https://www.faz.net/-gwz-7ot6u

Glosse : Ein Roboter wird Lehrer

Hallo ich bin Nao, Euer neuer Lehrer. Bild: Emote

Maschinenwesen, die Kinder unterrichten? Geht das überhaupt? Eine EU-Projekt hat den Versuch gestartet und will Robotern zu mehr Empathie verhelfen.

          2 Min.

          Nao ist ein äußerst schlauer und bescheidener Alleskönner, dessen runder Kopf immer freundlich dreinblickt. Er kennt keine Arbeitszeiten, keinen Stress und verlangt keinerlei Bezahlung für seine Dienste. Kein Wunder, denn Nao ist ein humanoider Roboter der neuesten Generation. Im Kopf sitzt der Prozessor, die Ohren sind zwei Lautsprecher, und in der Stirn steckt eine Kamera. Bislang hat das knapp sechzig Zentimeter große und überaus gelenkige Maschinenwesen vor allem beim Roboterfußball als Stürmer, Torwart oder Verteidiger brilliert. Doch Nao hat vom Kicken genug und sucht nun einen anspruchsvolleren Job.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Denn seine Erbauer haben ihn aufgerüstet, ihm reichlich Hirnschmalz eingehaucht und eine Stimme gegeben. Aber nicht irgendeinen Job will Nao. Nein, er will Lehrer werden. Sein erstes Engagement hat er im Rahmen des interdisziplinären EU-Projekts „Emote“ seit kurzem als Mathe- und Erdkundelehrer. Dort soll er zeigen, ob er überhaupt das Zeug zum Pauker hat, also ob er mehr kann, als nur Lernstoff vermitteln und abfragen. Nao soll nach seiner Ausbildung auch empathisch mit seinen Schülern interagieren und deren emotionale Signale deuten können - Fähigkeiten, an denen es vielen seiner menschlichen Kollegen bisweilen mangelt. Derzeit übt sich Nao im Einzelunterricht mit Acht- bis Elfjährigen in Erdkunde. Dabei sitzt ihm ein Schüler gegenüber, der ein überdimensionales iPad vor sich hat, auf dessen Display eine Landkarte zu sehen ist.

          Bitte, ein klein wenig mehr Einfühlungsvermögen

          Auf Anweisung des Roboters geht der Schüler auf Schatzsuche - mal nach Norden oder Süden, dann nach Osten oder Westen - und lernt so die Himmelsrichtungen kennen. Nao spricht mit seinem Gegenüber, gestikuliert dabei mit seinen Armen und sagt, ob eine Antwort falsch oder richtig ist. Die Schüler sind begeistert, schwärmt der Projektleiter Arvid Kappas von der Jacobs Universität in Bremen. Sie nähmen den Roboter ernst, er motiviere sie zum Lernen.

          Naos frühere Karriere als Torjäger

          Allerdings steckt in ihm noch immer der Automat der alten Schule. Dadurch kann Nao nicht erkennen, ob ein Kind generelle Lernschwierigkeiten hat und deshalb eine falsche Antwort gibt. Einen Sachverhalt noch einmal zu erklären, kommt dem künstliche Tutor nicht in den Sinn. Das wollen die Forscher von Emote ändern. Der Roboter der Zukunft soll einschätzen können, ob sich ein Kind langweilt oder ob es überfordert ist. Er soll in der Lage sein, an der Körperhaltung oder an der Mimik die Befindlichkeit des Schülers abzulesen und mit Gesten und Worten auf sein Gegenüber entsprechend einzugehen.

          Nao muss offenkundig noch sehr viel lernen, bevor man ihn auf die Schüler loslassen und als zusätzliches Instrument bei der Unterrichtsgestaltung nutzen kann. Allerdings kann er allenfalls mit einer kleinen Gruppe Schüler gut arbeiten. Bei einer ganzen Klasse sei er heillos überfordert. Ein bekanntes Manko, das er mit vielen seiner menschlichen Kollegen teilt.

          Weitere Themen

          Wenn Metall am Haar zerbricht

          FAZ Plus Artikel: Stumpfe Klingen : Wenn Metall am Haar zerbricht

          Amerikanische Forscher wollten wissen, warum Rasierklingen sich abnutzen. Sie fanden heraus: Die Dinger werden überhaupt nicht stumpf. Das Problem liegt anderswo. Und langlebigere Klingen sind eventuell gar nicht erwünscht.

          Schusswaffen in Nordamerika Video-Seite öffnen

          Videografik : Schusswaffen in Nordamerika

          Wegen mutmaßlicher Finanzvergehen will der Bundesstaat New York die mächtige Waffenlobbygruppe NRA verbieten lassen. Der Besitz von Schusswaffen ist in der Gesellschaft Nordamerikas tief verwurzelt. Jedes Jahr sterben zehntausende Menschen durch Waffengewalt.

          Topmeldungen

          Corona-Krise : Warum die Zahlen in Spanien wieder ansteigen

          Nirgendwo in Westeuropa gibt es so viele Neuinfektionen wie in Spanien – und das, obwohl nahezu überall Maskenpflicht herrscht und die Behörden wieder Ausgangssperren verhängen. Nun warnt das Auswärtige Amt auch vor Reisen nach Madrid.
          Mike Pompeo und seine Frau Susan bei der Ankunft am Prager Flughafen am 11. August

          Zum Auftakt der Europareise : Pompeo erhält eine deutliche Botschaft

          Der amerikanische Außenminister besucht in dieser Woche vier europäische Länder. Es geht um Truppenstationierungen und um China. Gleich zu Beginn kommt aus Moskau deutliche Kritik: vom deutschen Außenminister.

          Putins Corona-Politik : Der Impfstoff-Murks aus Moskau

          Putin hat mit der Zulassung des weltweit ersten Corona-Impfstoffs vielleicht seinen Sputnik-Moment, doch Sektkorken knallen keine. Das rücksichtslose politische Manöver kann der Impfstoffentwicklung weltweit schaden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.