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Energiespeicher : Wohin mit dem grünen Strom?

Offshore Windpark nordwestlich der Insel Borkum Bild: REUTERS

Die Energiewende droht zu stocken. Die Herausforderungen sind von vielen unterschätzt worden. Dabei ist der Umbau des Energiesystems zu bewältigen - insbesondere, wenn man die Energiespeicherung nicht vernachlässigt.

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          Die gute Nachricht zuerst: Deutschland hat in der Batterieforschung mächtig aufgeholt und sogar den Anschluss an die Weltspitze wieder geschafft. Dank kräftiger Finanzspritzen aus Berlin, versteht sich. Die einschlägigen Experten des Batterie-Kompetenznetzwerkes KLiB sprechen bereits großspurig von High-Tech-Energiespeichern „Made in Germany“. Es wurde aber auch allerhöchste Zeit. Denn hierzulande lag die Forschung auf dem Batteriesektor - eine der tragenden Säulen der Energiewende - viele Jahre fast völlig brach.

          Und das in einem Land, das einst als Hochburg der Elektrochemie und der Batterieentwicklung galt. Insbesondere die Forschung an den wegen ihrer hohen Energiedichte begehrten Lithium-Ionen-Batterien - diese elektrochemischen Speicher sind zuletzt vor allem in Fernost gefertigt worden - könne sich laut Kompetenznetzwerk wieder sehen lassen.

          Ernüchternde Einschätzung

          Also alles im grünen Bereich? Mitnichten. Selbst die leistungsfähigsten Batterietypen sind technisch bei weitem noch nicht so ausgereift, dass sie ausreichend Kapazitäten böten, um den mit Windkraft und Sonne produzierten Strom wenigstens kurzfristig speichern zu können - zu einem bezahlbaren Preis. Das ist die schlechte Nachricht und das ernüchternde Ergebnis einer neuen Erhebung des Verbands der Chemischen Industrie zur „Zukunft der Energiespeicher“ (hier kann man das Positionspapier herunterladen). Ähnlich skeptisch beurteilen die Industriechemiker die derzeitigen Möglichkeiten der stofflichen Energiespeicher. Wasserstoff oder Methan könnten derzeit noch nicht in großem Maßstab genutzt werden, um den erneuerbaren Strom über Tage und Wochen zu puffern und zu einigermaßen vertretbaren Kosten bei Bedarf jederzeit bereitzustellen.

          Keine Lösungen in Sicht

          Und das, obwohl Technologien wie die Elektrolyse von Wasser und die Weiterverarbeitung des so gewonnenen Wasserstoffs zu Methan schon seit langem bekannt sind. Es besteht Forschungs- und Entwicklungsbedarf auf breiter Energiespeicherfront. Und trotz aller Bemühungen seien kurzfristig keine Lösung zu erwarten, so das Fazit des Chemieverbandes, dessen Klientel freilich ein ureigenes Interesse an einer sicheren und günstigen Versorgung mit Energie und Rohstoffen hat.

          Kritische Marke 40 Prozent

          Die Forderungen des VCI werden viele politische Entscheidungsträger in den Bundesländern und in Berlin gar nicht gerne hören, die immer noch glauben, der Erfolg der Energiewende hänge allein vom massiven Ausbau der Wind- und Solarparks sowie des Stromnetzes ab. Die kleine Energiewende bis 2020 kommt sicherlich ohne größere Energiespeicher aus. Steigt der Anteil der Erneuerbaren jedoch über 40 Prozent, wird man wohl ohne effiziente Energie- und Stromspeicher ernste Probleme bekommen.

          Ein gutes Dutzend Positionspapiere (eine Auswahl siehe Kasten)  zur Energiewende sind von den verschiedensten Forschungsorganisationen und wissenschaftlichen Verbänden veröffentlicht worden. Doch die Appelle scheinen im Streit um die Strompreise und eine EEG-Reform unterzugehen. Die Energiewende, für viele das Sprungbrett in die grüne Zukunft, könnte zur teuren Rolle rückwärts werden.

          Eine Online-Leserkonferenz zum Thema Energiespeicherung, an der auch drei Experten vom VCI teilnehmen, findet am  Freitag um 14:00 Uhr statt.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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