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Einstein-Jahr : Einstein, Hilbert und der geheimnisvolle Schnipsel

  • -Aktualisiert am

Albert Einstein, 1934 Bild: AP

Das Einstein-Jahr ist offiziell beendet. Zeit, noch ein wenig am Denkmal zu rütteln. Ein alter Verdacht wirft die Frage auf, ob die wichtigste Formel in der allgemeinen Relativitätstheorie in Wirklichkeit von einem andern stammt.

          8 Min.

          Vor 90 Jahren hielt der Mathematiker David Hilbert vor der Göttinger Akademie einen Vortrag über die Grundlagen der Physik. Was er genau sagte, ist nicht überliefert. Aber viele, die aus späteren Veröffentlichungen Hilberts etwas über den Auftritt wissen, gilt jener Samstag im Herbst 1915 als die eigentliche Geburtsstunde der allgemeinen Relativitätstheorie, der modernen Theorie der Schwerkraft.

          Nun ist diese normalerweise mit dem Namen Albert Einsteins verbunden. Einstein allerdings legte seine abschließende Arbeit erst fünf Tage später, am 25. November 1915, der Preußischen Akademie der Wissenschaften vor. Daher galt es für lange Zeit als erwiesen, daß der Lorbeer für die Vollendung der allgemeinen Relativitätstheorie dem Mathematiker Hilbert gebührt.

          War Hilberts Triumph über Einstein ein Triumph der Mathematik über die Physik? 1997 wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte Druckfahnen für Hilberts Arbeit gefunden. Die Abbildung links unten auf dieser Seite zeigt einige Seiten daraus. Dieses Dokument zeigt, daß Hilbert seine Theorie im Dezember 1915 nochmals grundsätzlich revidiert hat - ein Hinweis darauf, daß es doch Einstein war, dem als ersten die endgültige Formulierung gelungen war.

          Einsteins Formel: Hatte Hilbert eigentlich die Idee?
          Einsteins Formel: Hatte Hilbert eigentlich die Idee? : Bild: AP

          Wer hat wen „nostrifiziert“?

          Einsteins abschließender Arbeit waren viele fehlgeschlagene Anläufe vorausgegangen, in denen er mit den Schwierigkeiten seiner neuen Theorie der Schwerkraft rang. Eine solche Theorie mußte mit den Einsichten seiner 1905 aufgestellten speziellen Relativitätstheorie vereinbar sein. Denn diese fordert, daß nichts schneller als das Licht sein darf, was eine Revision der bewährten Gravitationstheorie Isaac Newtons notwendig machte. Jahrelang kämpfte Einstein mit der Schwierigkeit, seine physikalischen Einsichten in geeigneter mathematischer Sprache auszudrücken.

          Einsteins Mühen mit der Mathematik sind auch die Quelle eines alten Verdachts, der in letzter Zeit wieder zu neuem Leben erweckt wurde: Demnach habe Einstein die entscheidende Formel - die sogenannte Feldgleichung - nicht selbst abgeleitet, sondern sich bei Hilbert abgeschaut. Die Formel, die Einstein übernommen haben soll, habe, so wird vermutet, auf einem abgeschnittenen Stück der Druckfahnen gestanden, das heute nicht mehr vorhanden ist. Wurde dieses Stück vielleicht von einem übereifrigen Einstein-Verehrer, vom KGB oder vom israelischen Geheimdienst entfernt, um die historische Wahrheit zu verfälschen? Wie aber kann man überhaupt wissen, was auf dem Stück stand? Und was steht eigentlich in den erhaltenen Teilen dieser Druckfahnen?

          Einstein selbst hatte einen anderen Verdacht. Im Sommer 1915 hatte er selber in Göttingen vorgetragen, und seitdem arbeitete auch Hilbert intensiv am Thema Gravitation. Tatsächlich vermutete Einstein, Hilbert wolle ihn um den Ruhm für seine langjährige Arbeit an der allgemeinen Relativitätstheorie bringen. An seinen Freund Heinrich Zangger schrieb er am 26. November 1915: „Die Theorie ist von unvergleichlicher Schönheit. Aber nur ein Kollege hat sie wirklich verstanden, und der eine versucht sie auf geschickte Weise zu ,nostrifizieren' . . .“.

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