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Altglas : Auch Scherben müssen sterben

Bunte Glasscherben – schillernde Kunstobjekte. Bild: Marina Pepaj

Soll der Deckel vom Gurkenglas? Wie braun muss eine Flasche sein, um nicht mehr ins Grünglas zu dürfen? Und wohin mit der blauen Ginflasche? Trotz solcher Fragen: Beim Altglas funktioniert das Recycling.

          9 Min.

          Weißglas“, „Braunglas“, „Grünglas“ steht auf den Sammelcontainern. Das leere Marmeladenglas fliegt mit Schwung in den weißen Behälter, das Gurkenglas gleich hinterher. Mit der Ölflasche beginnt das Grübeln: Ist die nun olivgrün oder doch eher bräunlich? Und ist es am Ende überhaupt wichtig, ob diese eine Flasche richtig einsortiert wird?

          Rebecca Hahn
          Freie Autorin in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mehr als vier Millionen Tonnen neues Behälterglas wurden im vergangenen Jahr in Deutschland gefertigt. Überwiegend besteht es aus recyceltem Altglas. Dafür gibt es hierzulande einen fast perfekten Wertstoffkreislauf, und er dreht sich schon recht lange: Das flächendeckende Sammelsystem für Behälterglas wurde 1974 in Deutschland eingeführt. Heute stehen mehr als 250.000 Container bereit, auf dass die Bürger dort Flaschen und Gläser dem Recycling zuführen. Und tatsächlich: Die Verwertungsquote für Glasverpackungen lag im Jahr 2016 bei sagenhaften 85,5 Prozent.

          Der Erfolg des Recyclings hängt vom Sortiereifer an den Containern ab. „Je größer die Verschmutzung im Eingangsmaterial, umso schwieriger wird die Aufbereitung“, sagt Achim Schloßmacher. Er leitet die Aufbereitungsanlage der GRI Glasrecycling GmbH in Dormagen. Schon auf dem Hof vor Schloßmachers Büro türmen sich überall die Scherben. Manche sind schon fertig aufbereitet zu einem gleichmäßig gekörnten Granulat wie das Weißglas auf der rechten Hofseite. Die beiden Glashügel gegenüber warten noch auf die Wiedergeburt als Rohstoff: Eisblau glänzende Bruchstücke von Autoscheiben liegen neben einem Haufen grüner Limoflaschen, sogenanntes Abfüllerglas aus einer Austauschaktion des Limonadenherstellers. Neben etwa 160 000 Tonnen Behälterglas werden in der Anlage jedes Jahr auch 30.000 bis 40.000 Tonnen Flachglas recycelt. Dazu zählen verschiedenste Glasscheiben. Auf dem Hof ist das daraus gewonnene Glasgranulat leicht zu erkennen, weil es feiner bricht als das Behälterglas.

          Bild: Marina Pepaj

          Ganz hinten liegen die Flaschen, Gläser und Bruchstücke aus den Sammelcontainern – ordentlich sortiert nach Weiß, Braun und Grün. „Wir werden oft gefragt, ob in den Lastern nicht sowieso wieder alle Farben durcheinanderkommen“, sagt Schloßmacher. „Aber die Fahrzeuge haben mehrere Kammern und sammeln die einzelnen Farben getrennt ein.“Nur an manchen Stellen blitzt zwischen den Weißglasbergen auch eine grüne Flasche auf. Es sind Fehlfarben, die später bei der Aufbereitung wieder aussortiert werden müssen, damit das Weißglas hinterher keinen Grünstich bekommt. Weiß- und Braunglas sind besonders farbempfindlich. „Grün verträgt die höchsten Fehlfarbeneinträge. Das hängt mit der Chemie des Glases zusammen“, sagt Schloßmacher. Blaue oder rote Flaschen sollten deshalb auch immer in den Grünglas-Container entsorgt werden.

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