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Digitale Bildbearbeitung : Schieberegler für die Körper

  • -Aktualisiert am

Noch ist gute digitale Bildmanipulationen harte Arbeit, neue Technik macht sie immer einfacher. Und nun gibt es auch Software, mit der sich Menschen in Filmen mühelos verändern lassen.

          „Nicht einmal ich sehe aus wie Cindy Crawford, wenn ich morgens wach werde“, gestand das amerikanisch Supermodel vor Jahren in einem Interview. Dass Cindy Crawford auf Fotos trotzdem immer wie Cindy Crawford aussieht, liegt natürlich am Make-up, zum Teil aber auch daran, dass man die Bilder von Schönheiten wie ihr in der Regel am Computer weiter aufhübscht. Ein Pickelchen hier, ein Äderchen dort - kurz mit der Maus drüber, und weg ist der Makel. Auch ganze Köpferformen zu korrigieren ist heute kein Problem mehr; junge Menschen lassen sich in alte verwandeln, dicke in dünne. Software zur digitalen Bildbearbeitung ist mittlerweile so leistungsfähig, dass oft höchstens noch Fachleute zwischen falsch und echt unterscheiden können.

          Bis vor kurzem galt das nur für Fotos. Jetzt wurde eine Software entwickelt, mit der sich spielend leicht Menschen in Videofilmen modifizieren lassen. Es genügt, kleine Schieberegler auf dem Bildschirm hin und her zu bewegen, schon schrumpft oder wächst der Darsteller. Je nach Bedarf nimmt die Muskelmasse zu oder der Bauchansatz. Vorerst existiert in den Labors des Max-Planck-Instituts für Informatik in Saarbrücken nur ein Prototyp der neuen Bildbearbeitungssoftware. Im Internet wurde das Demo-Video aber schon hunderttausendfach angeklickt (www.mpi-inf.mpg.de/resources/MovieReshape/MovieReshape.avi). Zu sehen ist, wie ein männlicher Baywatch-Star über den Strand joggt, mal mit flacher Brustmuskulatur, mal mit gewölbter.

          Dahinter steckt harte Arbeit

          „Jetzt sind nicht einmal mehr Videos vor Fälschern sicher“, schimpfen Kritiker. Thorsten Thormählen, Gruppenleiter der Saarbrücker Spezialisten, kennt die Bedenken. Für ihn ist die neue Software vor allem ein Hilfsmittel, um professionelle Filmaufnahmen aufzupeppen. „Bislang futtert sich mancher Hollywoodstar für eine Filmrolle Pfunde an“, sagt Thormählen, „mit unserer Software ließe sich das völlig stressfrei am Computer erledigen.“ Im Fitness-Studio könnte man Videos zur Motivation anbieten: „So werde ich aussehen, wenn ich dreimal die Woche trainiere.“

          Die Leichtigkeit, mit welcher der Baywatch-Adonis durch den Sand läuft, täuscht darüber hinweg, dass die Entwicklung des „MovieReshape“ für die Saarbrücker Informatiker harte Arbeit war. Zunächst haben sie die Körper von 100 Probanden eingescannt und aus den Daten am Computer einen Durchschnittskörper, ein „morphable body model“ (verformbares Körpermodell) erzeugt. Zugleich lernte der Computer, zwischen dick und dünn, lang und kurz, flacher oder spitzer Nase zu unterscheiden.

          Körperscans helfen zu richtigen Proportionen

          Füttern die Forscher den Computer jetzt mit einer Videosequenz, passt ihr Programm das digitale Körpermodell automatisch an die Gestalt im Film an - und zwar für jedes Einzelbild. Bei einem flimmerfreien Video sind das immerhin 25 Bilder pro Sekunde. Eine solche automatische Bildanalyse dauert derzeit noch Stunden. Dann aber geht es schnell. Hat der Computer alle Bilder und die Positionen des Darstellers analysiert, genügt ein Zug am Schieberegler, und der Körper wächst oder schrumpft nach Gutdünken - und zwar in der gesamten Sequenz gleichmäßig.

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