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Fracking : Katerstimmung im Energierausch

  • -Aktualisiert am

Fracking: Ölpumpen dominieren das Landschaftsbild auch in Kalifornien. Bild: AFP

Die Vereinigten Staaten drohen zum Menetekel zu werden: Wie lange hält der Boom des Fracking wohl noch an, angesichts fallender Preise und wachsender Umweltprobleme?

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          Landwirtschaft im Appalachen-Gebirge war nie ein Geschäft, mit dem die Bauern dort auf Dauer reich werden konnten. Dass in den vergangenen Jahren in den amerikanischen Bundesstaaten West Virginia, Pennsylvania und New York aber dennoch Hunderte von Landwirten gleichsam über Nacht zu Millionären wurden, hat nichts mit steigenden Preisen für Agrarprodukte zu tun. Die Ursache für den Reichtum liegt einige Kilometer tief unter der Ackerkrume, denn dort gibt es eine dicke Schicht schiefrigen Gesteins, das große Mengen Erdgas enthält. Die Erschließung dieser als „Marcellus Shale“ bekannten geologischen Formation hat nicht nur Bauern wohlhabend gemacht. Selbst Präsident Obama jubelte vor einiger Zeit in einer Regierungserklärung, in den Appalachen und anderswo in Amerika gebe es genug Schiefergas, um die Wirtschaft seines Landes hundert Jahre lang brummen zu lassen.

          Tatsächlich wird inzwischen allein in den vier größten amerikanischen Schiefergaslagerstätten, Marcellus, Barnett, Fayetteville und Haynesville, aus mehr als 30.000 Bohrungen Erdgas gepumpt. Und in den Bundesstaaten Nord-Dakota, Colorado und Kalifornien werden zur Zeit weitere riesige Vorkommen erschlossen. Allerdings könnte es mit diesem Erdgasboom in den Vereinigten Staaten schon bald wieder vorbei sein. Viele Fachleute, halten nämlich die Vorhersagen über die Menge an förderbaren Schiefergasreserven für zu optimistisch. Das britische Wissenschaftsmagazin „Nature“ nennt es in seiner jüngsten Ausgabe sogar einen Trugschluss, zu glauben, Schiefergas sei das Allheilmittel einer nachhaltigen Energieversorgung. Tatsächlich gibt es ökonomische und geologische Gründe, die der Lust nach dem Gas aus Schiefer einen gewaltigen Dämpfer aufsetzen können - von den Bedenken der Umweltschützer über die Erschließungs- und Fördertechniken zu schweigen.

          Bild: F.A.Z.

          Im Gegensatz zu konventionellen Lagerstätten, in denen die Kohlenwasserstoffe meist in porösen Sandsteinen vorkommen, haben die Schiefergas führenden Gesteinsschichten eine weitaus geringere Permeabilität. Um dennoch aus ihnen Gas oder Öl fördern zu können, müssen zunächst „Wegsamkeiten“ im Gestein geschaffen werden. Unter diesem Begriff verstehen Geologen Klüfte und Spalten, durch die sich die Kohlenwasserstoffmoleküle auf ein Bohrloch zubewegen und so aus der Erde gepumpt werden können.

          Seit mehr als 60 Jahren ist Fracking das gängige Verfahren, um unter Tage solche Wegsamkeiten zu schaffen. Allerdings ist jeder Frack recht teuer. Im San-Juan-Becken im Bundesstaat Colorado kostet beispielsweise eine 3000 Meter Tiefe Frackbohrung mehr als fünf Millionen Dollar, in der Bakken-Formation Nord-Dakotas sogar das Doppelte. Vertikalbohrungen in „klassischen“ Ölfeldern schlagen dagegen lediglich mit durchschnittlich 500.000 Dollar zu Buche. Deshalb lohnt sich die Erschließung neuer Schiefergaslagerstätten erst dann, wenn der Preis für „West Texas Intermediate“ WTI-Öl mindestens über 80 Dollar pro Barrel liegt. Dieser Wert wurde Anfang 2008 erstmals überschritten. Abgesehen von wenigen Monaten im Jahre 2009, lag der Preis seitdem über diesem magischen Wert. Das machte sowohl das Fracking als auch die Förderung von Kohlenwasserstoffen aus Schieferschichten derart profitabel, dass Amerika inzwischen zum größten Produzenten von Methan wurde. Dieses Überangebot führte vor wenigen Wochen zum Preisverfall. Inzwischen wird WTI-Öl für weit unter 70 Dollar pro Barrel gehandelt. Hält dieser Abwärtstrend länger an, lohnt sich die Erschließung neuer Schiefergaslagerstätten nicht mehr. Schon jetzt haben die ersten Wildcatter das Fracking in ihren kleineren Claims eingestellt.

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