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Erfindungen : Deconstructing Hedy Lamarr

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Ein solches Papierband läuft durch eine Abtastvorrichtung und weist Schlitze entlang seiner Laufrichtung auf. Bis zu 88 Stück hatten Antheil und Lamarr vorgesehen, genauso viele, wie ein Klavier Tasten hat. Wann immer der Abtaster einen Schlitz erkannte, sollte eine Mechanik die entsprechende Klaviertaste anschlagen - oder sollten eben Sender und Empfänger synchron die Frequenz wechseln. Nun haben Lamarr und Antheil sowie ihre Nachfahren und Bannerträger sich immer wieder verwundert und schließlich verbittert gezeigt, daß dieses fabulöse Patent während seiner Geltungszeit nie realisiert wurde. Angeblich sei das der Sturheit der Militärs zu verdanken gewesen, die sich kategorisch geweigert hätten, ein „Klavier in unsere Torpedos einzubauen“.

„Das ganze Dingsbums da“

Der Physiker Tony Rothman von der Princeton University hat das Patent einmal genauer unter die Lupe genommen und kam dabei zu dem Schluß, es habe „praktisch keine Chance gegeben, daß es funktioniert“. Die Theorie, Lamarrs und Antheils Erfindung bilde die Grundlage der geheimen Satellitenkommunikation und des modernen Nachrichtenverkehrs, sei eine jener urban legends, deren stete Weiterverbreitung sie nicht wahrer mache.

Rothman bezweifelt auch, daß Hedy Lamarr die technischen Details ihrer Erfindung voll und ganz begriffen habe; in einem etwas scherzhaft geführten Interview mit der Militärzeitschrift Stars and Stripes sprach sie jedenfalls 1945 noch davon, ihr Ko- Erfinder Antheil habe den „wirklich wichtigen chemischen Teil“ beigesteuert, und es sei sehr lustig gewesen, mitanzusehen, wie er und ein eigens hinzugezogener Elektrotechniker vom Caltech-Institute diesen „ganzen Dingsbums da“ zusammengefummelt hätten.

Dessenungeachtet verlieh ihr die Electronic Frontier Foundation 1997 einen Preis in später Anerkennung ihrer Verdienste. „Wurde auch Zeit“, hat sie kommentiert. George Antheil starb 1959 an einem Herzinfarkt, mit Hedy Lamarrs Karriere ging es wenig später endgültig bergab. 1966 sorgten ihre Memoiren noch einmal für Schlagzeilen, weil darin eine unglaubliche Zahl von Sexgeschichten ausgebreitet wurde; die Schauspielerin verklagte die beiden Ghostwriter später auf Schadenersatz.

Ehrengrab in Wien

Weitere juristische Auftritte hatte sie 1965 und 1991 wegen Ladendiebstahls. 1998 klagte sie gegen die Softwarefirma Corel, die ihr Zeichenprogramm mit einem Hedy Lamarr-Porträt illustriert hatte, in der irrigen Annahme, sie sei bereits verstorben. In ihrem Nachlaß fand sich noch eine unerledigte Klage gegen den kalifornischen Großwinzer Gallo, der einen Fernsehspot mit Motiven aus einem Lamarr- Film angereichert hatte. Anthony Loder, Hedy Lamarrs Sohn aus dritter Ehe, hat ihre Asche testamentgemäß nach Wien überführt; der Dokumentarfilm „Calling Hedy Lamarr“ zeigt, wie er einen Teil davon im Wald verstreut.

Der Rest lagert angeblich noch in den Räumen der Produktionsfirma. Nachdem die Zeitschrift Profil auf diesen Skandal hingewiesen hatte, gab der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny vergangene Woche bekannt, daß sie nun doch auf Kosten der Stadt in einem Ehrengrab beigesetzt werden soll. Außerdem ist geplant, eine „öffentliche Verkehrsfläche“ nach ihr zu benennen und einen „Lamarr“- Preis für Forscherinnen auszuschreiben.

Der deutsche „Tag des Erfinders“ findet ihr zu Ehren ohnehin schon am 9. November statt. Das soll ihr Geburtstag gewesen sein, ob nun 1913, 1914 oder 1915. Aber selbst das ist nicht ganz sicher: Der Standesbeamte hat seinerzeit „IX“ als Monat in ihre Geburtsurkunde eingetragen und das erst später in „XI“ korrigiert.

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