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Erfindungen : Deconstructing Hedy Lamarr

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Sie galt als schönste Frau der Welt. Manche halten sie außerdem für die Erfinderin des Mobiltelefons. Was ist dran an den Legenden um die Schauspielerin Hedwig Kiesler?

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          Manch einen, der nur ihr Foto sah, traf es wie ein Blitz. Dem Filmkritiker Peter Körte ist es so gegangen, und er hat der Frage, was ihre Faszination ausmachte, ein ganzes Buch gewidmet - ohne eine Antwort zu finden. Hedy Lamarr, die „stumme Sirene“, gilt immer noch als „schönste Frau des Jahrhunderts“.

          Doch als sie vor sechs Jahren starb, in einem Ein-Zimmer-Apartment in der Nähe von Orlando, Florida, im mutmaßlichen Alter von 86 Jahren, war sie als Schauspielerin nahezu vergessen. Dafür war sie zur Internetlegende geworden, und das bizarrerweise für eine Erfindung, die angeblich Grundlage aller modernen Kommunikationstechnik sein soll.

          „If the legend becomes fact, print the legend“ heißt einer der berühmtesten Sätze der Filmgeschichte. Tatsächlich hat sich auch über das Leben von Hedy Lamarr allerhand mythisches Rauschen gelegt. Unter ihrem Mädchennamen Hedwig Eva Maria Kiesler kam sie als Tochter eines jüdischen Bankiers in Wien zur Welt, und zwar 1913, 1914 oder 1915, je nachdem, welcher Quelle man Glauben schenken mag.

          Nase voll vom goldenen Käfig

          Sie absolvierte eine kurze Ausbildung bei Max Reinhardt in Berlin und wurde mit einem Schlag berühmt durch ihren Nacktauftritt in dem österreichisch-tschechischen Film „Ekstase“, bei dem ihr Gesicht während eines Orgasmus gezeigt wird; man habe sie bei dieser Szene mit einer Stecknadel in den Hintern gestochen, erzählte sie später. Dokumentiert ist Hedwig Kieslers Ehe mit Fritz Mandl, dem Besitzer der Hirstenberger Patronenfabrik, einem der größten Waffenhändler jener Zeit, der, obwohl er mit den Nazis sympathisierte, noch vor dem Anschluß Österreichs enteignet wurde und nach Argentinien auswanderte, wo er Berater Juan Perons wurde.

          Fritz Mandl führte in Wien aus geschäftlichen Gründen einen großen Salon, dort wurde zweifellos auch über Waffentechnik diskutiert, was im späteren Leben seiner Frau noch einmal eine Rolle spielen sollte. Immerhin hielt die Ehe des ungleichen Paares vier Jahre lang (drei der fünf folgenden Ehen Hedwig Kieslers waren wesentlich kürzer). 1937 hatte die junge Schauspielerin endgültig die Nase voll von ihrem goldenen Käfig und wanderte aus.

          In London traf sie den Hollywoodmogul Louis B. Mayer, der von dem „Ekstase“- Skandal natürlich gehört hatte. Für 150 Dollar die Woche nahm er Hedwig Kiesler unter Vertrag und verpaßte ihr den Künstlernamen, nach dem Vorbild des jung verstorbenen Stummfilmstars Barbara La Marr. Hedy Lamarrs Aufstieg in Hollywood ist in jedem gängigen Filmlexikon nachzulesen.

          Die Zeit der Atombusenwunder

          Er begann an der Seite von Charles Boyer in „Algier“ und erreichte 1949 seinen Höhepunkt mit „Samson und Delilah“ - einem Film, bei dessen Premiere der Komiker Groucho Marx die Bemerkung fallenließ, er schätze es überhaupt nicht, wenn der Hauptdarsteller größere Brüste habe als die Hauptdarstellerin. Denn das war zweifellos Hedy Lamarrs größtes Problem: Neben dem aufkommenden Typ der atombusenbewehrten Sexbombe wirkte sie etwas ätherisch. Brustvergrößerung war schon damals ein Thema, über das in Amerika leidenschaftlich diskutiert wurde.

          In der Zeitschrift Esquire beispielsweise waren eine Reihe von Artikeln erschienen, die für Hormoncremes warben. Der Autor, ein gewisser George Antheil, verdiente sich damit ein Zubrot zu seinem Job als Komponist von Filmmusiken. Antheil war durchaus bekannt, sein „Ballet pour instruments mecaniques et percussion“ war 1926 im Beisein prominenter Zeitgenossen wie Ezra Pound oder Igor Stravinskiy in Paris uraufgeführt worden und hatte dort einen - vom Autor erhofften - Tumult ausgelöst.

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