glyphosatresistente Unkräuter auf. Einige davon produzieren verstärkt das Enzym, gegen das sich Glyphosat richtet. Andere bilden eine leicht veränderte Enzymvariante, die nicht mehr empfänglich für Glyphosat ist. Um Weizen oder Mais vor dem Herbizid zu schützen, werden ihnen bestimmte Gene mit dem Bauplan für glyphosatunempfindliche Enzymvarianten übertragen. In der EU ist bislang keine gentechnisch veränderte glyphosatresistente Pflanze zugelassen.

10. Alternativen

Würde Glyphosat verboten, ähnlich wie vor zwei Jahrzehnten das Mittel Atrazin, könnten Landwirte vor allem auf Herbizide aus der Familie der Sulfonylharnstoffe zurückgreifen, die im Boden allerdings wesentlich langsamer abgebaut werden. Traditionell werden Unkräuter durch Pflügen bekämpft, wie es heute noch im Biolandbau üblich ist. Der Arbeitsaufwand ist jedoch höher, zudem werden dabei die Böden mechanisch stärker beansprucht und sind mehr der Erosion ausgesetzt.

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